Deutscher Gewerkschaftsbund

08.03.2018

Seid unbequem!

einblick April 2018

Die Schauspielerin Friederike Kempter (u.a. „Tatort Münster“) spricht im einblick über Frauenrechte, die Filmbranche und was sie jungen Frauen rät.

Geschäftsfrau und Geschäftsmann stehen vor einer Wand und recken angezeichnete muskulöse Oberarme in die Höhe

DGB/Jörg Stüber/123rf.com

Auf der DGB-Veranstaltung zum Jubiläum des Frauenwahlrechts haben Sie einen Text über die Gewerkschafterin und Frauenrechtlerin Emma Ihrer vorgetragen. Was war das Spannende daran?

Emma Ihrer muss eine faszinierende Persönlichkeit gewesen sein. Eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Radikal, mutig und streitbar. Und die viel für uns Frauen erreicht hat. Ich finde, ihr Name und ihr Tun sollten viel bekannter sein. Also, her mit dem Film über Emma Ihrer!

Portriat Friederike Kempter

Kempter/Niklas Vogt

Warum ist das Engagement von Frauenrechtlerinnen auch heute wichtig?

Weil es noch viel zu verbessern gibt.

Frauen sind in Film und Fernsehen unterrepräsentiert. Wie kann das geändert werden?

Indem wir Frauen uns noch mehr trauen und auch Lust darauf haben, unsere eigenen Geschichten zu erzählen. Und indem diese Filme dann auch von den Verantwortlichen finanziert werden.

Sind Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in der Film- und Theaterbranche besonders verbreitet?

Ich glaube nicht, dass sich Film und Theater in diesem Punkt groß von anderen Arbeitsfeldern unterscheiden. Diese Branche unterliegt aber einem anderen öffentlichen Interesse als zum Beispiel die Gastronomie, eine Behörde oder irgendeine mittelständische Firma. Und diese Öffentlichkeit haben mutige Kolleginnen genutzt und haben ein Schweigen gebrochen, das fast überall in unserer Gesellschaft herrscht.

Es ist nicht zielführend, eine einzige Branche an den Pranger zu stellen oder sich an einzelnen Geschichten aufzuhalten, deren Mitwirkende wir zu kennen glauben. Wir müssen zum Kern des Problems vorstoßen, um etwas zu ändern. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Keine News mehr verpassen zu frauen- und gleichstellungspolitischen Themen der Gewerkschaften!

Stichwort #metoo – haben Sie selbst solche Erfahrungen gemacht?

Ich selbst habe mich am Set und im Theater immer respektiert gefühlt und zum Glück keine schlechten Erfahrungen gemacht, anders als im öffentlichen Raum. In der S-Bahn oder auf der Straße, da kenn ich sexuelle Belästigung oder Übergriffigkeiten – wie wahrscheinlich jede Frau.

Was muss geschehen, um Missbrauch von Frauen – egal in welcher Form – zu stoppen?

Wir Frauen müssen uns gegenseitig ermutigen, stark und selbstbewusst zu sein und ohne Angst. Wir müssen unsere Grenzen kennen und zu ihnen stehen. Und wenn wir Missbrauch erleben, dürfen wir uns nicht schämen und schweigen. Wir müssen auch die Männer einbeziehen und mit ihnen reden. Es soll kein Gegeneinander sein, sondern im besten Fall ein Miteinander.

Was können Gewerkschaften die Arbeitsbedingungen in der Filmbranche verbessern?

Ein Film unterliegt einem künstlerischen Prozess und ist deshalb nicht zu vergleichen mit der Herstellung eines Autos. Aber – gerade wenn man fürs Fernsehen dreht – finde ich, dass ein Film nicht durch die Selbstausbeutung der Menschen entstehen darf, die dafür arbeiten. Da nehme ich mal die Schauspieler heraus, die meist sehr gut bezahlt werden. Insgesamt würde es allen Beteiligten helfen, wenn man mehr Drehtage pro Film hätte und die Arbeitstage dadurch etwas kürzer würden.

Welche gleichstellungspolitischen Themen sollten die Gewerkschaften anpacken?

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.

Haben Sie einen Tipp, worauf junge Frauen zu Beginn ihres Erwerbslebens achten sollen?

Macht euch bewusst, was ihr wollt und was nicht. Und dann steht dafür ein, auch auf die Gefahr hin, als unbequem oder schwierig zu gelten. Die allermeisten werden das als Stärke erkennen und respektieren. Und außerdem ist es manchmal einfach herrlich, gerade als Frau, unbequem zu sein.


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