Deutscher Gewerkschaftsbund

10.09.2018
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Aus- und Weiterbildung, Pflegebranche und Gebäudereinigung: Mindestlohn steigt

Stand der Daten: 3. August 2018

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Ab 1. Januar 2019 steigt der Mindestlohn für die Beschäftigten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, in der Pflegebranche und im Gebäudereinigerhandwerk.

Gebäudereiniger an Fassade

Colourbox.de

Branchen-Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Mehr Details zu Branchen-Mindestlöhnen in der Liste weiter unten.

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF

Branchen-Mindestlöhne im Überblick

AUS- UND WEITERBILDUNG: Seit 1. Januar 2018 bekommen die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung bundesweit einheitlich mindestens 15,26 Euro. Pädagogische Mitarbeiter/innen erhalten ab 1. Januar 2019 15,72 Euro, Pädagogische Mitarbeiter/innen mit Bachelorabschluss 15,79 Euro.

BAUGEWERBE: Ab Januar 2018 wird der Branchen-Mindestlohn auf 12,20 Euro in zwei Stufen für den neuen Mindestlohn-Tarifvertrag, der vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 gilt, angehoben. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne in der Baubranche.

DACHDECKERHANDWERK: Gesellen erhalten seit März 2018 mindestens 12,90 Euro, im Januar 2019 steigt der Mindestlohn auf 13,20 Euro. Für Ungelernte liegt der Mindestlohn bei 12,20 Euro.

ELEKTROHANDWERK (Montage): Der Mindeststundenlohn für knapp 360.000 Beschäftigte beträgt seit 1. Januar 2018 bundeseinheitlich 10,95 Euro. Im Januar 2019 wird er auf 11,40 Euro angehoben.

FLEISCHINDUSTRIE: Seit Januar 2018 gilt für die rund 80.000 Beschäftigten der Fleischindustrie ein Mindestlohn von 9,00 Euro. Die Allgemeinverbindlichkeit ist noch nicht erteilt.

LAND- UND FORTSWIRTSCHAFT, GARTENBAU: Seit November 2017 gilt ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 9,10 Euro.

GEBÄUDEREINIGUNG: Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es seit Januar 2018 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen Mindestlohn von 10,30 Euro (West inkl. Berlin) beziehungsweise 9,55 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 13,55 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 12,18 Euro (Ost).

Der Mindestlohn steigt ab 1. Januar 2019 für die Innen- und Unterhaltsreinigung auf 10,56 Euro (West) bzw. 10,05 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung erhöht er sich auf 13,82 Euro (West) und 12,83 (Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE: Die Branchen-Mindestlöhne für die Geld- und Wertdienste sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Außerdem wird nach den Tätigkeiten "Geld- und Werttransport" und "Geldbearbeitung" unterschieden. Die Branchen-Mindestlöhne liegen derzeit zwischen 10,38 Euro pro Stunde und 16,53 Euro pro Stunde. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne bei den Geld- und Wertdiensten.

GERÜSTBAUERHANDWERK: Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt ab Mai 2018 11,35 Euro.

LEIHARBEIT/ZEITARBEIT: siehe Webseite zur Tarifrunde Leiharbeit 2016/2017 mit aktuellem Tarifabschluss

MALER- UND LACKIERHANDWERK: Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten ab Mai 2018 mindestens 10,60 Euro. Für Gesellen gelten ab diesem Zeitpunkt Mindestlöhne von 13,30 Euro (West, inkl. Berlin) und 12,40 Euro (Ost).

PFLEGEBRANCHE: Für die etwa 800.000 Arbeitnehmer gelten seit Januar 2018 Mindestlöhne von 10,55 Euro in Westdeutschland (inkl. Berlin) und 10,05 Euro in den neuen Bundesländern. Sie steigen im Januar 2019 auf 11,05 Euro (West inkl. Berlin) beziehungsweise 10,55 Euro (Ost).

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK:  Bundesweit gilt ein Mindestlohn von 12,95 Euro für die rund 7.500 Beschäftigten.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK: Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gilt ab Mai 2018 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 11,40 Euro.

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE: Seit Januar 2017 gilt bundesweit ein Mindestlohn von 8,84 Euro, der der Höhe des aktuellen gesetzlichen Mindestlohns entspricht.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN IM OBJEKTKUNDENGESCHÄFT: Für die rund 34.000 Beschäftigten der Branche gilt seit Juli 2016 ein bundesweit einheitlicher Branchen-Mindestlohn von 8,75 Euro. Diese Branchenmindestlohn-Regelung galt offiziell bis Ende September 2017. Seit Januar 2018 müssen die Beschäftigten mindestens 8,84 Euro pro  Stunde (gesetzlicher Mindestlohn) erhalten.

Quelle der Daten: WSI-Tarifarchiv
- alle Angaben ohne Gewähr -

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn beträgt 8,84 Euro

Die Mindestlohnkommission hat am 28. Juni 2016 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro/Stunde vorzuschlagen. Die Bundesregierung hat dann am 16. Oktober 2016 die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2017 beschlossen. Sie setzte damit die Entscheidung der Mindestlohnkommission um.


Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 8,84 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die (über 8,84 Euro liegenden) Branchenmindestlöhne trotz gesetzlichem Mindestlohn von 8,84 Euro weiter?

Und eine klare Antwort: Ja, die über 8,84 Euro liegenden tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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Seit 1. Januar 2017 hat Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro. Jetzt heißt es: Dran bleiben. Der Mindestlohn muss wirksam umgesetzt und kontrolliert werden, Schlupflöcher und Ausnahmen darf es nicht geben. Auf unseren Seiten zum Mindestlohn finden Sie die Geschichte der Mindestlohnkampagne, Nachrichten und alle DGB-Infos zum gesetzlichen Mindestlohn.
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