Deutscher Gewerkschaftsbund

Gesetzliche Krankenversicherung

Hey Boss, wo bleibt deine Hälfte?

Arbeitgeber müssen endlich wieder den gleichen Anteil der Krankenkassenbeiträge zahlen!

Frau mit Megafon und Sprechblase "Hey Boss, wo bleibt deine Hälfte?"

DGB

Arbeitnehmer zahlen die eine Hälfte der Beiträge, Arbeitgeber die andere: Das war jahrzehntelang das Prinzip der Gesetzlichen Krankenversicherung. Doch mit dieser gerechten, paritätischen Finanzierung ist es längst vorbei. Seit 2005 müssen Arbeitnehmer einen Zusatzbeitrag leisten, die Beiträge der Arbeitgeber wurden eingefroren. Differenz pro Jahr: etwa 400 Euro. Und in 4 Jahren werden es bereits fast 950 Euro sein.

#heyboss - Arbeitgeber müssen wieder den gleichen Anteil der Krankenkassenbeiträge zahlen!

Grafik, die zeigt, dass Arbeitnehmer heute 65% aller Gesundheitskosten tragen, Arbeitgeber nur noch 35%

Fast zwei Drittel der Gesundheitsausgaben zahlen heute die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, nur noch rund ein Drittel die Arbeitgeber. DGB

Gesundheit braucht Solidarität

Gesund sein und lange fit bleiben – wer wünscht sich das nicht? Doch jede/r kann krank werden und ist froh, dass die Behandlungs- und Arzneimittelkosten zum Großteil von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Dafür zahlen abhängig Beschäftigte monatliche Beiträge ein. Die gesetzliche Krankenversicherung beruht also auf dem Solidaritätsprinzip und sorgt dafür, dass Krankheitskosten nicht zum Armutsrisiko werden.

Gerecht war gestern

Seit den 1950er Jahren galt das Prinzip: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte der Krankenkassen-Beiträge („paritätische“ Finanzierung). Doch seit 2005 müssen Arbeitnehmer einen Zusatzbeitrag leisten, während die Beiträge der Arbeitgeber nicht erhöht wurden. Dies war der Einstieg in den Ausstieg aus der gerechten, paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung.

So profitieren die Arbeitgeber
Entwicklung der jährlichen Krankenversicherungszusatzbeiträge der Arbeitnehmer; heute: 408 Euro, 2021 bereits fast 950 Euro

DGB

Seit 2005 müssen Arbeitnehmer einen Zusatzbeitrag leisten. Heute etwa 400 Euro pro Jahr. Und in 4 Jahren werden es bereits fast 950 Euro sein.

2011 wurden die Arbeitgeber-Beiträge bei 7,3% eingefroren – dies gilt bis heute unverändert. Seit 2015 darf jede Krankenkasse selbst über den Zusatzbeitrag für ihre Mitglieder entscheiden. Inzwischen liegt der Arbeitnehmeranteil bei 8,4 Prozent im Schnitt. Heute zahlt ein Arbeitnehmer somit fast 400 Euro mehr pro Jahr als der Arbeitgeber – trotz gut gehender Wirtschaftslage und Unternehmensgewinne. Die Tendenz ist steigend: Im Jahr 2021 könnten die Zusatzbeiträge für Arbeitnehmer schon 946 Euro pro Jahr betragen, so die Prognosen.

Beschäftigte zahlen drauf

Viele Leistungen, die früher von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wurden, zahlen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute teilweise oder komplett selbst, zum Beispiel Medikamente, Krankenhausaufenthalte und Zahnersatz. Weitere einseitige Belastungen sind:

  • Private Zusatzversicherungen – allein 2015 in Höhe von rund acht Milliarden Euro
  • Pflegeversicherung – Streichung eines freien Tages für abhängig Beschäftigte seit 1995
  • Krankengeld – Reduzierung auf 70 Prozent des Einkommens seit 1996
Patient reicht Arzthelferin eine Krankassenkarte

DGB/racorn/123rf.com

Somit tragen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine zusätzliche Finanzlast von insgesamt 61 Milliarden Euro pro Jahr.

Auf Kosten der Gesundheit

Krankheit ist nicht einfach selbst verschuldet: Jedes Jahr entstehen enorme Kosten, weil Arbeitgeber zum Beispiel ihren Pflichten beim Arbeitsschutz nicht nachkommen. Allein die berufsbedingten physischen Erkrankungen verursachen Kosten von 26 Milliarden Euro pro Jahr – ganz zu schweigen von dem großen Leid für die Betroffenen.

Es kann nicht sein, dass sich die Arbeitgeber aus der Verantwortung stehlen!

Zurück zur Gerechtigkeit:

  • Arbeitgeber müssen ab sofort wieder die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen.
  • Ehemalige Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen müssen wieder von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, beispielsweise Zahnersatz für Erwachsene.
  • Langfristig muss die gesetzliche Krankenversicherung zur solidarischen Bürgerversicherung weiterentwickelt werden, in die alle einbezogen werden.

Bildergalerie: Hey Boss, wo bleibt deine Hälfte?

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