Deutscher Gewerkschaftsbund

05.10.2017
Deutsche Post

Post nur noch jeden zweiten Tag?

Die Deutsche Post hat ein Pilotprojekt gestartet. Briefpost soll künftig unter Umständen nicht mehr montags bis samstags, sondern nur noch an drei Tagen oder gar nur noch an einem Tag pro Woche zugestellt werden. Deutliche Kritik kommt von den Gewerkschaften.

Briefträger wirft Briefe in Briefkasten

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In vier Bundesländern wird testweise seltener zugestellt

Seit Juli testet die Deutsche Post in einem Pilotprojekt, ob sie Briefpost nicht mehr wie bisher üblich sechs Tage pro Woche (montags bis samstags) zustellt – sondern nur noch fünf, drei oder gar nur einen Tag. Getestet wird in Zustellbezirken in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Laut einer Sprecherin des Konzerns ist das Ergebnis des Pilotprojekts "ergebnisoffen". Die Teilnahme am Pilotprojekt ist für die Kunden freiwillig – noch.

Gewerkschaft ver.di übt scharfe Kritik

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisiert den Test der Deutschen Post. ver.di ist auch für die Beschäftigten der Post zuständig ist. Wenn seltener zugestellt würde, habe das negative Auswirkungen für die Kunden und die Beschäftigen, befürchtet die Gewerkschaft: Die Post gefährde "einen wichtigen Bestandteil der Infrastruktur und damit auch die Arbeitsplätze ihrer Beschäftigten", meint die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis.

Hand-Wagen eines Briefträgers der Deutschen Post

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Deutsche Post sägt am Ast, auf dem sie sitzt

Außerdem säge die Post damit an dem Ast, auf dem sie selbst sitzt, sagt Kocsis: Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern würden zeigen, dass eine seltenere Zustellung und eine längere Transportzeit der Briefe die Postdienstleistungen unattraktiv mache. Viele kleine und mittelständische Betriebe, Arztpraxen und Institutionen seien auf ein stabiles Postnetz angewiesen, so ver.di. Auch der Online-Handel profitiere nicht zuletzt in ländlichen Regionen von der zuverlässigen Zustellung an allen sechs Werktagen.

DGB Rheinland-Pfalz/Saarland kritisiert: Jetzt soll bei den Kunden gespart werden

Der DGB-Bezirk Rheinland-Pfalz/Saarland fordert, die bisher übliche Briefzustellung von sechs Tagen pro Woche beizubehalten. Sowohl Rheinland-Pfalz als auch das Saarland gehören zu den vier Bundesländern, in denen das Pilotprojekt stattfindet. Man müsse auch daran erinnern, "dass es mit der Privatisierung der Post politisch gewollt war, ein Unternehmen zu schaffen, das gewinnorientiert arbeitet", sagt der Vorsitzende des DGB-Bezirks Dietmar Muscheid. "Bereits damals war absehbar, dass die Privatisierung zulasten der Angestellten gehen würde. Nun soll auch bei den Kundinnen und Kunden gespart werden."


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