Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 162 - 17.09.2010

Vierter Monitoring-Bericht belegt: Rente mit 67 ist nicht vertretbar

Die Rente mit 67 ist für die Beschäftigten kaum erreichbar und verschärft die gesellschaftliche Schieflage in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt der vierte Monitoring-Bericht, den der DGB und der Sozialverband VdK am Freitag vorgestellt haben. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Untersuchung des „Netzwerks für eine gerechte Rente“ – bestehend aus DGB, Gewerkschaften und Sozial- und Wohlfahrtsverbänden – standen die aktuelle Beschäftigungslage und die zu erwartenden arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen.

Die beiden Autoren, Prof. Dr. Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen und Prof. Dr. Ernst Kistler, Leiter des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (INIFES), präsentierten dabei ernüchternde Zahlen: Nur 9,2 Prozent der 63-Jährigen und 6,3 Prozent der 64-Jährigen haben noch eine Vollzeitbeschäftigung. In den Gesundheitsdienstberufen sind sogar nur 2,6 Prozent aller Beschäftigten über 60 Jahre alt, bei Malern und Lackierern sind es 2,9 Prozent. Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass die Entlastung auf dem Arbeitsmarkt nur sehr langsam vorankommen wird und im nächsten Jahrzehnt weiterhin von einer hohen Massenarbeitslosigkeit auszugehen ist.

Die sozialen Folgen der Chancenlosigkeit Älterer am Arbeitsmarkt sind schon heute gravierend: 46,6 Prozent aller Altersrentner gehen mit Abschlägen in Rente – mit Rentenkürzungen von durchschnittlich 114 Euro. In diesem Zusammenhang wiesen die beiden Wissenschaftler auch die häufig geäußerte Behauptung zurück, Altersarmut sei momentan noch kein Problem: Zwar sei die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter noch relativ gering, steige aber stark an. Nach Statistiken der EU seien schon heute 17 Prozent der über 65-Jährigen von Armut bedroht.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte die Bundesregierung auf, die Situation nicht länger zu verharmlosen oder schönzufärben. „Die Fakten belegen, dass die Einführung der Rente mit 67 nicht vertretbar ist. Wenn sich die Bundesregierung an die geltende Rechtslage hält, dann muss sie die Rente mit 67 in diesem Jahr stoppen. Wir fordern deshalb die Koalition auf, die Rente mit 67 zumindest auf Eis zu legen. Es muss darum gehen, den ArbeitnehmerInnen die Chance zu eröffnen, überhaupt bis 65 gesund in Arbeit bleiben zu können. Dafür brauchen wir mehr Weiterbildung und Gesundheitsförderung in den Betrieben.“

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland und Mitinitiatorin des Netzwerks, machte deutlich, dass die Rente mit 67 die ohnehin drohende Altersarmut zusätzlich verschärfe: „Die Gefahr der Arbeitslosigkeit im fortgeschrittenen Alter steigt. Für die Betroffenen verlängert sich nicht die Lebensarbeitszeit, sondern die Zeit der Arbeitslosigkeit mit allen Folgen, wenn man nach kurzer Zeit schon auf Hartz-IV-Niveau abstürzt. Vor allem droht langjährig Versicherten die Zwangsverrentung: Auch wenn die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre erhöht wird, können langjährig Versicherte vom Grundsicherungsträger mit 63 in Rente geschickt werden – mit den 14,4 Prozent Abschlägen“. Menschen mit gesundheitlichen Problemen würden von der Rente mit 67 besonders hart getroffen: „Der durchschnittliche Zahlbetrag der Erwerbsminderungsrente ist mittlerweile auf 643 Euro gesunken und liegt damit unter dem Sozialhilfeniveau. Deshalb brauchen wir Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente – die Abschläge müssen abgeschafft werden, weil sich niemand die Erwerbsminderung freiwillig aussucht.“

Weitere Informationen

Titelbild 4. Monitoringbericht des Netzwerks für eine gerechte Rente.

4. Monitoringbericht des Netzwerks für eine gerechte Rente.

Download: 4. Monitoringbericht des Netzwerks für eine gerechte Rente

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31.05.2010
Mo­ni­to­ring-­Be­rich­te zur Ren­te mit 67
Die Organisationen des "Netzwerk für eine gerechte Rente" weisen in dieser Serie auf die Probleme hin, die durch die Rente mit 67 zu erwarten sind. Dem Netzwerk gehören an: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Katholische Arbeitnehmerbewegung Deutschland, Sozialverband Deutschland, Sozialverband VdK, Volkssolidarität Bundesverband, Deutscher Gewerkschaftsbund.
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