Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 109 - 24.06.2013

DGB-Index Gute Arbeit: Arbeitsbedingungen auf dem Prüfstand - Nur 42 Prozent glauben, bis zur Rente durchzuhalten

Nur 42 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gehen davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente arbeiten können. Dagegen geben 47 Prozent an, dass sie es wahrscheinlich nicht bis zum Rentenalter schaffen. Dies ist der zentrale Befund der aktuellen Repräsentativbefragung der Beschäftigten im Rahmen des DGB-Index Gute Arbeit.

Der DGB-Index Gute Arbeit beruht auf einer bundesweiten Repräsentativbefragung von 4.895 abhängig Beschäftigten. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung belegen, dass die derzeitigen Arbeitsbedingungen einen negativen Einfluss auf die künftige Arbeitsfähigkeit der meisten Beschäftigten haben. So glauben von den Beschäftigten in Pflegeberufen nur 20 Prozent, dass sie unter den derzeitigen Anforderungen bis zum Rentenalter durchhalten können. Arbeitsstress dämpft die Zukunftsaussichten insgesamt: Nur ein Drittel der Beschäftigten, die unter Arbeitshetze leiden, glaubt daran, es bis zur Rente zu schaffen. Große Unterschiede zeigen sich auch im Vergleich der Branchen: Im Wissenschaftsbereich erwarten 65 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zur Rente arbeiten zu können, im Gastgewerbe sind es dagegen nur 23 Prozent, unter den Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern 24 Prozent.

Nach dem Urteil der Beschäftigten liegt der Indexwert für die durchschnittliche Qualität der Arbeitsbedingungen insgesamt bei 61 Punkten und damit im unteren Mittelfeld. Als „gut“ bewerten die Beschäftigten die Arbeitsbedingungen einzig unter dem Kriterium „Sinn der Arbeit“ (80 Punkte), schlecht steht es in ihren Augen insbesondere um die „Arbeitsintensität“ (46 Punkte). Die Umfrage zeigt, dass Arbeitshetze und Leistungsverdichtung zunehmen.

Zu den Befragungsergebnissen sagte Michael Sommer am Montag in Berlin:

„Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt, dass die Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden müssen. Der Gesundheitsschutz im Betrieb muss oberste Priorität haben, damit arbeitsbedingte Erkrankungen der Beschäftigten vermieden werden. Da die meisten Arbeitgeber aber noch immer große Defizite vor allem bei den notwendigen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung von psychischen Belastungen haben, brauchen wir auch bessere gesetzliche Rahmenbedingungen für mehr Mitbestimmung und eine Anti-Stress-Verordnung. Dies ist ein wichtiger Bestandteil einer neuen Ordnung der Arbeit, die der DGB und die Gewerkschaften fordern.

Gleichzeitig muss die Bundesregierung endlich einsehen, dass die Rente mit 67 für die meisten Beschäftigten unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen unerreichbar ist und zumindest ausgesetzt werden muss. Stattdessen müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Beschäftigten überhaupt bis 65 Jahre arbeiten können – und dazu brauchen wir gute und gesunde Arbeitsbedingungen.

Außerdem brauchen wir einen besseren Schutz für diejenigen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme frühzeitig vom Arbeitsmarkt verdrängt werden. Im Jahr 2012 musste jeder fünfte Neurentner über die Erwerbsminderungsrente mit durchschnittlich 604 Euro in den Ruhestand gehen. Dies liegt weit unter der Grundsicherungsschwelle. Ein solcher sozialpolitischer Skandal muss schleunigst abgestellt werden.“

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