Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 064 - 08.04.2014

Wir brauchen eine Ausbildungsgarantie

Zu dem heute im Bundeskabinett beschlossenen Berufsbildungsbericht 2014 sagte Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, am Dienstag in Berlin:

„Der Ausbildungsmarkt befindet sich in einer handfesten Krise: Trotz einer robusten Konjunktur und steigender Schulabgängerzahlen haben wir 2013 einen historischen Tiefstand bei neuen Ausbildungsverträgen erreicht. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge sank mit 530.700 auf den niedrigsten Wert seit 1977 – und damals wurden nur die westdeutschen Bundesländer gezählt. Nur noch gut jeder fünfte Betrieb bildet aus. Von 816.000 ausbildungsreifen Bewerbern haben nur 530.700 einen Ausbildungsplatz bekommen. Somit ging rund jeder dritte Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Gleichzeitig konnten 33.500 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden.

Diese Zahlen zeigen: Es gibt massive Verwerfungen auf dem Ausbildungsmarkt. Einzelne Branchen haben große Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Dies gilt insbesondere für das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Bäcker- und Fleischerhandwerk. Gerade in dieser Branche aber findet man auch die schlechtesten Ausbildungsbedingungen. Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag wird hier vorzeitig aufgelöst. Branchen, die für Jugendliche wieder attraktiv werden wollen, müssen ihnen gute Ausbildungsbedingungen, eine bessere Bezahlung und gute Perspektiven bieten.

Bund, Länder und Sozialpartner müssen die duale Berufsausbildung gemeinsam wieder stärken. Junge Menschen haben ein Recht auf eine gute Ausbildung. Eine gute duale Berufsausbildung ist zudem das Rückgrat der Innovationskraft unserer Betriebe. Der DGB wird sich an der von der Bundesregierung angekündigten Allianz für Aus- und Weiterbildung beteiligen, wenn wir tatsächlich entscheidende Verbesserungen für die Ausbildungschancen der Jugendlichen vereinbaren können. Wir müssen endlich eine Ausbildungsgarantie umsetzen, die Warteschleifen im Übergang von der Schule in den Beruf abbauen und die Qualität der Ausbildung auf die Tagesordnung setzen. Ein schlichtes ‚Weiter so‘ darf es angesichts der Verwerfungen auf dem Ausbildungsmarkt nicht geben.“

Hintergrund:

Laut Berufsbildungsbericht gibt es rund 21.000 unversorgte Bewerber, die in der Tat komplett ohne Angebot geblieben sind.

Hinzu kamen 2013 noch 62.500 junge Menschen, die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) als „ausbildungsreif“ eingestuft wurden und trotzdem in Ersatzmaßnahmen wie Praktika, Einstiegsqualifizierungen und berufsvorbereitenden Maßnahmen geparkt wurden. Diese Jugendlichen haben der BA aber angezeigt, dass sie aktuell noch einen Ausbildungsplatz suchen. Um ein realistischeres Bild der Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu bekommen, müssten zumindest diese Jugendlichen als unversorgt eingestuft werden. Damit sind allein 2013 insgesamt 83.500 Bewerber ohne Ausbildungsplatz geblieben – und das bei 33.500 offenen Plätzen. Schon nach dieser Statistik übersteigt die Nachfrage das Angebot an Ausbildungsplätzen um mehr als das Doppelte.

Zusätzlich haben 106.640 Jugendliche den Bewerberstatus erhalten, konnten aber trotzdem keinen Ausbildungsvertrag unterzeichnen. Sie wurden ebenfalls in Maßnahmen geparkt, haben der BA aber nicht angezeigt, dass sie unmittelbar noch einen Ausbildungsplatz suchen. Es ist davon auszugehen, dass diese Jugendlichen ihren Ausbildungswunsch für das laufende Jahr nur aufgeschoben haben. Das heißt: Auch diese Jugendlichen sind noch nicht adäquat versorgt.

Im Ausbildungsjahr 2013 gab es zudem 95.620 junge Bewerber, deren Verbleib aus Sicht der BA unbekannt ist.

Junge Menschen mit Ausbildungsvertrag

530.714

Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich

mit Vermittlungsauftrag

  62.530

Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich

ohne Vermittlungsauftrag

106.640

Bewerber/innen, deren Verbleib nicht bekannt ist

  95.622

Offiziell unversorgte Bewerber/innen

  21.034

INSGESAMT AUSBILUNGSINTERESSIERTE

816.540

 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Berufsbildungsbericht 2014, April 2014

Insgesamt haben von den 816.540 jungen Menschen, die 2013 ein ernsthaftes Interesse an einer Ausbildung hatten und als „ausbildungsreif“ deklariert wurden,  lediglich 530.714 einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Damit haben nur 65,0 Prozent dieser jungen Menschen einen Ausbildungsplatz gefunden. Dies ist trotz robuster Konjunktur gegenüber dem Jahr 2010 (68,3 Prozent) ein deutlicher Rückgang. Die Integrationskraft des dualen Systems lässt nach.


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