Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 077 - 16.05.2010

Ingrid Sehrbrock: „Bildung ist ein Menschenrecht“

„Kein Rollback bei den Bildungsinvestitionen“ verlangte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock vor den 400 Delegierten des 19. Ordentlichen DGB-Bundeskongress. In ihrem mündlichen Geschäftsbericht erklärte sie, dass niemandem aus Gründen der Armut der Weg in weiterführende Bildung verwehrt werden darf. „Gute Bildung und gute Bildungsabschlüsse sind die Platzanweiser in unserer Gesellschaft. Wer Bildungswege nutzen kann, dem eröffnen sich Berufs- und Lebenschancen“, sagte Ingrid Sehrbrock.

Mit Blick auf die Durchlässigkeit des Bildungssystems forderte Sehrbrock die Anschlussfähigkeit jeder Ausbildung und Zugangswege zum Studium ohne Abitur und sagte weiter: „Wir wollen keine sozialen Barrieren auf dem Weg in die Hochschule – sei es durch Studiengebühren, die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen oder eine schlecht gemachte Bologna-Reform.“

Die Krise setzt die Zukunft junger Menschen aufs Spiel, fürchtet Ingrid Sehrbrock. Neben der gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit, wird die junge Generation zunehmend in prekäre Beschäftigung gedrängt. „Sie sind die unfreiwilligen Vorreiter einer „schönen neuen“, und vor allem flexiblen Arbeitswelt. Mehr als 60 Prozent der jungen Beschäftigten waren 2008 schon in unsicheren, mies bezahlten Arbeitsverhältnissen – zu Niedriglöhnen, befristet, in Leiharbeit, als Praktikanten oder mit Honorarverträgen“, sagte Sehrbrock.

Für die DGB-Vizechefin sind ganz besonders die jungen Leute auf Hilfe angewiesen, die die Schule ohne oder mit schlechten Abschlüssen verlassen. Gerade sie brauchen eine Chance im Betrieb, um in einem anderen Umfeld als im Klassensaal ihre Motivation und Lernbereitschaft zurück zu gewinnen.

In den vergangenen vier Jahren konnte der DGB die Aufmerksamkeit für die Anliegen von Frauen wecken. „Wir haben es mit der Initiative ‚Ich bin mehr wert’ erreicht. Die Schnauzbartaktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin und in vielen anderen Städten wollte sagen: Mit Bart wäre das nicht passiert – die schlechtere Bezahlung von Frauen in Deutschland. Im Durchschnitt sind es 23 Prozent weniger. In Europa sind es „nur“ 15 Prozent. Wir nehmen also wieder mal einen Platz weiter hinten ein“, sagte Ingrid Sehrbrock. Gemeinsam mit den Frauenverbänden wird nun jährlich der „Equal Pay Day“ begangen, um gegen die Entgeltungleichheit öffentlich zu protestieren.

Mit dem Dreiklang aus Qualität der Kinderbetreuung, echten Karrierechancen und der Entgeltgleichheit für Frauen konnten die DGB-Frauen die Debatte um Chancengerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt erweitern.

Aktiv mitmischen wird der DGB auch bei der geplanten Neuregelung des Arbeitnehmerdatenschutzes. „Nach Lidl, Telekom und Bahn wissen Arbeitnehmer, dass Bespitzelungen, Videoüberwachungen am Arbeitsplatz und Datenscreening aller Beschäftigten offenbar ohne Schuldbewusstsein praktiziert werden. Das können und das werden wir nicht dulden“, erklärte Ingrid Sehrbrock. Daher forderte sie eine deutliche Einschränkung der Datenerhebungen und Datenspeicherungen, generelle Verbote der Videoüberwachung und von Datenscreening durch den Arbeitgeber.


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Ingrid Sehrbrock: Ergänzung zum Geschäftsbericht

Ergänzung zum Geschäftsbericht 2006-2009
Ingrid Sehrbrock Ergänzung zum Geschäftsbericht
„Kein Rollback bei Bildungsinvestitionen“ verlangte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock vor den 400 Delegierten des 19. DGB-Bundeskongress. Niemand dürfe aus Gründen der Armut der Weg in weiterführende Bildung verwehrt werden.

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