Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 142 - 29.08.2011

DGB-Programm gegen Altersarmut: Chancen nicht verspielen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Bundesregierung zu einem entschlossenen Handeln gegen die drohende Altersarmut auf. „Altersarmut ist eine tickende Zeitbombe, und die Koalition darf die Chance nicht verspielen, sie rechtzeitig zu entschärfen. Wenn die Bundesregierung allerdings nur Placebos anbieten und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsrücklage verpulvern sollte, kann sie sich den Regierungsdialog gleich ganz sparen. Der Kampf gegen Altersarmut lässt sich nicht zum Nulltarif gewinnen“, DGB-Vorstandsmitglied, anlässlich der Vorstellung der gewerkschaftlichen Anforderungen an den Regierungsdialog zur Altersarmut.

„Wenn die Bundesregierung nicht endlich handelt, ist Altersarmut in Zukunft kein Randphänomen mehr, sondern wird drastisch zunehmen. Insbesondere in Ostdeutschland droht ein Anstieg von Mini-Renten unter 700 Euro von heute vier auf 28 Prozent bei Männern und von 36 auf 57 Prozent bei Frauen. Ursachen sind der boomende Niedriglohnsektor und die Rentenkürzungen, die sich im Jahr 2030 auf bis zu 25 Prozent summieren. Die Bundesregierung muss das Problem deshalb an beiden Enden gleichzeitig anpacken, den Arbeitsmarkt in Ordnung bringen und die Rentenleistungen verbessern.

Notwendig ist ein Sofortprogramm, das langfristig wirkt. Dazu gehören neben der Eindämmung von Armutslöhnen und der Neuauflage der steuerfinanzierten 'Rente nach Mindesteinkommen' insbesondere eine wirksame Verbesserung der Erwerbsminderungsrente und der Reha-Leistungen sowie die Abschaffung der Rente mit 67.

Wir fordern Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen deshalb auf, die Spielräume der Nachhaltigkeitsrücklage der Gesetzlichen Rentenversicherung zu nutzen, um die Alterssicherung armutsfest zu machen. Dazu schlagen wir vor, den Beitragssatz der Gesetzlichen Rentenversicherung konstant bei 19,9 Prozent zu belassen. Dadurch könnten alle notwendigen Maßnahmen finanziert werden. Die Rücklage würde trotz der Mehrausgaben gegen Altersarmut und der demografischen Entwicklung selbst bis zum Jahr 2025 noch über 18 Mrd. Euro betragen. Diese Spielräume dürfen nicht einer waghalsigen Beitragssatzsenkung geopfert werden“.

Das DGB-Sofortprogramm zur Vermeidung von Altersarmut

Kostenneutrale Sicherungselemente:

Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde
Equal Pay in der Leiharbeit

Steuerpolitisch relevante Sicherungselemente:

Wiedereinführung der "Rente nach Mindesteinkommen"
Stopp der Subventionierung von Niedriglöhnen

Beitragsrelevante Sicherungselemente:

Aufwertung der Erwerbsminderungsrente
Abschaffung der Rente mit 67
Erhöhung des Reha-Budgets

Darüber hinaus fordert der DGB die Einführung einer Erwerbstätigen­versicherung und die steuerfinanzierte Absicherung von ALG-II-Beziehern. Dadurch würden sich die Finanzspielräume der Rentenversicherung zur Vermeidung von Altersarmut weiter vergrößern.


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Anforderungen des DGB an den Rentendialog der Bundesregierung

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Annelie Buntenbach stellt die Anforderungen des DGB an den Rentendialog der Bundesregierung vor. DGB-Pressegespräch am 29.8.2011
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Text

Anforderungen an den "Rentendialog" der Bundesregierung

DGB/Simone M. Neumann
Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßt, dass sich die Bundesregierung im „Regierungsdialog Rente“ dem Thema Altersarmut widmet. Mit dem damit angestoßenen Diskussions- und Reformprozess eröffnet sich die Möglichkeit, die drohende Altersarmut zu verringern und das Verhältnis von Beiträgen und Leistungen der Gesetzlichen Rentenversicherung in eine neue Balance zu bringen.

Entwicklung der Nachhaltigkeitsrücklage der Gesetzlichen Rentenversicherung

Nach geltender Gesetzeslage muss der Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung zu Beginn eines Jahres abgesenkt werden, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage voraussichtlich bis zum Ende des Jahres mehr als 1,5 Monatsausgaben beträgt. Der DGB fordert, den gesetzlichen Automatismus zur Beitragssenkung abzuschaffen.

Rede: Anforderungen des DGB an den „Rentendialog“ der Bundesregierung

Wir haben zurzeit eine sehr zwiespältige Debatte um die Rente. Einerseits wird über eine Beitragssatzsenkung spekuliert – andererseits hat Ministerin von der Leyen einen „Rentendialog“ ins Leben gerufen, mit dem sie der drohenden Altersarmut begegnen will. Wir haben dazu eine klare Position: Wenn die Bundesregierung Altersarmut ernsthaft und wirksam vermeiden will, muss sie auch das nötige Geld dafür in die Hand nehmen.

Handlungsbedarf gegen Altersarmut im Erwerbsleben

Die Präsentation geht den Ursachen für Altersarmut auf den Grund. Sie beschreibt anhand der Fakten die Tendenzen und Prognosen und zeigt Lösungsvorschläge der Gewerkschaften.

Auswirkungen der Leistungskürzungen auf die Höhe der GRV-Rente

Wie sich die Leistungskürzungen auf auf die Höhe der Gesetzlichen Rentenversicherung auswirken: Die Entwicklung der Rentenniveaus zwischen 2001 und 2030.

Hintergrund: Rente nach Mindesteinkommen

Um langjährig versicherten ArbeitnehmerInnen eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu ermöglichen, schlägt der DGB die Verlängerung der sogenannten „Rente nach Mindesteinkommen“ für Zeiten nach 1992 vor. Der DGB hat Rechenbeispiele zusammengestellt.

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