Deutscher Gewerkschaftsbund

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29.11.2017
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Steigender Mindestlohn: Bau, Pflege, Aus- und Weiterbildung

Stand der Daten: 6. November 2017

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Ab Januar 2018 steigt der Branchen-Mindestlohn im Baugewerbe, in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, im Montage-Elektrohandwerk, bei den Geld- und Wertdiensten und in der Pflegebranche.

Junge Frau mit Schutzheln trägt Holzlatten

DGB/Lisa Young/123rf.com

Branchen-Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Mehr Details zu Branchen-Mindestlöhnen in der Liste weiter unten.

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF

Branchen-Mindestlöhne im Überblick

AUS- UND WEITERBILDUNG: Ab 1. Januar 2017 bekommen die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung bundesweit einheitlich mindestens 14,60 Euro. Ab 1. Januar 2018 sollen es dann 15,26 Euro sein (die Allgemeinverbindlichkeit hierfür ist allerdings noch nicht erteilt; Stand: November 2017).

BAUGEWERBE: Seit Januar 2017 darf kein Beschäftigter der Branche weniger als 11,30 Euro verdienen. Ab Januar 2018 wird der Branchen-Mindestlohn auf 12,20 Euro in zwei Stufen für den neuen Mindestlohn-Tarifvertrag, der vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 gelten wird, angehoben. Im Detail gelten folgende Mindestlöhne in der Baubranche.

DACHDECKERHANDWERK: Die etwa 72.000 Beschäftigten erhalten seit Januar 2017 mindestens 12,25 Euro.

ELEKTROHANDWERK (Montage): Der Mindeststundenlohn für mehr als 350.000 Beschäftigte beträgt ab 1. Januar 2017 10,65 Euro in Westdeutschland und 10,40 Euro in Ostdeutschland und Berlin. Der Mindestlohn im Elektrohandwerk wird 2018 bundeseinheitlich auf 10,95 Euro und im Januar 2019 auf 11,40 Euro angehoben.

FLEISCHINDUSTRIE: In der Fleischindustrie mit ihren rund 80.000 Beschäftigten gilt seit Dezember 2016 ein Branchen-Mindestlohn von 8,75 Euro.

LAND- UND FORTSWIRTSCHAFT, GARTENBAU: Ab Januar 2017 gilt ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 8,60 Euro. Ab November 2017 steigt der Branchen-Mindestlohn bundesweit auf 9,10 Euro.

GEBÄUDEREINIGUNG: Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es ab Januar 2017 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn von 10,00 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 9,05 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 13,25 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 11,53 Euro (Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE: Die Branchen-Mindestlöhne für die Geld- und Wertdienste sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Außerdem wird nach den Tätigkeiten "Geld- und Werttransport" und "Geldbearbeitung" unterschieden. Die Branchen-Mindestlöhne liegen derzeit zwischen 9,88 Euro pro Stunde und 16,13 Euro pro Stunde (ab 2018 16,53 Euro pro Stunde). Im Detail gelten folgende Mindestlöhne bei den Geld- und Wertdiensten.

GERÜSTBAUERHANDWERK: Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt seit Mai 2017 bundesweit 11,00 Euro.

LEIHARBEIT/ZEITARBEIT: siehe Webseite zur Tarifrunde Leiharbeit 2016/2017 mit aktuellem Tarifabschluss

MALER- UND LACKIERHANDWERK: Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten bundesweit seit Mai 2017 mindestens 10,35 Euro. Für Gesellen gelten ab diesem Zeitpunkt Mindestlöhne von 13,10 Euro (West, inkl. Berlin) und 11,85 Euro (Ost).

PFLEGEBRANCHE: Für die etwa 800.000 Arbeitnehmer gelten seit Januar 2017 Mindestlöhne von 10,20 Euro in Westdeutschland (inkl. Berlin) und 9,50 Euro in den neuen Bundesländern. Sie steigen ab Januar 2018 auf 10,55 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 10,05 Euro (Ost).

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK:  Bundesweit gilt ein Mindestlohn von 12,95 Euro für die rund 7.500 Beschäftigten.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK: Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gelten seit Mai 2017 Mindestlöhne von 11,40 Euro (West inkl. Berlin) beziehungsweise 11,20 Euro in Ostdeutschland. Ab Mai 2018 beträgt der Mindestlohn dann auch im Osten 11,40 Euro.

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE: Seit Januar 2017 gilt bundesweit ein Mindestlohn von 8,84 Euro, der der Höhe des aktuellen gesetzlichen Mindestlohns entspricht.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN IM OBJEKTKUNDENGESCHÄFT: Für die rund 34.000 Beschäftigten der Branche gilt seit Juli 2016 ein bundesweit einheitlicher Branchen-Mindestlohn von 8,75 Euro. Diese Branchenmindestlohn-Regelung galt offiziell bis Ende September 2017. Spätestens ab Januar 2018 müssen die Beschäftigten mindestens 8,84 Euro pro  Stunde (gesetzlicher Mindestlohn) erhalten.

Quelle der Daten: WSI-Tarifarchiv
- alle Angaben ohne Gewähr -

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn beträgt 8,84 Euro

Die Mindestlohnkommission hat am 28. Juni 2016 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro/Stunde vorzuschlagen. Die Bundesregierung hat dann am 16. Oktober 2016 die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2017 beschlossen. Sie setzte damit die Entscheidung der Mindestlohnkommission um.


Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 8,84 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die (über 8,84 Euro liegenden) Branchenmindestlöhne trotz gesetzlichem Mindestlohn von 8,84 Euro weiter?

Und eine klare Antwort: Ja, die über 8,84 Euro liegenden tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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