Deutscher Gewerkschaftsbund

01.01.2016
Ratgeber Ungesicherte Beschäftigung

FAQ: Unfreiwillige Teilzeit

Teilzeitarbeit lässt mehr Zeit für die Familie oder für außerberufliche Interessen. Doch nicht immer haben ArbeitnehmerInnen die Wahl: oft werden nur noch Teilzeitarbeitsplätze angeboten, z.B. im Einzelhandel oder im öffentlichen Dienst.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teilzeitbeschäftigt sind. Bei vielen ArbeitnehmerInnen ist der Wunsch nach Teilzeitarbeit groß. Teilzeitarbeit lässt mehr Zeit für die Familie oder für außerberufliche Interessen. DGB und Gewerkschaften haben sich deshalb in den letzten Jahrzehnten dafür eingesetzt, dass Teilzeitarbeit zur Normalität wird und die Rechte von Teilzeitbeschäftigten gestärkt werden. Neue Chancen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, bieten das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) sowie die seit 2001 geltende Elternzeitregelung.

Doch nicht immer haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Wahl: Immer häufiger werden z.B. im Einzelhandel, Reinigungsgewerbe und im öffentlichen Dienst von den Arbeitgebern nur Teilzeitarbeitsplätze angeboten, um eine möglichst große Flexibilität bei niedrigen Kosten zu erzielen. Aufgrund der nach wie vor schwierigen Arbeitmarktsituation nehmen dann Menschen einen Teilzeitarbeitsplatz an, obwohl sie eigentlich nach einer Vollzeitstelle suchen. Bundesweit würde  fast jede/r siebte Erwerbstätige gegen entsprechende Vergütung gerne mehr arbeiten.

In Ostdeutschland strebt über die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen eigentlich eine Vollzeitstelle an. Ursache der Teilzeitbeschäftigung sind hier sind fehlende Vollzeitstellen. Die hohe Teilzeitquote von Frauen in den alten Bundesländern hat eine andere Ursache. Aufgrund eines Mangels an qualitativ hochwertigen Ganztagseinrichtungen für Kinder aller Altersstufen ist Teilzeitarbeit häufig der einzige Weg, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Gebäudereiniger an Fassade

Colourbox.de

Immer häufiger bieten Arbeitgeber, zum Beispiel im Reinigungsgewerbe, nur Teilzeitarbeitsplätze an. Ihr Ziel: möglichst große personelle Flexibilität bei niedrigen Kosten.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Teilzeittätigkeit?

Teilzeitarbeit ermöglicht Arbeitnehmerinnen mehr Freiraum für andere Aktivitäten: Sie haben mehr Zeit für die Familie, für ehrenamtliche Aufgaben und für die berufliche Fortbildung. Auch der Erwerb zusätzlicher Qualifikationen außerhalb des Betriebes oder einfach das Verfolgen von Hobbys können Motive für eine Teilzeittätigkeit sein.

Nachteile sind ein niedrigeres Einkommen sowie dementsprechend geringere Rentenbeiträge zur Finanzierung einer ausreichend hohen Rente. Leider wird Teilzeitkräften häufig der Zugang zu betrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen erschwert. Dies gilt auch für berufliche Aufstiegschancen. Zwar gibt es eine Reihe von Vorschriften zur Vermeidung von Nachteilen wie der Schutz vor Diskriminierung sowie die Teilhabe an Qualifikation und Aufstieg (Diskriminierungsverbot). In der Realität haben TeilzeitarbeiterInnen immer noch mit diesen Nachteilen zu kämpfen. 

Unfreiwillige Teilzeit und ständige Unterbeschäftigung sind nachteilig. Denn große Gruppen von Erwerbspersonen werden damit teilweise oder ganz von der Erwerbsarbeit ausgeschlossen - z.B. wenn die Teilzeitarbeitsstelle auch noch befristet ist. Erwerbsarbeit wird somit für viele Menschen zu einer unsicheren Form der Teilhabe an der Gesellschaft. Weniger Einkommen sowie Unsicherheit sind die Folge. Es entfällt der Schutz vor materieller und sozialer Unsicherheit, wie ihn eine Vollzeitbeschäftigung oder ein Teilzeitbeschäftigungsverhältnis mit existenzsichernden Einkommen bietet. 

Wann habe ich Anspruch auf Teilzeittätigkeit?

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) legt fest, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betrieben mit mindestens 15 Beschäftigten einen Anspruch auf Teilzeitarbeit haben. Allerdings kann der Arbeitgeber den Wunsch auf Arbeitszeitreduzierung aus betrieblichen Gründen verweigern. Das Gesetz erleichtert Beschäftigten, die sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden, wieder auf einen Vollzeitarbeitsplatz zurück zu kehren. Damit haben Beschäftigte jedoch durchaus bessere Chancen, ihre Arbeitszeitinteressen zu verwirklichen als früher.

Welche Pflichten hat mein Arbeitgeber?

Die Höhe des Arbeitentgelts sowie der Anspruch auf geldwerte Leistungen muss sich bei einem Teilzeitarbeitsplatz an einer in Art und Tätigkeit vergleichbare Vollzeitstelle orientieren. Das bedeutet, dass kein geringerer Stundenlohn gezahlt werden darf. Sollten in dem Betrieb keine vergleichbaren vollzeitbeschäftigten MitarbeiterInnen arbeiten, ist ein in der Branche anwendbarer Tarifvertrag die Vergleichsbasis. Dies gilt auch dann, wenn der Betrieb nicht tarifgebunden ist.

Gilt das Teilzeit- und Befristungsgesetz auch für geringfügig Beschäftigte?

Ja, das Gesetz erfasst auch geringfügig Beschäftigte als Teilzeitbeschäftigte! Damit sind geringfügig Beschäftigte genauso zu behandeln wie andere Teilzeitbeschäftigte auch. Siehe auch FAQ Minijobs.

Welche Rechte und Ansprüche habe ich als Teilzeitbeschäftigte in der Sozialversicherung und was ist mit Steuern?  

Teilzeitbeschäftigte haben die gleichen Sozialversicherungspflichten wie Vollzeitbeschäftigte. (Achtung: das gilt nicht für für sogenannte Mini- und Midijobs.) Die Steuern und Abgaben werden anteilig errechnet. Die gesetzlichen Urlaubsansprüche gelten ebenfalls anteilig - letzteres gilt auch für Minijobs.

Achtung: Neu ist die "Gleitzone" für Einkommen über 400 Euro bis zur Obergrenze von 800 Euro. Weitere Informationen zur Gleitzone finden Sie in der FAQ Minijobs.

Mir wird die Beförderung verweigert - mit der Begründung, ich würde "nur" Teilzeit arbeiten. Ist das rechtens?

Gleichbehandlung gilt über die Frage des Entgelts hinaus auch bei beruflichem Aufstieg. Die Teilzeitbeschäftigung darf kein Argument dafür sein, ArbeitnehmerInnen von Beförderungen auszuschließen. Um berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu gewährleisten, verpflichtet das Gesetz den Arbeitgeber, dafür Sorge zu tragen, dass auch Teilzeitbeschäftigte an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen können (§ 10 TzBfG). Dieser Anspruch ist allerdings wieder durch ein Vorliegen dringender betrieblicher Gründe eingeschränkt. Gibt es keine solchen Gründe, müssen Teilzeitkräfte die gleichen Möglichkeiten erhalten wie ihre KollegInnen mit Vollzeitverträgen.

Gilt das Recht auf Gleichbehandlung auch noch für andere Bereiche?

Ja, das Recht auf Gleichbehandlung gilt nicht nur beim Lohn, sondern auch bei Aufstieg und Qualifizierung. Um mehr Akzeptanz für Teilzeit zu erreichen, legt das TzBfG gleich in mehreren Paragraphen die Pflicht zur Gleichbehandlung von MitarbeiterInnen auf Teilzeitstellen fest. Das betrifft die Höhe des Arbeitsentgelts genauso wie die Berücksichtigung bei Aufstieg und Beförderung oder die Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen.

So heißt es in § 4, Absatz 1 TzBfG: "Ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer darf wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer, es sei denn dass sachliche Gründe eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen." Zu rechtfertigen ist eine unterschiedliche Behandlung also nur dann, wenn sie nicht wegen der Teilzeitarbeit erfolgt, sondern z.B. wegen geringerer Qualifikation oder Berufserfahrung.

Dieser Paragraf des TzBfG regelt auch, dass Teilzeitbeschäftigte Anspruch auf Arbeitsentgelt und andere teilbare geldwerte Leistungen haben. Diese müssen im Umfang der Arbeitszeit entsprechen. Eine Besserstellung ist natürlich zulässig. So haben Teilzeitbeschäftigte wie die KollegInnen mit Vollzeit Anspruch auf eine Sonderzahlung, wenn diese ausschließlich von einem Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Stichtag abhängt. Sieht die Regelung dagegen nur anteilige Leistungen vorsieht, dann gelten diese.

Probleme können sich ergeben, wenn es in einem Unternehmen mehrere vergleichbare ArbeitnehmerInnen unterschiedlichen Regelungen in ihren Arbeitsverträgen stehen haben. In solchen Fällen ist eine Durchschnittsberechnung zu erwägen. In nicht tarifgebundenen Betrieben dient als Maßstab für die Vergleichbarkeit - so will es das Gesetz - ein für die Branche zuständiger Tarifvertrag (§ 2, Absatz 1).

Ich möchte aus einer unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigung herauskommen. Was kann ich tun?

Bei Wünschen und Problemen können Sie sich jederzeit an ihren Betriebsrat wenden oder aber an ihre zuständige Einzelgewerkschaft. Um berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu befördern, ist es immer sinnvoll, sich - möglichst nach Beratung - individuell an den Arbeitgeber zu wenden und die eigenen Wünsche und Vorstellungen vorzutragen. In den letzten Jahren gehen Arbeitgeber immer mehr dazu über, Teilzeitbeschäftigung zur Kostensenkung einzusetzen. Hier kann man als einzelner nur bedingt etwas ausrichten. Stattdessen sind gesellschaftliche, gewerkschaftliche und betriebliche Gegenstrategien zu entwickeln. 

Gibt es Beratungsangebote, wenn ich Teilzeit beanspruchen möchte?

Wer sein Recht auf Teilzeit in Anspruch nehmen möchte, sollte sich in jedem Fall vom Betriebs- oder Personalrat beraten lassen. Das beginnt bereits mit der Antragsstellung. Wird der Antrag abgelehnt, kann mit Hilfe der ArbeitnehmerInnenvertretung vielleicht noch erfolgreich interveniert werden. Zum Beispiel in Bezug auf die benannten im Gesetz vage bezeichneten "betrieblichen Gründe", mit denen die Ablehnung möglicherweise begründet wird. Als letzter Weg bleibt sonst nur noch die Klage vor dem Arbeitsgericht.

Wann habe ich Anspruch auf Elternzeit? 

Nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Anspruch auf Elternzeit. Vielen Arbeitgebern ist jedoch unbekannt, dass während dieser Zeit Anspruch auf eine Teilzeittätigkeit von bis zu 30 Wochenstunden besteht. Damit haben junge Eltern die große Chance, Familie und Beruf in den Anfangsjahren zu vereinbaren. Der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung muss allerdings mindestens drei Monate vorher angekündigt werden.

Habe ich Anspruch auf Elternzeit? Und wie sieht das mit dem Kündigungsschutz aus?

Elternzeit können alle in Anspruch nehmen, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen und ein - in der Regel - neugeborenes Kind betreuen möchte. Dies gilt auch für Teilzeitbeschäftigte - unabhängig davon, ob diese in einem Minijob oder anderweitig in Teilzeit arbeiten. ArbeitgeberInnen können Vollzeitbeschäftigte nicht zwingen, in ein Teilzeitarbeitsverhältnis zu wechseln. oder umgekehrt. Eine Kündigung aufgrund der Verweigerung eines solchen Wechsels ist unzulässig (§ 11 TzBfG).

Mein Arbeitgeber möchte, dass ich während der Elternzeit in einen Minijob wechsele. Muss ich das akzeptieren?

Nein! ArbeitgeberInnen können weder Teilzeit- noch Vollzeitbeschäftigte zu einem Minijob zwingen, wenn sie in Elternzeit gehen wollen oder bereits in Elternzeit sind. Allergrößte Vorsicht ist auch angebracht bei arbeitgeberseitigen "Angebote", während der Elternzeit zu kündigen und als MinijobberIn oder per Werkvertrag in der gleichen Firma weiter zu arbeiten. Viele ArbeitnehmerInnen sehen hier aus ihrer augenblicklichen Situation heraus zunächst nur die Vorteile - wie z.B. einen anscheinend größeren Geldbetrag für einen Werkauftrag oder die vermeintlich höhere Flexibilität mit einem Minijob. Über die Konsequenzen, sind sich jedoch ArbeitnehmerInnen oft nicht im Klaren - zum Beispiel den Verlust des Krankenversicherungsschutzes (Minijob) oder den Verlust des Rechts auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (Werkvertrag).

Unterschreiben Sie hier nichts, ohne sich vorher arbeitsrechtlich beraten zu lassen, denn hier soll ohne Not ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis aufgegeben werden.

Gibt es Beratungsangebote, wenn ich Elternzeit beanspruchen möchte?

Wer sein Recht auf Elternzeit in Anspruch nehmen möchte, sollte sich in jedem Fall vom Betriebs- oder Personalrat beraten und gegebenenfalls durch die einzelnen Phasen des Verfahrens begleiten lassen. Das beginnt bereits mit der Antragsstellung. Dabei müssen der Termin und die Gestaltung der künftigen Arbeitszeit vorgeschlagen werden. Die nächsten Phasen sind die Gespräche mit der ArbeitgeberIn, bei denen die beiderseitigen Interessen abgewogen werden und Absprachen zum Gehalt bzw. geldwerten Leistungen getroffen werden müssen - bis hin zum endgültigen Bescheid über die Arbeitsaufnahme mit verringerter Arbeitszeit.

Wird der Antrag abgelehnt, kann mit Hilfe der ArbeitnehmerInnenvertretung vielleicht noch erfolgreich interveniert werden. Zum Beispiel in Bezug auf die benannten im Gesetz vage bezeichneten "betrieblichen Gründe", mit denen die Ablehnung möglicherweise begründet wird. Als letzter Weg bleibt sonst nur noch die Klage vor dem Arbeitsgericht.


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