Deutscher Gewerkschaftsbund

Glossar

Das DGB-Lexikon der Arbeitswelt: Begriffe von A wie Arbeitslohn bis Z wie Zulage kurz erklärt.

In diesem Wörterverzeichnis können Sie rasch die Definition zu einem Fachbegriff aus dem gewerkschaftspolitischen Bereich nachschlagen. In alphabetischer Sortierung werden die wichtigsten Begriffe von Akkord bis Zulagen erklärt.

Bitte wählen Sie einen Buchstaben:


AGG

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), oft auch „Antidiskriminierungsgesetz“ genannt, setzt die Bundesrepublik Deutschland vier EU-Richtlinien in nationales Recht um – darunter die „Antirassismus-Richtlinie“ und die „Gender-Richtlinie“. Das Gesetz soll vor rassistischer Diskriminierung ebenso schützen wie vor Benachteiligung aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Weltanschauung, der Religion, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Arbeitsrechtlich gilt das AGG für ArbeitnehmerInnen, Auszubildende und StellenbewerberInnen in der Privatwirtschaft sowie für Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes.


Akkord

Unter Akkord versteht man leistungsabhängiges Arbeiten. Die Bezahlung hängt von der erbrachten Leistung ab.


Allgemeinverbindlicherklärung

Tarifverträge können vom Bundesarbeitsminister im Einvernehmen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern für allgemeinverbindlich erklärt werden. Sie gelten dann auch für alle nicht tarifgebundenen Arbeitgeber und Beschäftigten des tariflichen Geltungsbereichs. Die Allgemeinverbindlichkeit endet mit dem Ablauf des Tarifvertrages.


Altersteilzeit

Gesetzliche Regelung, nach der Beschäftigte ab 55 Lebensjahren in den letzten 5 Jahren mit 50 Prozent der bisherigen vollen Arbeitszeit beschäftigt werden. Die Bezüge in Altersteilzeit betragen mindestens 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens, die Beiträge zur Rentenversicherung beziehen sich auf 90 Prozent des Vollzeiteinkommens. In vielen Bereichen wurden Tarifverträge zur Altersteilzeit vereinbart, die das Nettoeinkommen und die Rentenbeiträge aufstocken.


Arbeitnehmer

Als ArbeitnehmerInnen gelten alle Personen, die mit einem Arbeitsvertrag bei einem Arbeitgeber abhängig beschäftigt sind und dafür ein Arbeitsentgelt erhalten. Nicht alle arbeitenden Menschen sind gleichzeitig auch ArbeitnehmerInnen. Selbstständige gelten beispielsweise als Erwerbstätige, aber nicht als ArbeitnehmerIn. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften vertreten die wirtschaftlichen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Interessen aller ArbeitnehmerInnen in Deutschland.


Arbeitnehmer-Entsendegesetz

Mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz können Regelungen eines Tarifvertrags in einer Branche für allgemeinverbindlich erklärt werden. Die Mindestarbeitsbedingungen aus dem Tarifvertrag (zum Beispiel Mindestlohn, Mindesturlaub und Höchstarbeitszeit) gelten dann für alle ArbeitnehmerInnen der Branche – auch für entsandte Beschäftigte aus anderen Ländern, die in Deutschland arbeiten. Im August 2011 waren neun Branchen in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufgenommen: die Abfallwirtschaft, das Bauhauptgewerbe, das Dachdeckerhandwerk, das Elektrohandwerk, das Gebäudereinigerhandwerk, das Maler- und Lackiererhandwerk, die Pflegedienste, das Wach- und Sicherheitsgewerbe sowie die Wäschereidienstleistungen.


Arbeitnehmerdatenschutz

Siehe Glossar D wie Datenschutz.


Arbeitnehmerfreizügigkeit

Alle BürgerInnen der Europäischen Union haben das Recht in einem anderen EU-Staat eine Beschäftigung aufzunehmen - unter den gleichen Voraussetzungen wie die Bürgerinnen und Bürger des jeweiligen Staates.


Arbeitsagentur

Die Arbeitsagentur kümmert sich um die Vermittlung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, zahlt die Leistungen der Arbeitslosenversicherung aus, informiert und berät über berufliche Chancen, Arbeitsmarktentwicklung und mögliche berufliche Bildung.


Arbeitsbewertung

Inhaltliche Bewertung von Arbeitstätigkeiten im Zusammenhang mit der Beschreibung von Vergütungsgruppen und der Eingruppierung. In manchen Fällen findet anstelle der Arbeitsbewertung eine direkte und verbindliche Zuordnung konkreter Tätigkeiten zu bestimmten Vergütungsgruppen statt.


Arbeitsförderungsgesetz

Das Arbeitsförderungsgesetz (SGB III) regelt die Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Neben der Zahlung von Arbeitslosengeld sind dies auch Leistungen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, Vermittlungshilfen für Langzeitarbeitslose und Hilfen zur beruflichen Rehabilitation für Schwerbehinderte.


Arbeitskampf - Streik

... ist die Auseinandersetzung zwischen ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften einerseits und Arbeitgebern und ihren Verbänden andererseits über die Regelung der Arbeits- und Einkommensbedingungen.


Arbeitslosengeld

Arbeitslosengeld erhält, wer arbeitslos ist, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens 12 Monate Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt hat. Das Alg beträgt 60 Prozent des letzten Nettolohnes bzw. 67 Prozent für Arbeitslose mit unterhaltspflichtigen Kindern, unabhängig vom eigenen Vermögen bzw. vom Einkommen des Ehepartners. Für Personen, die Angehörige pflegen, Selbstständige und ArbeitnehmerInnen, die im Ausland arbeiten, gibt es die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung.


Arbeitslosengeld II

Das Arbeitslosengeld II ist eine Grundsicherung, die seit den Hartz-Gesetzen die frühere Arbeitslosen- und die Sozialhilfe ersetzt hat. Alg II wird an alle Personen gezahlt, die dem Arbeitmarkt zur Verfügung stehen und bedürftig sind. Die Leistungen entsprechen im Kern der früheren Sozialhilfe. Regelsatz: 345 Euro im Monat. Zusätzlich wird die Wohnungsmiete übernommen. Für Kinder gelten je nach Alter abgestufte Sätze. Eigenes Einkommen und Einkommen des Partners wird unter Berücksichtigung von Freibeträgen angerechnet, eigenes Vermögen muss bis zu bestimmten Untergrenzen verbraucht werden. Wohneigentum und ein angemessener PKW sind geschützt.


Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenversicherung ist einer der fünf Sozialversicherungszweige in Deutschland (neben der Renten-, der Gesetzlichen Kranken-, der Sozialen Pflege- und der Gesetzlichen Unfallversicherung). Ihre gesetzliche Aufgabe ist die Arbeitsförderung. Zu ihren Leistungen gehören unter anderem die Zahlung von Arbeitslosengeld, die Berufsberatung sowie die Arbeitsvermittlung. Träger der Arbeitslosenversicherung ist die Bundesagentur für Arbeit, ihre Leistungen werden mehrheitlich beitragsfinanziert (2010 machten die Beitragszahlungen rund 61 Prozent aller Einnahmen aus): Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung wird je zur Hälfte von den ArbeitnehmerInnen und ihren jeweiligen Arbeitgebern gezahlt.


Arbeitsmarktinstrumente

Damit wird in der Regel die Summe der staatlichen und öffentlichen Maßnahmen bezeichnet, die dafür sorgen sollen, Arbeitsuchende wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und Beschäftigte im Arbeitsmarkt zu halten. Zu den klassischen Arbeitsmarktinstrumenten gehören Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen wie auch Geldleistungen (z.B. Eingliederungszuschuss oder Gründungsförderung). Vermittlungsmaßnahmen (z.B. Einsatz von privaten Arbeitsvermittlern) sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die so genannten „Ein-Euro-Jobs“ zählen ebenso dazu.


Arbeitsschutz

Häufig wird auch der Doppelbegriff „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ verwendet. Darunter versteht man alle Maßnahmen, die Leben und Gesundheit von Beschäftigten am Arbeitsplatz schützen und erhalten sollen. Während Arbeitsschutz früher einen Schwerpunkt auf Gefahren- und Unfallvermeidung setzte, umfasst der Begriff Arbeits- und Gesundheitsschutz heute diverse präventive Maßnahmen – von der Ergonomie eines Schreibtischarbeitsplatzes bis zur Aufklärung über Berufskrankheiten. Arbeitsschutz ist in Deutschland gesetzlicher Auftrag der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.


Arbeitsschutz - Berufsgenossenschaften

Die Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung im Bereich der gewerblichen Wirtschaft. Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall sowie bei einer anerkannten Berufskrankheit trägt die Berufsgenossenschaft die Kosten für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und zahlt unter bestimmten Voraussetzungen auch Renten an die Erkrankten und deren Hinterbliebene. Ein wichtiges Betätigungsfeld der Berufsgenossenschaften ist die Prävention. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Beschäftigten zu versichern.


Arbeitszeit

Die gesetzlich zulässige Arbeitszeit beträgt nach dem Arbeitszeitgesetz 48 Stunden pro Woche. Deutlich niedriger ist die tariflich festgelegte Arbeitszeit. Die Tarifverträge erlauben in unterschiedlichem Ausmaß eine flexible betriebliche Arbeitszeitgestaltung. Weitere Informationen: www.tarifvertrag.de


Arbeitszeitkonto

Ein Arbeitszeitkonto verzeichnet die Soll-Arbeitszeit, die tatsächlich geleistete Arbeitszeit (inkl. Mehrarbeit) sowie die daraus entstehenden Plus- bzw. Minuszeiten und Fehlzeiten. Tarifliche Regelungen definieren zu buchende Arbeitszeiten, maximal zulässige Arbeitszeitguthaben bzw. -schulden sowie die Modalitäten des Abbaus von Zeitguthaben.


Arbeitszeitverkürzung

Seit Mitte der 80er Jahre kämpfen die Gewerkschaften für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Weitere Formen der Arbeitszeitverkürzung: die Verlängerung des Urlaubs, die Verkürzung der Lebensarbeitszeit (Altersteilzeit), kürzere Arbeitszeiten für besonders belastete Gruppen (SchichtarbeiterInnen) sowie Reduzierung der Arbeitszeit in besonderen sozialen Situationen (Kindererziehung, Pflege). Befristete Arbeitszeitverkürzung (ohne oder nur mit Teillohnausgleich) hat die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen zum Ziel.


Aufsichtsrat

Ein Aufsichtsrat ist im Unternehmensrecht ein Gremium, das den Vorstand und die Unternehmensführung von Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, Kommanditgesellschaft) und Genossenschaften kontrolliert. In Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind Aufsichtsräte in Deutschland mitbestimmt. Das heißt: VertreterInnen der Arbeitnehmerseite sind im Aufsichtsrat mit mindestens einem Drittel der Sitze vertreten. Ab 2000 Beschäftigten gilt sogar die paritätische Mitbestimmung, bei der die Anteilseigner- und Arbeitnehmerseite je die Hälfte der Aufsichtsratsposten stellen. Noch weitergehende Regelungen gibt es in Unternehmen der Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie im Rahmen der Montanmitbestimmung. Siehe auch Glossar M wie Mitbestimmung.


Ausbildungsplan

Ein Ausbildungsplan beinhaltet, welche Ausbildungsstationen im Betrieb durchlaufen werden, wie lange man in der Ausbildungswerkstatt oder in den einzelnen Abteilungen bleibt und was dort gelernt werden soll.


Ausbildungsvergütung

Das ist das Geld, das während der Ausbildung gezahlt wird. Die Höhe der Ausbildungsvergütung steht im Ausbildungsvertrag. Sie wird in einem Tarifvertrag geregelt.


Ausbildungsvertrag

Der Ausbildungsvertrag regelt alle für das Ausbildungsverhältnis wichtigen Punkte. Als Anhang zum Vertrag sollte der im Betrieb gültige Ausbildungsplan beigefügt sein. Für Gewerkschaftsmitglieder sind Vereinbarungen ungültig, die schlechter sind als die geltenden Tarifverträge


Ausbildungszeit

Die Ausbildungszeit in Deutschland dauert zwischen 3 und 4 Jahren. Wer vor der Ausbildung eine Berufsfachschule oder ein Berufsgrundbildungsjahr absolviert hat, kann unter Umständen die Ausbildungszeit verkürzen.


Aussperrung

Die Arbeitgeber können nach herrschender Rechtsauffassung, basierend auf dem Paritätsgrundsatz, auf einen gewerkschaftlichen Streik mit einer Aussperrung reagieren. Dabei muss allerdings das Prinzip der Verhältnismäßigkeit berücksichtigt werden.

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