Deutscher Gewerkschaftsbund

21.02.2017

Wie aus Studierenden Gewerkschaftsmitglieder werden

Immer mehr junge Menschen studieren. Die Gewerkschaften werben um den akademischen Nachwuchs – mit Erfolg. Wir stellen die Strategien vor, mit denen DGB und Gewerkschaften Studierende auf dem Campus und im Betrieb als Mitglieder gewinnen.

junge Frauen und Männer, Symbolbild Studium

Colourbox

Mittlerweile studiert jede/r zweite Schulabgänger-In in Deutschland. 2015 waren rund 2,8 Millionen Menschen als Studierende eingeschrieben – Tendenz weiter steigend. Der Anteil der betrieblichen Auszubildenden sinkt hingegen kontinuierlich, von 1,6 Millionen im Jahr 2004 auf 1,3 Millionen 2015. DGB und Gewerkschaften haben diesen Trend erkannt und werben seit Jahren auch auf dem Campus um neue Mitglieder. „Die Gewerkschaften müssen, um langfristig handlungsfähig zu bleiben, dringend auf diese Entwicklung reagieren und Studierende verstärkt ansprechen“, erklärt Susanne Braun von der DGB-Jugend. Sie koordiniert die gewerkschaftliche Studierendenarbeit.

Studierende als Zielgruppe

Mit verschiedenen Strategien versuchen die Gewerkschaften, Studierende als Mitglieder zu gewinnen. Nicht ganz einfach, bei einer Zielgruppe, die oft von der Schule direkt an die Uni wechselt und die häufig mit Gewerkschaften weder familiär noch beruflich etwas zu tun gehabt haben. Vor allem Informationen zu Nebenjobs, Praktika und zum Berufseinstieg sind für Studierende interessant. Hier setzen die Gewerkschaften an und beraten die angehenden AkademikerInnen gezielt zu den Themen Urlaub, Arbeitszeit und Gehalt.

Studierende und Azubis

Akademiker und Gewerkschafter

Gewerkschaften sind für viele Studierende attraktiv. Umfragen zeigen, dass sich viele studentische Mitglieder gewerkschaftlich engagieren wollen. Im vergangenen Jahr waren mehr als 76000 Studierende Mitglied einer DGB-Gewerkschaft – ein Rekord.

Aktive MitstreiterInnen

An 53 Standorten unterhalten die Gewerkschaften Büros an Hochschulen. Auch mit Campustouren oder Vorlesungen zu Einstiegsgehältern setzen sie vor Ort Akzente. Das Online-Hochschulprojekt „Students at work“ ist zudem im Internet und den sozialen Netzwerken präsent. Mit großem Erfolg: Allein von 2015 bis 2016 konnten so 8000 neue Mitglieder unter den Studierenden gewonnen werden. Mittlerweile sind mehr als 76000 angehende AkademikerInnen Gewerkschaftsmitglied. Es sei gut zu sehen, wie erfolgreich die gewerkschaftliche Studierendenarbeit ist und wie viele neue Mitglieder gewonnen werden, so Braun. „Wenn wir aus diesen Mitgliedern durch gute Angebote begeisterte Mitglieder machen, bleiben Sie uns treu und werden aktive Mitstreiterinnen und Mitstreiter.“

Tarifverträge für Studierende

Darum gehen die Gewerkschaften in den Betrieben für Studierende in die Offensive. Bereits im letzten Jahr hatte die IG Metall erstmals einen Tarifvertrag für Studierende mit der Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) abgeschlossen. Alle im Betrieb beschäftigten StudentInnen – egal ob Praktikanten, Bacheloranden oder Doktoranden – profitieren. „Durch den Tarifvertrag haben sie die Chance, ihr gesamtes Studium mit betrieblichen Aspekten bei IAV zu verbinden“, erläutert Johannes Katzan, der bei der IG Metall Bezirksleitung Niedersachsen – Sachsen-Anhalt für WissensarbeiterInnen und Studierende zuständig ist. Während der Zeit im Betrieb können die angehenden AkademikerInnen einsteigen und erhalten eine Art Arbeitsverhältnis mit Ausbildungselementen. Sie sind eingebunden in Projekte in den Abteilungen, haben einen Ausbildungsplan und machen jedes Semester eine Weiterbildung über den Betrieb. Besonderer Vorteil: Wenn die Studierenden länger als zwei Jahre bei IAV gearbeitet und ihre Abschlussprüfung bestanden haben, werden sie grundsätzlich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Starke Werbeargumente im Wettbewerb um Nachwuchs

Nachhaltige und attraktive Angebote schaffen die Gewerkschaften auch für dual Studierende. Mit einer gemeinsamen Vereinbarung haben IG Metall und IG BCE für die dual Studierenden beim Technologiekonzern Continental erstmals einheitliche Ausbildungsbedingungen geschaffen. Die mehr als 500 dual Studierenden profitieren nun von Regeln für die Vergütung, den Urlaubsanspruch oder die Übernahme von Studiengebühren durch den Konzern. Seit Februar 2017 gilt die Vereinbarung für alle neuen Ausbildungsverträge. Der IG BCE-Tarifexperte Peter Hausmann setzt darauf, dass die Vereinbarung auf weitere Unternehmen ausstrahlt. Die Chancen stehen gut, denn für die Unternehmen sind solche Regelungen starke Werbeargumente, im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen.


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