Den zweiten Kongresstag in Vancouver prägte die Debatte über die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. IGB-Generalsekretär Guy Ryder führte in den Themen-Report ein. Ryder blickte auf die Zeit seit Gründung des IGB 2006 zurück: vier Jahre in denen die internationale Gewerkschaftsbewegung mit dramatischen Veränderungen konfrontiert wurde.
„Jeder von euch, in euren Ländern, erlebt die Konsequenzen der ersten systemischen Krise der globalen Wirtschaft“, sagte Guy Ryder. In Folge der Krise haben seit 2008 34 Millionen Arbeitnehmer ihre Arbeit verloren, weitere 64 Millionen Menschen wurden in die Armut gedrängt wurden.
(Themen-Report, Seite 27)
"Jetzt zählen die Menschen - Aus der Krise mit globaler Gerechtigkeit"
Sechs Herausforderungen, denen sich der IGB in den nächsten vier Jahren stellen muss, zählt der Themen-Report. Guy Ryder machte deutlich: Der Zusammenhalt aller Gewerkschaften auf der Welt wird entscheidend sein für den Erfolg der internationalen gewerkschaftlichen Solidarität. So negativ sich die Krise auch für viele Menschen auswirkt, so bietet sie aber auch Chancen: für einen neuen Weg, einen humanen Weg, der sich an den Menschen und ihren Bedürfnissen orientiert.
Daher darf das weltweite Spekulationssystem nicht weitergeführt werden, forderte Guy Ryder. Die Gewerkschaften und der IGB müssen schnell handeln, sonst ist die Chance für grundlegende Veränderungen vorbei.
In der anschließenden Debatte forderte der DGB-Vorsitzende und Vize-Präsident des IGB, Michael Sommer, den Einfluss der internationalen Gewerkschaftsbewegung auf die Politik unabhängig und selbstbewusst zu verstärken - für die Menschen auf der Welt. „Die internationale Gewerkschaftsbewegung kann stolz auf sich sein. Vier Jahre nach Gründung des IGB sind wir ein Player auf der internationalen Bühne“, sagte Sommer. Er sprach sich für eine weitere Stärkung des IGB aus: „Wo auch immer wir kämpfen – auf nationaler Ebene, auf europäischer Ebene, bei der IAO oder bei den G20-Gipfeln geht es um die Rechte der Arbeiter, um decent work, um den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und um die Lebenschancen von Jugendlichen und Frauen. Dazu gehört auch die Bekämpfung jeder Form prekärer Arbeit, die die Zukunftschancen der arbeitenden Menschen weltweit bedroht.“
Podiumsdiskussion: "Aus der Krise... ". (c) Jacky Delorme/ITUC-CSI-IGB
Ein weiterer Höhepunkt war die Diskussion zum Thema: „Aus der Krise ….“ Auf dem Podium saßen Helen Clark, Leiterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds und Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation, sowie dem Exekutivdirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, Kari Tapiola.
Hellen Clark befürchtete, dass viele Regierungen zu früh die Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung zurückfahren und dies negative Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben wird. „Die Beschäftigungsstatistiken sind zumeist die letzten Indikatoren, die auf die Wirtschaftsbelebung reagieren“, sagte Clark.
Der IWF-Direktor Strauss-Kahn beurteilte die positive Wirkung staatlicher Programme zur Belebung der Wirtschaft. Dennoch seien einige Länder nicht mehr in der Lage dieses mit zusätzlichen Schulden zu finanzieren und wären nun gezwungen ihre Haushaltsdefizite zu reduzieren. Er erkannte die Forderung der Gewerkschaften an, dass der IWF mehr auf die Sicherung sozialer Netze achte müsse. Dazu wolle der IWF gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) im September in Oslo eine Konferenz durchführen. Auch wenn er die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer nicht unterstütze, vertrat er dennoch die Meinung, dass der Finanzsektor einen größeren Beitrag zur Finanzierung der Krisenfolgen leisten müsse.
WTO-Generaldirektor Pascal Lamy stimmte den Gewerkschaften zu, in der Forderung nach mehr Regulierung im Finanzsektor. Weiterhin begrüßte er das Wirken der Gewerkschaften nach einer größeren Kohärenz der Politiken der internationalen Institutionen, wie der WTO, IWF, Weltbank und IAO und bat die Gewerkschaften weiter Druck zu machen.
Kari Tapiola, Vertreter der IAO, beklagte, dass in den letzten Monaten die Beschäftigungspolitik immer weniger Aufmerksamkeit genieße. „Von unserem Standpunkt aus kann es keine Erholung ohne eine Erholung des Arbeitsmarktes geben“, sagte Tapioal
Das englischsprachige Internetradio RadioLabour berichtete täglich vom IGB-Weltkogress 2010 aus Vancouver, Kanada. Wir haben die alle Sendungen für Sie zusammengestellt.
5. Kongresstag, 25.Juni 2010
4. Kongresstag, 24.Juni 2010
3. Kongresstag, 23.Juni 2010
2. Kongresstag, 22. Juni 2010.
Der Bericht vom Auftakt am 21. Juni 2010.
Vorbericht zum Kongressstart. Mit einem interview mit Generalsekretär Guy Ryder.
RadioLabour ist das Radio der Internationalen Arbeiterbewegung. Die Sendungen sind im Internet abrufbar und werden von Bürgerradios gesendet.
Botschaft des IGB-Jugendkommitees