Deutscher Gewerkschaftsbund

14.06.2016
Mindestlohn-Hotline in Arabisch und Persisch

Mindestlohn-Beratung: "Die Ausnahmen machen es kompliziert"

Die gebürtige Offenbacherin Ava Houshmand, 28, betreut die Mindestlohn-Telefonberatung des DGB in arabischer und persischer Sprache. Jeden Dienstag zwischen 18 und 20 Uhr steht sie für Fragen zum Mindestlohn bereit. Wir haben mit Ava über ihr Engagement gesprochen.

Privat

Frage: Wie ist es dazu gekommen, dass du für den DGB telefonische Mindestlohn-Beratung auf Arabisch und Persisch anbietest?

Ava Houshmand: Meine Eltern kommen aus dem Iran, Persisch ist also meine Muttersprache. Arabisch habe ich im Studium gelernt und habe auch zwei Jahre in Jordanien gelebt. Im letzten Jahr, als die Flüchtlingszahlen stiegen und in Offenbach eine Erstaufnahmestelle eingerichtet wurde, habe ich mich dort als Dolmetscherin engagiert. Das Dolmetschen war vor allem deshalb wichtig, weil oft schnell geklärt werden musste, wer welche medizinische Versorgung braucht. Meine Mutter ist gewerkschaftlich für den DGB in Offenbach aktiv und langjähriges Mitglied der ver.di. Als sie hörte, dass der DGB jemanden sucht, der eine Beratung in diesen beiden Sprachen anbieten kann, sagte sie: Meine Tochter macht so etwas. Ich habe dann beim DGB-Bundesvorstand und bei der DGB-Region Südosthessen hospitiert und betreue jetzt immer dienstags die Hotline in Arabisch und Farsi.

Und was hast du in Jordanien gemacht?

Ich war Projektleiterin für ein Projekt einer dänischen Organisation, in dem wir mit Rap- und Hip-Hop-Musik mit Jugendlichen gearbeitet haben. Wir haben erst Musiker zu Workshop-Leitern fortgebildet und dann diese von den Musikern geleiteten Workshops für Jugendliche angeboten. Wir wollten den Jugendlichen mit Rap und Hip-Hop ein Medium geben, das sie anspornt nachzudenken, Texte zu schreiben, sich auszudrücken und ihren Gedanken eine Stimme zu geben. Wir waren in Jordanien, im Libanon und in Palästina tätig und haben auch länderübergreifende Veranstaltungen organisiert. Als Projektleiterin war ich für die allgemeine Koordination und Umsetzung zuständig. Es war wirklich ein sehr spannendes Projekt!

Was wissen die Geflüchteten vom Arbeitsmarkt oder vom Arbeitsrecht in Deutschland?

Sie wissen grundsätzlich, dass Deutschland ein gutes Land für Arbeitnehmer ist und dass es mehr Arbeitnehmerrechte gibt als in ihren Heimatländern. Aber die konkreten Regeln und Rechte sind ihnen nicht bekannt. Viele dürfen wegen ihrer noch nicht abgeschlossenen Asylverfahren auch noch gar nicht arbeiten, andere haben aber schon Hospitanzen oder Praktika gemacht.

Ist es schwierig, die Mindestlohnregeln zu vermitteln?

Die Grundidee des Gesetzes lässt sich einfach erklären. Aber die vielen verschiedenen Ausnahmen machen es kompliziert. Zu den Hotlinezeiten habe ich auf dem Computer gleichzeitig viele Dokumente und Webseiten geöffnet, damit ich immer prüfen kann, ob für einen bestimmten Fall eine der Ausnahmeregelungen gilt oder nicht. Es ist außerdem schwierig, manche Begriffe aus dem deutschen Arbeitsrecht zu erklären. Es gibt zum Beispiel keine passende Übersetzung für "Tarifvertrag". Das muss ich dann umschreiben und das Konzept eines Tarifvertrags erklären.

Was muss sich aus deiner Sicht noch tun, damit die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt funktioniert?

Es muss eine noch viel breiter gefächerte Beratung über die Arbeitswelt geben. Man könnte zum Beispiel regelmäßig in Flüchtlingsunterkünften Infostände mit Informationsmaterial und Beratung anbieten. Ich denke auch, dass Informationen über die Arbeitswelt und Arbeitsrecht Teil von Integrationskursen sein sollten. Geflüchtete brauchen auf jeden Fall mehr Möglichkeiten, sich weiter- und fortzubilden.


Telefon

Colourbox

Die DGB-Mindestlohn-Telefonberatung in arabischer und persischer Sprache ist Ende 2016 wie geplant ausgelaufen.

Aktiv ist weiterhin die Mindestlohn-Hotline des Bundesarbeitsministeriums.


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