Atypische Arbeitsverhältnisse nehmen in Deutschland immer weiter zu. Herausragende Beispiele dafür sind die Leiharbeit, die vielen Solo-Selbständigen und die stetige Zunahme an bei den Minijobs. Doch Deutschland ist ein Europa nicht allein - überall in den EU-Ländern verschwinden reguläre Arbeitsplätze. 2008 diskutierten Hans-Böckler-Stiftung, DGB-Bundesvorstand und Friedrich-Ebert-Stiftung bei einer gemeinsamen Fachtagung diese Entwicklung. Hier finden Sie die Dokumention.
Atypische, von dauerhafter und vollzeitiger Beschäftigung abweichende Arbeitsverhältnisse nehmen in Deutschland zu. Herausragende Beispiele hierfür sind Leiharbeit, die große Zahl von Soloselbständigen und die stetige Zunahme geringfügig Beschäftigter. Die atypischen Arbeitsformen gehen mit vermindertem Verdienst, geringerer sozialer Absicherung und oftmals hohen Beschäftigungsunsicherheiten einher. Häufig stellen diese Arbeitformen den Einstieg in den Niedriglohnsektor dar und tragen dazu bei,Mitwirkungs- und Durchsetzungsmöglichkeiten von Betriebsräten und Gewerkschaften zu unterlaufen.
Atypische Arbeitsformen sind jedoch nicht zwangsläufig prekär. Für einige Beschäftigte bilden sie zumindest temporäre Brücken aus der Arbeitslosigkeit, mit ihnen lassen sich Familie und Beruf oftmals besser vereinbaren und ein Teil der Beschäftigten zieht z.B. Selbständigkeit abhängiger Beschäftigung vor.
Trotzdem bedürfen die individuellen Risiken der Absicherung. Sicherzustellen ist, dass die atypischen Arbeitsverhältnisse sozial- und arbeitsrechtlich abgesichert und für Interessenvertretung zugänglich sind. Zu hinterfragen ist jeweils die Risikoverteilung zwischen Individuum, Unternehmen und Staat.
Doch wie gehen vergleichbare europäische Länder mit atypischen Beschäftigungsformen um? Das sollte auf der Tagung herausgefunden werden.
Im Vordergrund stand dabei der gewerkschaftliche Umgang mit atypischer Beschäftigung im Kontext unterschiedlich regulierter Arbeitsmärkte.Welche Funktion übt Leiharbeit in anderen nationalen Arbeitsmärkten aus, wie wird mit dem Niedriglohnbereich umgegangen, wie ist Soloselbständigkeit abgesichert, wer vertritt atypische Beschäftigte? Welche Strategien verfolgen die nationalen Gewerkschaften in Bezug auf atypische und prekäre Beschäftigung? Von welchen arbeitsund sozialrechtlichen Bedingungen, wirtschaftlichen Kontexten und staatlichen Regulierungen hängt diese Interessenvertretung ab? Inwiefern können die ausländischen Beispiele Vorbild für die deutsche Debatte sein? Die Beiträge der Tagung sollen diesen Fragen nachgehen. Die Verbreitung und Regulierung dieser atypischen und teils prekären Arbeitsformen und die Risikoteilung im europäischen Ausland steht in deren Mittelpunkt.
Eröffnung und Strategien
Ein Gespenst geht um in Europa – die prekäre Beschäftigung. Das Problem ist, dass dieses Gespenst sehr real ist und für immer mehr Menschen nicht nur ein Gespenst, sondern eine tatsächliche Bedrohung ist. Eröffnungsrede zur Tagung "Atypische Beschäftigung und Prekariat im europäischen Vergleich".
Gewerkschaften und Leiharbeit: Länderbeispiele
Absicherung und Interessenvertretung von Soloselbständigen im Fünf-Ländervergleich
Geringes Einkommen und Mindestlohnforderungen