Deutscher Gewerkschaftsbund

23.08.2011

Mehr Kitas braucht das Land

Die Zahl registrierter Tagesmütter und -väter hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Dennoch: Kitas können so nicht ersetzt werden. Es braucht mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung. 

Von Ingrid Sehrbrock

Immer mehr Kinder werden von immer mehr Tagesmüttern und Tagesvätern betreut. Die Tagespflege als Ergänzung zum öffentlich verantworteten Kinderbetreuungsangebot gewinnt an Bedeutung, dies belegen die heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Der Ausbau der frühkindlichen Bildung darf jedoch nicht vor allem über Tagespflegepersonen erfolgen. Tagesmütter und Tagesväter können gute Kitas nur ergänzen, nicht ersetzen. Bund und Länder müssen deshalb den Ausbau von Tageseinrichtungen auch für Kinder, die jünger als drei Jahre sind, beschleunigen. Sie sind notwendig, um die frühkindliche Bildung zu fördern und Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Dort wo Tagesmütter und -väter arbeiten, müssen ihre Arbeitsbedingungen und die soziale Absicherung verbessert werden.

Wer gute Betreuung und frühkindliche Bildung will, muss für ein angemessenes  Ausbildungsniveau in der Tagespflege und in den Kindertagesstätten sorgen. Wir brauchen keine Debatten über ein Betreuungsgeld, dessen Nutzen für die frühkindliche Bildung fragwürdig ist. Wir brauchen eine ernsthafte Diskussion über die Qualifikation von Tagesmüttern und Tagesvätern. Zwar absolvieren immer mehr Tagespflegekräfte den erforderlichen Qualifikationskurs von 160 Stunden, doch verfügen noch immer 55 Prozent der Tagespflegepersonen in Westdeutschland und 36 Prozent in Ostdeutschland nicht über diese Minimalqualifikation. Wenn wir echte Qualität in der frühkindlichen Bildung wollen, dürfen wir diesem Problem nicht länger aus dem Weg gehen.



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