Deutscher Gewerkschaftsbund

02.08.2007

Ausbildung

Wer ist Auszubildender?

Für die Ausbildung ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG) maßgeblich. Demnach besteht die Berufsbildung aus de Berufsausbildungsvorbereitung, der Berufsausbildung sowie der beruflichen Fortbildung und Umschulung.

Das Gesetz versteht Ausbildung als eine an die Schulpflicht angeschlossene berufliche Grundbildung, die Grundkenntnisse und Verhaltensweisen vermitteln soll. Die Grundkenntnisse sollen für möglichst viele Tätigkeiten nützlich sein. Darauf baut ein weiterer Teil der Berufsbildung auf, nämlich die Vermittlung spezifischer fachlicher Fertigkeiten und Kenntnisse.

Ausbildungsvertrag

Wie bei anderen Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber auch mit dem Auszubildenden einen Ausbildungsvertrag zu schließen. Dieser ist schriftlich niederzulegen und muss einige Mindestangaben enthalten, die in § 10 und § 11 BBiG aufgeführt sind. Ansonsten gelten die Regeln über den Arbeitsvertragsschluss.

Ansprüche des Auszubildenden und Pflichten des Ausbilders

Es gehört zu den Aufgaben des Ausbilders, den Azubis sowohl die fachlichen Kenntnisse zu vermitteln, als auch dafür Sorge zu tragen, dass sie charakterlich gefördert und sittlich und körperlich nicht gefährdet werden.

Gemäß § 17 BBiG hat der Ausbilder dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu zahlen, die sich mit jedem Ausbildungsjahr erhöht. Für die Zeit des Berufsschulunterrichts und für Prüfungen ist der Auszubildende - ohne Kürzung der Vergütung - freizustellen.

Auch auf ein Zeugnis hat der Auszubildende Anspruch.

Pflichten des Auszubildenden

Zu den Pflichten des Azubis gehört es, sich zu bemühen, das Ausbildungsziel zu erreichen und die ihm übertragenen Aufgaben sorgfältig durchzuführen. Er ist verpflichtet, den Weisungen von Ausbildern und anderen Weisungsberechtigten zu folgen und mit den Mitteln des Betriebs sorgsam umzugehen.

Kündigung

Eine besondere Regelung besteht mit § 22 BBiG auch für die Kündigung von Auszubildenden. Das Ausbildungsverhältnis beginnt mit einer mindestens ein- und höchstens dreimonatigen Probezeit während derer eine Kündigung jederzeit ohne besondere Gründe möglich ist.

Nach dem Ablauf der Probezeit muss ein wichtiger Grund vorliegen - der dem Ausbildenden noch nicht länger als zwei Wochen bekannt gewesen sein darf - damit dem Azubi ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden kann. Der Azubi selbst kann nach dem Ablauf der Probezeit nur kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder wechseln will.

Die Kündigung muss schriftlich erfolgen; im Falle der Kündigung nach Ablauf der Probezeit müssen die Gründe für die Kündigung angegeben werden. Wenn gegen eine Kündigung geklagt werden soll ist die dreiwöchige Klagefrist gemäß § 4, 7 KSchG zu beachten.

Praktikanten und Volontäre

Praktikanten und Volontäre sind keine Auszubildenden im Sinne des BBiG. Jedoch regelt § 26 BBiG, dass mit §§ 10-23 und 25 BBiG einige wichtige Regelungen des BBiG auch für andere Personen anwendbar sind, die zum Erwerb beruflicher Kenntnisse und Fähigkeiten eingestellt werden - also Praktikanten und Volontäre. So haben deshalb auch diese die oben dargestellten Pflichten des Auszubildenden. Auf einen schriftlichen Vertrag kann verzichtet werden.

Problematisch ist der Anspruch auf Vergütung. Zwar steht dieser Praktikanten und Volontären in gleicher Weise wie Azubis zu.

Die für einen Auszubildenden "angemessene Vergütung" kann jedoch verbotenen Lohnwucher darstellen, wenn die Praktikanten in Wirklichkeit die Tätigkeiten eines Arbeitnehmers übernehmen, also länger als drei Monate für den Arbeitgeber tätig sind und weitgehend selbstständig arbeiten. Wenn also nicht mehr der Ausbildungszweck sondern die Arbeitsleistung der prekär Beschäftigten im Vordergrund steht. Dies trifft oft für Hochschulabsolventen in Praktikantenverhältnissen zu. Wegen der Unwirksamkeit solcher Verträge entsteht dann ein Arbeitsvertrag, der gem. § 612 BGB zu vergüten ist.

Der Lohn für die Tätigkeiten im Rahmen des Praktikantenverhältnisses bzw. des Volontariats kann eingeklagt werden!

Interessenvertretung

Im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG), §§ 60 ff., sind Regelungen über eine Jugend- und Auszubildendenvertretung zu finden, die die speziellen Interessen der Auszubildenden wahrnehmen soll, also auch der Praktikanten und Volontäre. Sie ist in Betrieben mit mindestens fünf Arbeitnehmern unter achtzehn Jahren einzurichten. § 18a BBiG regelt die Wahlberechtigung. § 5 Abs. 1 BetrVG bestimmt, dass die Auszubildenden als Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes gelten. Auch Praktikanten und Volontäre sind wahlberechtigt.


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