Aufsichtsrätin des Monats Juli ist Lilo Rademacher. Die Gewerkschafterin ist im Hauptberuf 1. Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle Friedrichshafen-Oberschwaben und Mitglied in gleich zwei Aufsichtsräten von Unternehmen mit Sitz in der Region: beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG und beim Motorenhersteller Tognum AG. In der aktuellen Krise sei es besonders wichtig, auf eine nachhaltige Unternehmenspolitik zu setzen, meint Rademacher. Dafür sorge nicht zuletzt die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat.
1. Mit einem kurzen Satz beschrieben ist ein Aufsichtsrat...
ein Organ zur Kontrolle des Unternehmens und zur Bestellung des Vorstands oder der Geschäftsführung.
2. Der größte Vorteil am deutschen Mitbestimmungsmodell ist...
dass es auf der Arbeitnehmerbank sowohl interne, betriebliche VertreterInnen mit ihrem Sach- und Fachverstand gibt als auch externe VertreterInnen mit einem größeren Blick über das Unternehmen hinaus. Das ist eine gute Mischung, die sich positiv ergänzt.
3. Was war bisher Ihr größter Erfolg, den Sie gemeinsam im Aufsichtsrat durchsetzen konnten?
Für mich war es immer wichtig, in beiden Unternehmen, in denen ich Aufsichtsrätin bin, Corporate Governance-Vereinbarungen durchzusetzen. Das ist auch gut gelungen.
4. ...und was das größte Ärgernis im Laufe Ihrer Aufsichtsratstätigkeit?
Ein Ärgernis der Arbeit im Aufsichtsrat ist es, wenn Informationen nicht oder nur zögerlich weitergegeben werden. Der Anspruch der Aufsichtsräte auf Information wird nicht immer selbstverständlich umgesetzt.
5. Mit Blick auf Europa und die Globalisierung: Muss sich die Arbeit der Aufsichtsräte noch weiter internationalisieren?
Ja, bei global aufgestellten Unternehmen schon. Das muss sich auch praktisch zeigen. Ich finde es gut, wenn auch Arbeitnehmervertreter aus anderen Ländern im Aufsichtsrat sitzen – wie zum Beispiel Valter Sanchez von der brasilianischen Metallarbeitergewerkschaft CNM/CUT im Aufsichtsrat der Daimler AG.
6. Der Aufsichtsrat unterstützt gute und sozial verantwortungsvolle Unternehmensführung, indem...
er darauf achtet, dass es vernünftige CSR-Vereinbarungen* gibt – nicht nur Lippenbekenntnisse. Das könnte noch besser werden.
7. Von wem erfahren Sie den größten Respekt für Ihre Arbeit im Aufsichtsrat, von wem weniger?
Meine Erfahrung ist: Der Umgang ist von allen Seiten sehr respektvoll.
8. Wenn Ihr Unternehmen ein Auto wäre, welcher Teil wäre dann der Aufsichtsrat?
Meine Antwort passt auf beide Unternehmen, bei denen ich Aufsichtsrätin bin, weil beide Unternehmen etwas mit Mobilität zu tun haben: Der Aufsichtsrat, beziehungsweise die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat, ist der Antrieb. Wir sorgen für eine nachhaltige Ausrichtung der Unternehmenspolitik und achten darauf, dass die Unternehmen mit innovativen Produkten gut aufgestellt sind. Das ist gerade in der Krise wichtig. Kurzfristige Renditeforderungen oder Aktienkurse dürfen nicht das A und O sein.
9. Das Wort, das in Vorbesprechungen der Arbeitnehmervertreter vor Aufsichtsratssitzungen am häufigsten fällt, ist...
Das sind die Begriffe „Informationen“ und „Entwicklungen“.
10. Schätzen Sie das Gewicht der Unterlagen, die Sie jedes Jahr für die Aufsichtsratstätigkeit durchgehen müssen.
Das kann ich nicht genau in Kilogramm sagen. Aber bei Tognum ist es definitiv mehr als bei ZF. Das liegt einfach daran, dass Tognum im Gegensatz zu ZF börsennotiert ist und deshalb mehr Regeln und Bestimmungen des Aktiengesetzes erfüllen muss.
*CSR = Corporate Social Responsibility<