Deutscher Gewerkschaftsbund

07.06.2017
Integration

5 Jahre Anerkennungsgesetz: Das ist zu tun

Viele Hürden für Betroffene

Vor fünf Jahren ist das Anerkennungsgesetz in Kraft getreten. Es macht es Fachkräften aus dem Ausland leichter, ihre berufliche Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzusetzen. Damit ist es "ein wichtiger Schritt zur Integration von Einwanderern", sagt DGB-Vize Elke Hannack. Die Finanzierung müsse allerdings verbessert werden.

Junge Frau im Eingang von Fahrradgschäft

DGB/mavoimage/123rf.com

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse steigt

Fünf Jahre, nachdem das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“, kurz Anerkennungsgesetz, in Kraft getreten ist, hat das Bundesbildungsministerium eine positive Zwischenbilanz gezogen. Danach steigt die Zahl der Anträge stetig an, in 75 Prozent der Fälle wird die Qualifikation aus dem Ausland voll anerkannt. Die Ablehnungsquote liegt bei deutlich unter drei Prozent. Nach der Anerkennung sind neun von zehn Fachkräften in Deutschland berufstätig.

Anerkennung wichtig für die Entlohnung

„Wenn Menschen ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen nicht anerkannt bekommen, spüren sie das sofort bei der Entlohnung, weil sie nicht entsprechend ihres Könnens eingruppiert und damit bezahlt werden", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Deshalb ist das Anerkennungsgesetz ein wichtiger Schritt zur Integration von Einwanderern. Die Finanzierung muss aber noch verbessert werden."

Verfahren muss kostenfrei sein

"Insbesondere die Kosten des Verfahrens und der damit verbundenen Nachschulungen und Zeugnisprüfungen sind für die meisten Betroffenen eine Hürde", so Hannack weiter. "Schon allein die Übersetzung der heimischen Zeugnisse kostet einen Antragsteller oft bis zu 1.000 Euro. Da aber gerade Einwanderer, deren Zeugnisse bislang nicht anerkannt wurden, im Niedriglohnsektor arbeiten, ist es wichtig, dass die Anerkennung und eventuell notwendige Nachqualifizierungen kostenfrei sind. Der im vergangenen Jahr eingeführte Anerkennungszuschuss von 600 Euro mildert das Problem zwar, ist aber zu niedrig.“


Nach oben

Weitere Themen

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Wer Be­triebs­rä­te be­hin­der­t, dem droht bis zu ei­nem Jahr Ge­fäng­nis
Colourbox.de
Wer Betriebsräte in ihrer Tätigkeit behindert, dem drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen – eigentlich. Denn diese Straftaten von Arbeitgebern werden praktisch nicht verfolgt. Das sei skandalös, findet der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann – und fordert Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften.
weiterlesen …

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Themenverwandte Beiträge

Link
Buntenbach: Kurzfristige Perspektiven erschweren die Integration
Wie kann die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingen? DGB-Vorstand Annelie Buntenbach erklärt im Interview mit der Berliner Zeitung, was neben sprachlicher Qualifikation noch nötig ist. zur Webseite …
Datei
DGB fordert einheitliche Regeln für Flüchtlinge in der Ausbildung
Die Regelungen zur sogenannten Ausbildungsduldung wurden durch das seit August 2016 geltende Integrationsgesetz verbessert. Viele der Fragen zur Rechtssicherheit und Anwendung blieben jedoch offen. Als Reaktion auf unterschiedliche Interpretationen der Bundesländer hat das Bundesinnenministerium Ende Mai 2017„Allgemeine Anwendungshinweise“ zur Ausbildungsduldung vorgelegt. Der DGB gibt einen praxisorientierten Überblick. weiterlesen …
Artikel
Weiterbildung nicht (nur) den Arbeitgebern überlassen
Nicht die Arbeitsagentur, sondern die Unternehmen seien zuständig für Weiterbildung: Mit diesem Argument lehnen die Arbeitgeber die Pläne der SPD, bildungswillige Erwerbslose länger zu unterstützen, ab. Was die Arbeitgeber dabei übersehen: Von betrieblicher Weiterbildung profitieren nur die, die bereits einen Job haben - und nicht die, die eine Qualifizierung am nötigsten bräuchten. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten