Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2016
DGB-Ausbildungsreport 2016

Schlechte Ausbildungsqualität macht krank

Viele Jugendliche stehen unter hohem Druck

Über die Hälfte aller Auszubildenden fühlt sich durch die Ausbildung stark belastet, viele können sich in ihrer Freizeit nur noch schlecht erholen: Das hat eine repräsentative Befragung von über 13.000 Jugendlichen ergeben. Außerdem hat sich gezeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Branchen gibt – und das Erfolgsmodell Duale Ausbildung in Gefahr ist.

Frau fasst sich erschöpft an die Stirn

DGB/ Ion Chiosea/123rf.com

Mechatroniker top, Köchin flop

Wie sind die Bedingungen am Arbeitsplatz, wie gut ist die fachliche Qualität der Ausbildungsbetriebe? Müssen Überstunden gemacht werden? Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung? Das sind einige der Fragen, die Jugendliche im Rahmen des DGB-Ausbildungsreports beantwortet haben. Ergebnis: Über 70 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildung zufrieden – doch es gibt große Unterschiede zwischen den Branchen und Berufen. Während Mechatroniker/in, Industriemechaniker/in und Bankkaufmann/frau sehr gut bewertet wurden, schnitten Berufe wie Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Koch/Köchin und Maler/in und Lackerier/in schlecht ab.

Psychische Belastungen in der Ausbildung

Vor allem in Berufen mit schlechter Ausbildungsqualität sind die Jugendlichen hohen psychischen Belastungen ausgesetzt; die Zahl liegt viermal höher als bei den Berufen, die gut bewertet wurden. Insgesamt fühlen sich mehr als die Hälfte der Auszubildenden durch die Anforderungen am Arbeitsplatz oder schlechte Arbeitsbedingungen „stark“ oder „sehr stark“ belastet. Über 60 Prozent von ihnen fühlen sich am Ende eines Ausbildungstages „immer“ oder „häufig“ erschöpft; fast genauso viele kommen auch dann zur Arbeit, wenn sie sich krank oder unwohl fühlen.

Kein Wunder, dass sich diese Belastungen auf die Gesundheit auswirken: „Auszubildende, die über schwerwiegende Belastungen klagen, sind häufiger schwach und krankheitsanfällig als Befragte, die keinen Belastungen ausgesetzt sind“, so DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. „Mehr als ein Drittel der hoch belasteten Auszubildenden denkt immer oder häufig über einen Ausbildungsabbruch nach.“

Mehr als ein Drittel macht regelmäßig Überstunden

Doch nicht nur in den „Problem-Branchen“ ist die Belastung der Jugendlich oft hoch. 34,8 Prozent aller Befragten müssen oft Überstunden machen, viele bekommen dafür weder eine Vergütung noch Freizeitausgleich. 11,2 Prozent der Auszubilden unter 18 Jahren müssen 40 Stunden oder mehr arbeiten – obwohl sie eigentlich unter dem besonderen Schutz des Jugendschutzgesetzes stehen. Florian Haggenmiller fordert deshalb klare gesetzliche Regelungen, die die Jugendlichen vor Mehrarbeit und überlangen Arbeitszeiten schützen.

Gesetzgeber darf das Duale System nicht gegen die Wand fahren lassen

Auch die schlechten Bedingungen in einigen Berufen sieht er als großes Problem, nicht nur für die betroffenen Jugendlichen: „Es bleibt absolut unbegreiflich, dass einzelne Branchen ihrer Verantwortung nach einer guten Ausbildung nicht nachkommen und damit die duale Ausbildung in Deutschland in Gefahr bringen“, so Haggenmiller.

Haggenmiller / Nahles

DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller übergibt den Ausbildungsreport an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles DGB-Jugend

Er appelliert an den Gesetzgeber, einen rechtlichen Rahmen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu schaffen: „Wenn jetzt nicht diejenigen, die dafür verantwortlich sind, handeln, wird das duale Ausbildungssystem an die Wand gefahren. Das ist absolut fahrlässig.“



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