Deutscher Gewerkschaftsbund

14.07.2009

Hartz IV in der Krise

Die Weltwirtschaftskrise hat massive Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Durch Kurzarbeit konnte ein rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden. Dennoch lag die Arbeitslosigkeit im Juni mit 3,409 Mio. um 9,1 Prozent über Vorjahresniveau. Neu ist, dass viele Arbeitslose direkt in Hartz IV abrutschen und keine Leistungen der Arbeitslosenversicherung erhalten.

Nach den Statistiken der BA suchen weitere 2,350 Millionen Menschen Arbeit, die aber offiziell nicht als arbeitslos zählen. Insgesamt sind 5,477 Millionen Menschen arbeitssuchend gemeldet; rund 420.000 mehr als noch Mitte letzten Jahres.

Die Beschäftigungskrise hat in der Arbeitslosenversicherung deutliche Spuren hinterlassen. Die Zahl der hier betreuten Arbeitslosen liegt bereits um 27,9 Prozent über Vorjahresniveau; in den alten Bundesländern sogar um 39 Prozent. Noch stärker waren die Zuwächse bei Männern, Jugendlichen unter 25 Jahren und Älteren über 55 Jahren.

In Westdeutschland stieg die Zahl der arbeitslosen Männer im SGB III sogar um zwei Drittel in den letzten zwölf Monaten. Doch nach wie vor wird nur gut ein Drittel aller registrierten Arbeitslosen von der Arbeitslosenversicherung betreut.

Hartz IV rückt näher

Auch im Hartz IV-System sind erste Vorboten einer negativen Entwicklung erkennbar. Zwar liegt die Arbeitslosigkeit in diesem Sicherungssystem bundesweit noch um 3.700 unter dem Vorjahreswert, doch bei Jugendlichen und den Älteren ist sie bundesweit bereits rund 7,5 Prozent über das Niveau von Juni 2008 gestiegen. In Baden-Württemberg ist die Arbeitslosigkeit auch im Hartz IV-System bereits um 10,6 Prozent höher als noch im Sommer letzten Jahres.

Viele Erwerbstätige rutschen bei eintretender Arbeitslosigkeit direkt ins Hartz IV-System und erhalten keine Leistungen der Arbeitslosenversicherung.



Vorheriger Artikel Nächster Artikel Übersicht Nach oben

Annelie Buntenbach, Thesenpapier "Hartz IV in der Krise"

Dokument ist vom Typ application/pdf.

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Vom Job direkt in Hartz: Fakten gegen Halbwahrheiten
Gut jeder vierte Arbeitslose rutscht inzwischen in Hartz IV. Besonders betroffen sind LeiharbeiterInnen, wie eine Sonderauswertung des DGB zeigt. Doch Bundesarbeitsministerium und Arbeitgeber zeigen sich wenig beeindruckt und versuchen die Fakten sogar umzudeuten. DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy hat die Argumente auf ihre Stichhaltigkeit überprüft.
zum Artikel
Datei
Arbeitslose besser vor Hartz IV schützen
Die Arbeitslosenversicherung schützt immer weniger Beschäftigte vor dem Absturz in die staatliche Fürsorge. Inzwischen rutscht jeder Vierte bei Verlust des Arbeitsplatzes direkt in Hartz IV. Besonders betroffen sind LeiharbeiterInnen. Der DGB fordert deshalb in einem Positionspapier, Kurzzeitbeschäftigten den Zugang zum Arbeitslosengeld zu erleichtern.
zum Artikel
Datei
Wie weiter mit den Hartz IV-Regelbedarfen?
2012 werden die Regelsätze - formell: Regelbedarfe - im Hartz IV-System und in der Sozialhilfe etwas erhöht. Damit werden die Einkommensschwächsten besser gestellt, noch wird das soziokulturelle Existenzminimum neu bemessen. Der Gesetzgeber reagiert damit nur auf die Preis- und Lohnentwicklung seit Anfang 2010 und kommt damit der Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach.
zum Artikel

Zuletzt besuchte Seiten

close