Deutscher Gewerkschaftsbund

06.01.2014

Das ändert sich 2014 für Beschäftigte und Versicherte

Mit dem Jahreswechsel hat sich einiges für Beschäftigte, Versicherte und BezieherInnen von Grundsicherung geändert: In gleich mehreren Branchen steigen die Mindestlöhne, die Hartz-IV-Regelsätze erhöhen sich und die Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung werden angehoben. Außerdem stehen wichtige Tarifrunden an. Ein Überblick.

Ziffern 2014

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Arbeitnehmerfreizügigkeit

Seit dem 1. Januar 2014 gilt für alle Beschäftigten aus EU-Mitgliedsstaaten auch in Deutschland die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Sie garantiert ArbeitnehmerInnen aus EU-Staaten, in jedem anderen Land der Europäischen Union ein Arbeitsverhältnis eingehen und dort eine Beschäftigung aufnehmen zu können. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-BürgerInnen gilt in Deutschland seit dem 1. Mai 2011 ohne Einschränkungen. Lediglich für Beschäftigte aus den erst 2007 beigetretenen EU-Staaten Bulgarien und Rumänien galt in Deutschland und einigen anderen EU-Ländern noch bis zum 31. Dezember 2013 keine Freizügigkeit. Diese von der EU gestattete Übergangsregelung endete mit Beginn dieses Jahres.

Beitragsbemessungsgrenzen

Seit dem 1. Januar 2014 gelten neue Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen: In der allgemeinen Rentenversicherung West erhöht sie sich von derzeit 5.800 Euro auf 5.950 Euro im Monat. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung Ost steigt auf 5.000 Euro (zuvor 4.900 Euro). In der Gesetzlichen Krankenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf 53.550 Euro jährlich. Einkommen, das über die Beitragsbemessungsgrenzen hinausgeht, wird bei der Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge nicht berücksichtigt.

Gesundheitskarte

Ab diesem Jahr ist die neue elektronische Gesundheitskarte der Krankenversicherungen Pflicht.

Grundsicherung

Mit Beginn dieses Jahres wurden die Regelsätze für die Grundsicherung erhöht. Das gilt sowohl für die Sozialhilfe als auch für die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) und für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Die neuen Regelsätze:

Regelbedarfsstufeneuer Regelsatz ab 1.1.2014
Regelbedarfsstufe 1
Alleinlebende
391 Euro
Regelbedarfsstufe 2
Paare/Bedarfsgemeinschaften
353 Euro
Regelbedarfsstufe 3
Erwachsene im Haushalt anderer
313 Euro
Regelbedarfsstufe 4
Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren
296 Euro
Regelbedarfsstufe 5
Kinder von 6 bis unter 14 Jahren
261 Euro

Regelbedarfsstufe 6
Kinder unter 6 Jahren

229 Euro

 

Mindestlöhne

Mehrere allgemeinverbindliche Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz sind zum 1. Januar 2014 gestiegen:

  • Im Elektrohandwerk West ist der Mindestlohn auf 10 Euro brutto je Stunde gestiegen (Ost 9,10 Euro).
  • Der Branchen-Mindestlohn in der Aus- und Weiterbildung erhöhte sich für Westdeutschland auf 13 Euro, in Ostdeutschland auf 11,65 Euro.
  • In der Gebäudereinigung gilt ab Januar für die Innenreinigung ein Mindestlohn von 9,31 Euro für Westdeutschland und Berlin sowie von 7,96 Euro in den neuen Bundesländern. Für die Glas- und Außenreinigung gelten jetzt Mindestlöhne von 12,33 Euro (alte Länder und Berlin) sowie 10,31 Euro (neue Bundesländer).
  • Ab Januar gelten außerdem im Baugewerbe neue Mindestlöhne. Für die unterste Lohngruppe („Werker“) gibt es im Westen 11,10 Euro und im Osten 10,50 Euro. Die Fachwerker-Mindestlöhne in Westdeutschland steigen auf 13,95 Euro (beziehungsweise 13,80 in Berlin).

Auch in der Leiharbeit steigen die Mindestlöhne in drei Stufen. In der ersten Stufe ab 1. Januar 2014 bereits auf 8,50 Euro (West).

Rente

Nach dem Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz („Rente mit 67“) steigt das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Im Laufe dieses Jahres steigt es auf 65 Jahre und drei Monate. Betroffen sind Versicherte mit dem Geburtsjahrgang 1949, die in diesem Jahr in Rente gehen.

Tarifrunden

In mehreren größeren Branchen stehen in diesem Jahr Tarifrunden an. Wichtige Termine fürs erste Halbjahr:

  • In der chemischen Industrie sind in den ersten Tarifbezirken die Tarifverträge im Dezember 2013 ausgelaufen, in den restlichen Bezirken Ende Januar 2014. Die Tarifrunde in der chemischen Industrie läuft bereits.
  • Ende Dezember 2013 ist außerdem der Tarifvertrag für die Druckindustrie ausgelaufen.
  • Ende Januar endet die Laufzeit des Tarifvertrags bei der Deutschen Telekom AG.
  • Im Februar 2014 endet die Laufzeit des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst, TVöD (Bund und Kommunen, nicht öffentlicher Dienst der Länder).
  • Im April enden die Laufzeiten zweier großer Branchentarifverträge: der Tarifvertrag fürs Bauhauptgewerbe sowie fürs Bankgewerbe.
  • Ende Mai läuft der Tarifvertrag der Eisen- und Stahlindustrie aus.

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