Deutscher Gewerkschaftsbund

07.09.2015
Gesetzliche Krankenversicherung

Krankenversicherung: Arbeitgeber auch künftig paritätisch beteiligen

Weil die Kosten steigen, drohen den Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung bald Zusatzbeiträge. Dies "allein den Arbeitnehmern aufzubürden, war und ist ein großer Fehler", kritisiert DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die Arbeitgeber müssen in der paritätischen Verantwortung bleiben.

Zwar gibt es sie derzeit, die Parität bei der Gesetzlichen Krankenversicherung - den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Aber die Kosten steigen und die Krankenkassen können nun von den Arbeitnehmern einen Zusatzbeitrag verlangen. Der Arbeitgeberanteil bliebe dagegen unverändert - so steht es im Gesetz. Der DGB verlangt Korrekturen und will die Arbeitgeber auch künftig paritätisch beteiligen. „Die steigenden Gesundheitskosten allein den Arbeitnehmern aufzubürden, war und ist ein großer Fehler der Politik“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Auf diese Ungerechtigkeit hat der DGB immer wieder hingewiesen."

Dass die Arbeitgeber nun das Argument ins Spiel bringen, sie müssten ja schon die gesetzliche Unfallversicherung allein finanzieren, ist für Buntenbach ein Vergleich von Äpfel und Birnen. "Das ist reine Stimmungsmache. Die Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, die Haftung der Unternehmen für Arbeitsunfälle u. ä. abzulösen. Da können wir auch gleich darüber diskutieren, den Buß- und Bettag wieder zum Feiertag zu erklären, um die Parität in der Pflegeversicherung wiederherzustellen", so Buntenbach.

Es drohen im Schnitt 420 Euro Zusatzbeitrag im Jahr

Dabei tragen die Arbeitgeber eine große Mitverantwortung, wenn es um die Gesundheit der Beschäftigten geht: "Sie müssen Arbeit so gestalten, dass sie nicht krank macht. Und selbst bei dieser Verpflichtung zum Arbeitsschutz machen sich viele Arbeitgeber einen schlanken Fuß", so das DGB-Vorstandsmitglied. "Jedes Jahr entstehen dadurch enorme Kosten - allein im Bereich der berufsbedingten somatischen Erkrankungen sind das 26 Milliarden Euro."

Auch deshalb müssten die Arbeitgeber in der paritätischem Verantwortung für die Kostensteigerungen der Zukunft bleiben. "Ihre Einwände gegen die Parität sind wirklich eine Zumutung, wenn man sich anschaut, was auf die Arbeitnehmer zukommt: Durch steigende Beiträge und Zusatzbeiträge wird ein Durchschnittsverdiener schon 2016 rund 420 Euro im Jahr mehr zahlen. Und auch die Arbeitgeber wissen, dass spätestens ab 2019 die Kosten für Gesundheit explodieren werden“, sagte Buntenbach.


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