Deutscher Gewerkschaftsbund

07.12.2009

DGB warnt vor Verhartzung der Krankenversicherung

In der Gesetzlichen Krankenversicherung würde ein Systemwechsel hin zur Kopfpauschale zu erheblichen Verwerfungen führen. Ein Großteil der Bevölkerung müsste sich künftig einer Bedürftigkeitsprüfung unterziehen, warnte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Das Solidarsystem funktioniere gut, es darf nicht zerstört werden.

„Wir warnen davor, das gut funktionierende Solidarsystem mutwillig zu zerstören und vor allem Rentnerinnen und Rentner, Geringverdiener und chronisch Kranke, die besonders auf die Solidarität angewiesen sind, zu staatlich geprüften Bittstellern zu machen. Eine solche Verhartzung der Krankenversicherung ist absolut inakzeptabel“, so Buntenbach. Kernproblem sei das von der Koalition geplante Einfrieren des ohnehin ermäßigten Arbeitgeberbeitrages. „Wenn die Versicherten künftig jede Kostensteigerung alleine finanzieren müssen, droht 70 Millionen eine enorme Belastungswelle“. Da schon vor der Krise jeder Zehnte auf bedürftigkeitsgeprüfte Grundsicherungsleistungen angewiesen sei, werde das staatliche Transfersystem durch die Kopfpauschale aus allen Nähten platzen. "Die Kopfpauschale würde den Zusammenhalt der Gesellschaft nachhaltig zerstören".

Der DGB schlägt vor, den solidarischen Ausgleich im Rahmen der Beitragsfinanzierung zu erhöhen. „Wenn die Arbeitgeber wieder den gleichen Beitrag zahlen und der Steueranteil in der GKV deutlich erhöht wird, können Ungerechtigkeiten beseitigt und die Finanzprobleme gelöst werden, ohne dass die solidarische Krankenversicherung zu einem Bedürftigkeitssystem à la Hartz IV verkommt“. Damit auch Vermögende einen angemessenen Beitrag leisten, müsse allerdings auch das Steuersystem gerechter werden und die private Krankenversicherung in den Solidarausgleich einbezogen werden. So seien auch die zu befürchtenden Zusatzbeiträge vermeidbar.



Vorheriger Artikel Nächster Artikel Übersicht Nach oben

Dieser Artikel gehört zum Dossier:

Kopfpauschale stoppen!

Zum Dossier

Themenverwandte Beiträge

Datei
Bürgerversicherung statt Kopfpauschale
Gemeinsame Erklärung der Reform-Kommission „Für ein solidarisches Gesundheitssystem der Zukunft“: Die Grundlage der Arbeit der Reform-Kommission ist der ungelöste Reformbedarf für eine nachhaltige und solidarische Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Aus dem Inhalt:Unsere GKV: der aktuelle Status; Das Modell der GKV: bewährt und entwicklungsfähig; Änderungen an der GKV in den vergangenen Jahren ; Kopfpauschalen sind keine Lösung; Die solidarische GKV-Finanzierung als Alternative zur Kopfpauschale; Beitragsfinanzierung stärken und sinnvoll ergänzen.
zum Artikel
Datei
Hartz IV: Billiglöhne kommen Staat teuer zu stehen
Gut zwei Milliarden Euro pro Jahr muss der Bund ausgeben, um Geringverdienern mit Vollzeitjobs ein gesellschaftliches Existenzminimum zu garantieren. Zusammen mit den Zuschüssen für Teilzeitbeschäftigte sind es sogar vier Milliarden Euro, die der Staat über Hartz IV beisteuerte. Das zeigt eine aktuelle Studie des DGB.
zum Artikel
Datei
Grundsicherung für Arbeitsuchende Synopse der Neuregelungen zum 1. Januar 2011
Einzelheiten und Erläuterungen zu den zum 01. Januar bzw. 01.04.2011 in Kraft getretenen Regelungen finden Sie in der Broschüre: "Grundsicherung für Arbeitsuchende. Die Neuregelungen ab 1. Januar 2011 - Schnelleinstieg für die Praxis." Diese Synopse dient der Ergänzung.
zum Artikel

Zuletzt besuchte Seiten

close