Deutscher Gewerkschaftsbund

05.01.2017
5. Armuts- und Reichtumsbericht

Das können wir gegen Armut in Deutschland tun

Regierung muss endlich handeln

Deutschland ist in den letzten Jahren noch reicher geworden. Trotzdem ist nach wie vor jeder Sechste von Armut betroffen oder bedroht, der soziale Aufstieg wird immer schwerer. Die Bundesregierung beschreibt die Probleme im aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht durchaus treffend - doch sie liefert keine Lösungen. Dabei liegen viele gute Ideen bereits auf dem Tisch.

Frau hält Geldbeutel mit einer Münze in der Hand

DGB/Yulia Grogoryeva/123rf.com

Armutsrisko stagniert

Weniger Arbeitslose, mehr materielle Möglichkeiten - trotzdem ist die Armutsquote in Deutschland seit Jahren unverändert hoch. 2015 lag sie laut dem 5. Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) der Bundesregierung bei 15,7 Prozent. Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende und Erwerbslose. Im langfristigen Trend geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, für einen Großteil der Bevölkerung wird der soziale Aufstieg immer schwieriger.

Buntenbach: Praktische Schritte auf den Weg bringen

Höchste Zeit also, an dieser Entwicklung etwas zu ändern. "Die bedrückende Bestandsaufnahme schreit nach wirksamen politischen Maßnahmen", sagt DGB-Vorstandmitglied Annelie Buntenbach. "Die Regierung bleibt Vorschläge schuldig, wie zukünftig die extreme Ungleichheit vermindert und Armut bekämpft werden soll. Die OECD klagt seit Jahren über die wachsende Ungleichheit hierzulande, mittlerweile hat selbst der IWF die Bundesregierung aufgefordert gegen die Ungleichheit tätig zu werden – dieses Jahr muss sie endlich weitere praktische Schritte auf den Weg bringen. Denn der Mindestlohn wirkt zwar und hat drei Millionen Geringverdienern geholfen, reicht aber alleine nicht aus."

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

DGB/Simone M. Neumann

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach

"Eine Regierung, die keinen entschlossenen Plan zur Armutsbekämpfung hat, kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten.“

"Krasser Abstand zur Wohlstandnormalität"

"Deutschland ist in den letzten Jahren noch reicher geworden", so Buntenbach weiter. "Doch die deutlich gestiegenen materiellen Möglichkeiten der Gesellschaft wurden nicht genutzt, um den krassen Abstand der unteren Einkommen zur Wohlstandsnormalität in der Mitte der Gesellschaft zu verkleinern.

DGB legt konkrete Vorschläge vor

Dabei gibt es nun wirklich genügend gute Ideen, was zu tun ist. Wer Armut bekämpfen will, der muss prekäre Arbeit wirksam eindämmen, Langzeiterwerbslosen eine echte Perspektive eröffnen sowie Alleinerziehende unterstützen. Der DGB hat konkrete Vorschläge dazu auf den Tisch gelegt, etwa wie Minijobs in reguläre Arbeit überführt werden können. Im Aktionsplan gegen Kinderarmut fordern wir zusätzliche Fördermaßnahmen und Qualifizierungsangebote für Eltern, die langzeiterwerbslos sind, und das sogar gemeinsam mit den Arbeitgebern."


DOWNLOAD: Die komplette Stellungnahme des DGB zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht mit Hintergründen und Handlungsempfehlungen

Stellungnahme des DGB zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht (PDF, 373 kB)

Stellungnahme des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) der Bundesregierung „Lebenslagen in Deutschland“


Nach oben

Weitere Themen

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Wer Be­triebs­rä­te be­hin­der­t, dem droht bis zu ei­nem Jahr Ge­fäng­nis
Colourbox.de
Wer Betriebsräte in ihrer Tätigkeit behindert, dem drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen – eigentlich. Denn diese Straftaten von Arbeitgebern werden praktisch nicht verfolgt. Das sei skandalös, findet der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann – und fordert Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften.
weiterlesen …

Das än­dert sich 2018 für Ar­beit­neh­mer und Ver­si­cher­te
Colourbox.de
Am 1. Januar 2018 treten neue Gesetze und Regelungen in Kraft. Unter anderem beim Mutterschutz und in der betrieblichen Altersversorgung. Was ändert sich noch für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Versicherte? Eine Übersicht.
weiterlesen …

Themenverwandte Beiträge

Link
"Korrekturen sind schon seit Langem notwendig"
Es ist richtig, dass SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zum Thema im Wahlkampf macht, sagt DGB-Chef Reiner Hoffmann im Gespäch mit dem Deutschlandfunk. Er fordert Nachbesserungen an der Agenda 2010 und mehr Sicherheit für die Beschäftigten. zur Webseite …
Artikel
Buntenbach: Hartz IV-Sätze sauber ermitteln!
Jeder dritte Arbeitslose kann sich ganz normale Dinge des täglichen Lebens nicht leisten. Trotzdem rechnet die Bundesregierung bei der Ermittlung der neuen Hartz IV-Regelsätze das Existenzminimum bewusst klein, kritisiert DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Sie fordert den Einsatz einer Sachverständigenkommission - und Soforthilfe für Betroffene. weiterlesen …
Pressemeldung
Bündnis fordert Reform der Hartz-IV-Regelsätze
"Wir brauchen eine untere Haltelinie gegen die Spaltung in Arm und Reich und Regelsätze, die ein Mindestmaß an sozialer Teilhabe garantieren": Stellvertretend für das „Bündnis für ein menschenwürdiges Existenzminimum“ fordern DGB-Vorstand Annelie Buntenbach und der Paritätische Gesamtverband die zur Wahl stehenden Parteien auf, gegen Armut von Erwachsenen und Kindern vorzugehen. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten