Deutscher Gewerkschaftsbund

03.11.2008

Überstunden

Von Überstunden spricht man immer dann, wenn der/die ArbeitnehmerIn seine/ihre für ihn/sie vereinbarte regelmäßige Arbeitszeit überschreitet.

Kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen?

Der Arbeitgeber kann Überstunden anordnen, wenn ein Arbeitsvertrag, der Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung ihn dazu berechtigen. Wenn keine solche vertragliche Verpflichtung besteht, muss der/die ArbeitnehmerIn auch keine Überstunden leisten. 

Eine Ausnahme gibt es: Wenn Überstunden im Interesse des Betriebes dringend erforderlich sind, muss  der/die ArbeitnehmerIn Überstunden leisten, auch wenn es keine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber gibt. Das gilt im Regelfall nur für Notsituationen.

Hat der/die ArbeitnehmerIn seine zulässige Höchstarbeitszeit erreicht, kann er die Leistung von Überstunden generell ablehnen. Doch Vorsicht: Bevor man sich als ArbeitnehmerIn weigert, Überstunden zu leisten, sollte man unbedingt Rechtsrat einholen und sicherstellen, dass die Höchstarbeitszeit auch tatsächlich erreicht ist. Für Auszubildende und schwangere Arbeitnehmerinnen gelten besondere Regelungen.

Beteiligung des Betriebsrates

Der Betriebsrat bestimmt mit, wenn es um die Einführung und Ausgestaltung von Überstunden geht.  Hat der Betriebsrat der Einführung von Überstunden nicht zugestimmt, muss der/die ArbeitnehmerIn auch keine Überstunden leisten.

Auch hier gilt: vorher über die Rechtslage informieren.

Bezahlung von Überstunden

Überstunden sind zu bezahlen, wenn der Arbeitgeber sie angeordnet oder zumindest geduldet hat. Es genügt, dass der Arbeitgeber eine Arbeit zuweist, die der/die Beschäftigte nur erledigen kann, wenn er/sie die übliche Arbeitszeit überschreitet.

Die Überstunden müssen auch dann vergütet werden - es besteht ein gesetzlicher Anspruch -, wenn dies nicht vorab vertraglich vereinbart wurde. Grundsätzlich haben die Beschäftigten einen Anspruch auf Überstundenbezahlung in Höhe der jeweiligen Grundvergütung. In der Regel muss der Arbeitgeber zusätzlich einen besonderen Überstundenzuschlag zahlen. Die Höhe des Zuschlags wird entweder im Einzelvertrag vereinbart oder ergibt sich - falls vorhanden - aus dem jeweiligen Tarifvertrag.

Sofern es vertraglich vereinbart ist, können Überstunden auch durch Freizeit abgegolten werden.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Arbeit auf Abruf? Zulasten der Beschäftigten!
Schon einmal von KAPOVAZ gehört? Bei "Kapazitätsorientierter variabler Arbeitszeit" werden Beschäftigte nur bei Bedarf eingesetzt und sitzen ansonsten "auf Abruf" zuhause – die Zeit zwischen den Arbeitseinsätzen gilt als "Freizeit" und ist unbezahlt: Arbeitszeitflexibilität zulasten der Beschäftigten. weiterlesen …
Link
Rechtstipp: Darf mich der Chef zu sich zitieren?
Müssen Beschäftigte zum Mitarbeitergespräch? Dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Betriebsrat dazuholen? DGB-Arbeitsrechtlerin Marta Böning erklärt, welche Rechte und Pflichte man beim Mitarbeitergespräch hat. zur Webseite …
Datei
DGB-Rechtsticker März 2017
Der DGB-Rechtsticker im März. Unter anderem mit folgenden Themen: +++Außerordentliche Kündigung nach dem die Nutzung eines sexistisch gestalteten Dienstfahrzeugs verweigert wurde+++Arbeitgeber muss bei verspäteter Lohnzahlung pauschal 40 Euro zahlen+++ Betriebe müssen Gewerkschaftsvertreter zur Mitgliederwerbung Zutritt verschaffen. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten