Deutscher Gewerkschaftsbund

26.06.2014

Annelie Buntenbach: Übergang in die Rente muss flexibler werden

Die Gewerkschaften wollen flexiblere und abgesicherte Übergänge in die Rente erreichen. „Die Teilrente ist dabei ein zentraler Ansatz“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Sie fordert, die geltenden Regelungen zu vereinfachen.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

„Für die Gewerkschaften haben Verbesserungen beim Übergang von der Arbeit in die Rente absolute Priorität. Denn der dringendste Handlungsbedarf besteht doch nicht nach dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze, sondern in der Zeit davor. Es gibt viele Arbeitnehmer, die es aus unterschiedlichen Gründen, etwa weil sie arbeitslos oder krank sind, gar nicht bis zur Altersgrenze schaffen, sondern vorher mit ihrer Arbeit aufhören müssen.

Anspruch auf Teilrente bereits ab 60

Die Gewerkschaften wollen flexiblere und abgesicherte Übergänge in die Rente erreichen. Die Teilrente ist dabei ein zentraler Ansatz. Wir müssen die geltenden Regelungen vereinfachen. Außerdem sollte der Anspruch auf eine Teilrente schon ab 60 Jahren gelten und nicht wie heute erst ab 63. Ein Recht auf Teilzeit für Ältere ist nötig, damit die Tarifparteien die Möglichkeit haben, Brücken vom Erwerbsleben in den Ruhestand zu bauen. Auch ist zu prüfen, wie die Altersteilzeit weiterentwickelt werden kann. Zudem brauchen wir Lösungen für gesundheitlich eingeschränkte, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie das Altersflexi-Modell der IG BAU.

Neuer Befristungsregeln für Ältere nicht akzeptabel

Es wäre falsch, Arbeitgebern die Sozialabgaben für Arbeitnehmer, die nach Erreichen der Altersgrenze weiterarbeiten, zu erlassen. Denn dies wäre ein Fehlanreiz. Auch wird der DGB nicht akzeptieren, dass ein neuer Befristungstatbestand für Ältere eingeführt wird. Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Weiterbeschäftigung nach dem Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters wollen, muss dies unter den gleichen Bedingungen geschehen wie für jüngere Arbeitnehmer.

Masse der Beschäftigten bis zur Rente im Betrieb halten

Wir müssen uns vor allem damit beschäftigen, wie wir das große Potenzial an Arbeitskräften vor dem Erreichen des Rentenalters besser ausschöpfen können. Es geht nicht, dass wir in der Arbeitsgruppe nur darüber reden, wie es für die Arbeitgeber billiger wird, einige hoch qualifizierte Arbeitnehmer im Rentenalter noch im Betrieb zu halten. Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass die vielen anderen bis zur Rente kommen und dann auch eine ordentliche Rente erhalten ohne Abschläge.

Wir erwarten von der Koalition, dass die Übergänge in die Rente flexibler gestaltet werden, damit die Beschäftigten die Chance bekommen, sicher in die Rente gleiten zu können und nicht vorher abzustürzen. Die Beschäftigungsquote sinkt ab 60 Jahren drastisch und liegt mit 64 nur noch bei 17 Prozent. Wir wollen vermeiden, dass den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern deftige Rentenabschläge, Arbeitslosigkeit und Hartz IV drohen.

Mit Teilzeit im Alter länger gesund im Job bleiben

Bei den gleitenden Übergängen geht es keineswegs um Frühverrentung, sondern darum, die Beschäftigten länger gesund im Job zu halten. Dafür haben wir ein flexibles Baukastensystem für Teilzeit im Alter entwickelt, für das wir aber bessere gesetzliche Rahmenbedingungen brauchen. Für eine neue Teilzeitkultur im Alter braucht es einen verbesserten Rechtsanspruch auf Teilzeit, eine neue Altersteilzeit, höhere Hinzuverdienstgrenzen und mehr Flexibilität bei der Teilrente. Die Phase zwischen Teilzeit im Alter und Rentenbeginn sollte schon ab 60 Jahren beginnen, damit der Korridor zur Gestaltung des Übergangs bis zum Rentenalter ausreicht, um Einkommensverluste auszugleichen. Gleitende Übergänge dürfen am Ende kein Minusgeschäft für die Beschäftigten werden."


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