Deutscher Gewerkschaftsbund

28.08.2017

„Solidarität und Gerechtigkeit sind unverrückbare Werte“

einblick September 2017

Unter dem Motto „Gemeinschaft. Macht. Zukunft.“ findet vom 8. bis zum 13. Oktober der 6. Ordentliche IG BCE-Gewerkschaftskongress in Hannover statt. Der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis bilanziert Erfolge und Herausforderungen.

Der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis

Michael Vassiliadis, 53, ist seit 2009 Vorsitzender der IG BCE. Auf dem kommenden Gewerkschaftskongress kandidiert er wieder für das Amt des Vorsitzenden. IG BCE

Wir stehen vor entscheidenden Wochen. Nicht nur als Bürger, sondern auch als Mitglieder der IG BCE. Dass die Bundestagswahl Ende September und der 6. Ordentliche Gewerkschaftskongress der IG BCE Mitte Oktober – übrigens zum zweiten Mal – so nah beieinander liegen, ist natürlich Zufall. Und doch spiegelt das unseren Anspruch wider. Die IG BCE ist im Betrieb und vor Ort genauso gestaltend präsent wie in der Politik. Wir sind im besten Sinne Referenz für das, was Deutschland nach dem Krieg stark gemacht hat: Mitbestimmung, Tarifverträge, Schutz vor Willkür und der feste Wille, wirtschaftlichen Wohlstand auch gerecht zu verteilen. An vielen Stellen in Deutschland ist das nicht mehr prägendes Prinzip. Die IG BCE kämpft dafür, dass wir die wirtschaftliche Stärke Deutschlands dazu nutzen, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Zukunftsperspektiven für unsere Kinder und ein Mehr an Modernisierung unserer Gesellschaft zu erreichen.

In diesem Jahr wird unsere Gewerkschaft 20 Jahre alt. Hervorgegangen aus drei traditionsreichen Verbänden – der IG Bergbau und Energie, der IG Chemie-Papier-Keramik und der Gewerkschaft Leder –, hat die neue Organisation rasch eine eigene Identität entwickelt und sich als Gewerkschaft neuer Art etabliert. Von Beginn an haben wir gewusst, dass wir mit dem Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft mindestens mithalten müssen, am besten vorneweg laufen, um Zukunftschancen für unsere Mitglieder und unsere IG BCE nutzen zu können.


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Unsere Gewerkschaft ist auf Veränderung angelegt, was im Übrigen auch schon im 1997 beschlossen Leitbild der IG BCE formuliert ist. Unverrückbar sind für uns nur die Werte, von denen wir uns in der Gestaltung von Wandel leiten lassen: Solidarität und Gerechtigkeit. Wer die Verhältnisse verändern will und bereit ist, sich selbst neu zu orientieren, der braucht gleichzeitig klare Grundsätze. Wenn wir den Wandel in dieser Form annehmen, dann korrespondiert das natürlich mit dem Strukturwandel in unseren Branchen und in der Arbeit, aber auch mit den Lebensverhältnissen der Beschäftigten. Das prägnanteste Beispiel dafür ist der Steinkohlenbergbau, dessen eindrucksvolle Geschichte Ende 2018 mit der Schließung der letzten beiden Zechen in Deutschland ausläuft.

Veränderungen von solcher – auch schmerzvoller – Qualität erleben wir natürlich nicht alle Tage. Stets waren wir vor die Aufgabe gestellt, dazu zu lernen, effizienter und kompetenter in unserem Handeln zu werden, um Gestaltungskraft für unsere Mitglieder zu bewahren und zu gewinnen. Bei all diesen Anstrengungen ist es uns gelungen, den Charakter der IG BCE mit stabiler Verankerung in den Belegschaften und Betrieben zu erhalten und zu festigen. Wir sind nach wie vor diejenigen, die in unseren Branchen mit Tarifvertrag und Mitbestimmung die Standards der Arbeitsbedingungen setzen – und niemand sonst.

Wo wir sind, herrscht
Ordnung auf Grundlage
von Tarifvertrag und
Mitbestimmung.

Gleichzeitig übernimmt die IG BCE auch politische und gesellschaftliche Verantwortung. Nicht zuletzt um Populismus und Extremismus begegnen zu können, braucht man starke Gewerkschaften. Und auch deshalb hat die IG BCE ihren Zukunftsprozess 2020 in den vergangenen vier Jahren entschlossen und erfolgreich vorangetrieben. Das zeigen einige Beispiele dessen, was wir seit 2013 wir getan haben.

  • Wir haben in schwierigen Branchen zahlreiche neue Betriebe erschlossen.
  • Wir haben mit den Investitionsfonds neue Handlungsmöglichkeiten in den Bezirken geschaffen und die Arbeit vor Ort gestärkt.
  • Wir haben die Ausstattung unserer Organisation modernisiert und in die Kompetenz unserer Leute investiert.

Wie sehr sich das Engagement für die Zukunftsfähigkeit unserer IG BCE lohnt, dafür haben wir seit 2013 viele gute Gründe geliefert, nicht nur mit der Tarifführerschaft in der Industrie. Wir haben genauso erfolgreich zum Beispiel die Betriebsratswahlen abgeschlossen und dabei unsere Spitzenposition im DGB-Vergleich verteidigt.

Wo wir sind, da herrscht Ordnung auf der Grundlage von Tarifvertrag und Mitbestimmung. Das ist für uns keine Ausnahmeerscheinung in der Arbeitswelt, und wir sehen darin auch keine Spezialität für einige Industriebranchen. Im Gegenteil, wir nehmen für uns in Anspruch, Referenz zu entwickeln, wohin wir in Deutschland wollen, wie sich die Arbeitswelt entwickeln soll. Daran werden wir weiter arbeiten. Denn Stabilität und sozial geordnete Verhältnisse in der Arbeitswelt sind die Grundlage für Stabilität und Ordnung in Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.


Gemeinschaft. Macht. Zukunft.

Die 400 Delegierten des 6. Ordentlichen IG BCE-Gewerkschaftskongresses werden vom 8. bis 13. Oktober über den Kurs der kommenden vier Jahre entscheiden. 367 Anträge stehen zur Debatte. In diesen geht es unter anderem um eine faire und gerechte Arbeitswelt, die Globalisierung, beste Bildung oder die künftige Gewerkschaftsarbeit.

Die Delegierten werden zudem über einen neuen Vorstand abstimmen. Neben Michael Vassiliadis wird auch die stellvertretende Vorsitzende Edeltraud Glänzer (61) erneut kandidieren. Für die weiteren Mandate im geschäftsführenden Hauptvorstand stellen sich zudem Ralf Sikorski (56) und Petra Reinbold-Knape (58) zur Wahl. Als fünftes Mitglied des Gremiums kandidiert erstmals Francesco Grioli (45), der aktuell Leiter des Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland ist. Peter Hausmann (63), der über acht Jahre die Tarifpolitik der IG BCE bestimmt hat, tritt alters-bedingt nicht erneut an.


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