Von Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Für die DGB-Gewerkschaften engagieren sich tagtäglich zig-tausende Menschen in Ehrenämtern. Diese Frauen und Männer leisten in den Betriebsräten, in den Gremien ihrer Gewerkschaften, in den DGB-Kreisen und Ortsverbänden, in der Gewerkschaftsjugend oder bei den Senioren ausgezeichnete Arbeit. Sie engagieren sich im Kampf gegen Rechts, in der Frauenarbeit, in den Gremien der Renten- und Arbeitslosenversicherung, als ehrenamtliche Richterinnen und Richter, in Beiräten, Beratungsstellen oder in internationalen Initiativen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund organisiert die Ehrenamtlichen hauptsächlich auf der sogenannten "vierten Ebene": In den 586 Orts- und Kreisverbänden engagieren sich rund 7000 Personen. Hinzu kommen 91 Arbeitskreise für Frauen, Erwerbslose, Senioren, Jugend und Arbeitsstrukturen für Betriebsräte. Diese Gruppen starten und organisieren politische Initiativen und beraten vor Ort. Sie sind die tragenden Säulen bei der Organisation der Mai-Demos und aller Großveranstaltungen des DGB.
Mit diesem Engagement leisten sie Großartiges für die bundesdeutsche Gesellschaft, ihren sozialen Zusammenhalt und natürlich für die Gewerkschaften. An dieser Stelle vielen Dank für diesen Einsatz und dieses Engagement!
Wie in jeder Organisation ist das Verhältnis zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen nicht immer einfach. Aber wir wissen sehr wohl, was wir den Kolleginnen und Kollegen zu verdanken haben. Ehrenamtliche bewahren gewachsene Strukturen, sie beeindrucken und spornen an, sie geben dem Ganzen die richtige Würze, den Stallgeruch und zugleich den nötigen Rückhalt, der im politischen Geschäft so enorm wichtig ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine politische Organisation ohne ehrenamtliches Engagement nicht leben kann - sie gliche einem zahnlosen Tiger.
Die Zeiten für ehrenamtliches Engagement sind nicht einfach. Die Vereinzelung, der Rückzug ins Private, die Abkehr vom Gemeinschaftlichen, die Skepsis gegenüber Organisationen sind Merkmale unserer Zeit. Deshalb müssen auch wir unsere Angebote und Strukturen für ein attraktives Ehrenamt stets erneuern. Ein gelungenes Beispiel sind die circa 50 Hochschulinformationsbüros des DGB, die Campus Offices. Hier werden Studierende rundherum beraten, über Jobmöglichkeiten, Stipendien, Arbeitsgruppen etc. Meist sind es engagierte Studierende aus der DGB Jugend, die hier ihr Know-How anbieten.
Jedes Ehrenamt muss gepflegt und weiterentwickelt werden. In dem neuen Satzungsentwurf für den DGB haben wir diesem Gedanken Rechnung getragen. Eins der wichtigsten Ziele der Satzungsreform ist die Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit auf kommunaler Ebene.
Die neue Satzung des DGB verankert erstmalig die ehrenamtliche Arbeitsstruktur in Landkreisen und kreisfreien Städten und stärkt damit dort die regionale Verankerung und Präsenz des DGB. Sie wird von einem Netz von hauptamtlich besetzten Regionen unterstützt.
Begeisterung, Identifikation und Engagement für den DGB und die Gewerkschaften wollen wir mit diesem Ansatz anerkennen. Vor Ort macht Ihr den Wert und die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Arbeit erlebbar.
Ich möchte mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die sich in ihrem gewerkschaftlichen Ehrenamt engagieren, ganz herzlich für ihre Arbeit im vergangenen Jahr bedanken.
Gleichzeitig möchte ich aber auch für die Teilnahme an der Betriebsratswahl 2010 werben. Ich hoffe sehr, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen zur Wahl aufstellen lassen und für diese anspruchsvolle Aufgabe zur Verfügung stehen.