Deutscher Gewerkschaftsbund

04.09.2017

Elterngeld

Wann erhalte ich Elterngeld?

Das Elterngeld erhalten Männer und Frauen bzw. Mütter und Väter, die ihr Baby selbst versorgen möchten und darum nicht arbeiten oder nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen wollen.

Auch Adoptiv- und Stiefeltern können Elterngeld beantragen. In Ausnahmefällen, z. B. bei schwerer Krankheit oder beim Tod der Eltern haben auch Verwandte diese Möglichkeit.

Wie lange kann ich Elterngeld in Anspruch nehmen?

Die Bezugsdauer von Elterngeld ist abhängig von der Wahl der möglichen Komponente. Neben dem Elterngeld (Basiselterngeld) gibt es das Elterngeld Plus, das dem halbierten Satz des (Basis)Elterngeldes bei verdoppelter Bezugsdauer entspricht. Nimmt nur ein Elternteil das (Basis)Elterngeld in Anspruch, beträgt die Anspruchsdauer zwölf Monate. Diese kann sich auf insgesamt 14 Monate verlängern, wenn der andere Elternteil mindestens zwei Monate ein verringertes oder kein Einkommen hat. Diese zwei Monate werden als Partnermonate bezeichnet. Anspruchsberechtigt ist nicht der Elternteil, der bereits zwölf Monate Elterngeld bezogen hat, sondern der andere Elternteil, so dass für zwei Monate beide gemeinsam Elterngeld beziehen können. Auch, wenn beide Elternteile gleichzeitig das Elterngeld beanspruchen, kann es nur bis zu einer Höchstgrenze von 1.800 Euro bezogen werden. Bei Paaren mit einem arbeitslosen Partner besteht nur für zwölf Monate ein Anspruch auf Elterngeld.
Lassen sich die Eltern jedoch nur das halbe Elterngeld auszahlen, dann können auch 24 oder 28 Monate Elterngeld bezogen werden.

Alleinerziehende können die Partnermonate unter den gleichen Voraussetzungen erhalten.

Bei Halbierung des (Basis-)Elterngeldbetrages können aus jedem Monat (Basis-)Elterngeld zwei Monate Elterngeld Plus werden, aus 14 Monaten (Basis-)Elterngeld also 28 Monate Elterngeld Plus. Die zeitliche Verteilung auf die Elternteile ist in jeder Hinsicht variabel (detailliert unter http://www.dgb.de/-/9E3).

Neben den Partnermonaten gibt es noch den Partnerbonus. Für die Inanspruchnahme des Partnerbonus müssen Eltern in mindestens vier aufeinanderfolgenden Monaten gleichzeitig mit nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Wochenstunden im Durchschnitt des Monats erwerbstätig sein. Dann hat jedes Elternteil für diese Zeit Anspruch auf vier weitere (hälftige) Monatsbeträge Elterngeld Plus. Die zusätzlichen vier weiteren Monatsbeträge Elterngeld Plus für den Partnerbonus haben eine unabhängige Anspruchsgrundlage und sind nicht auf Bezugszeiten, die aus (Basis-)Elterngeld in Elterngeld Plus umgewandelt wurden, anrechenbar (detailliert unter http://www.dgb.de/-/9E3).

Der Anspruch beginnt mit dem Tag der Geburt und endet für (Basis-)Elterngeld, wenn das Kind zwölf bzw. 14 Monate alt ist. Nur wenn Elterngeld Plus beantragt wurde, kann es über den 14. Lebensmonat hinaus beansprucht werden, solange es ab dem 15. Lebensmonat in aufeinander folgenden Lebensmonaten von zumindest einem Elternteil in Anspruch genommen wird. Elterngeld kann in Monatsbeträgen für ganze Lebensmonate des Kindes in Anspruch genommen werden. Sind die Anspruchsvoraussetzungen erst innerhalb eines Monats erfüllt, beginnt der Anspruch mit dem Folgemonat. Der Anspruch endet mit Ablauf des Monats, in dem die Voraussetzungen entfallen sind.

Beispiel:
Bei einem Kind, das am 05.04.2014 geboren wurde, endet der Anspruch für (Basis)Elterngeld am 04.04.2015 bzw. am 04.06.2015 je nachdem, ob die Voraussetzungen für zwölf oder 14 Monate vorliegen.

Ich bin österreichische Staatsbürgerin und arbeite hier in Deutschland; kann ich Elterngeld beanspruchen?

Alle Eltern, die Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz sind, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben und beschäftigt sind, können Elterngeld beanspruchen und beantragen. Voraussetzung ist, dass sie mit ihrem Kind zusammen in einem Haushalt leben, es selbst betreuen und erziehen.

Für Grenzgänger, die in Deutschland wohnen, aber in einem anderen Mitgliedstaat der EU oder in der Schweiz arbeiten, gelten die Vorschriften des EU-Rechts. Danach ist vorrangig immer der Staat zuständig, in dem die Berufstätigkeit ausgeübt wird. Dabei hängt es vom Einzelfall ab, ob und in welcher Höhe Elterngeld gezahlt wird.

Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten innerhalb der EU kommt es immer darauf an, welcher Mitgliedstaat zuständig ist. Grundsätzlich ist es so, dass in erster Linie der Staat zuständig ist, in dem der Arbeitnehmer beschäftigt ist. Liegt keine Beschäftigung vor, ist der Staat zuständig, in dem man seinen Wohnsitz hat.

EU-Beispiele:

Herr H wohnt in den Niederlanden und arbeitet in Deutschland. Er erhält Elterngeld in Höhe von 67 Prozent seines letzten Nettogehalts, höchstens jedoch 1.800 Euro. Sollte es in den Niederlanden eine vergleichbare Leistung geben, wird diese Leistung jedoch auf das Elterngeld angerechnet.

Frau G arbeitet in den Niederlanden und wohnt in Deutschland. Sie ist nicht verheiratet und will ihr Kind allein erziehen. Bleibt das Arbeitsverhältnis in den Niederlanden bestehen, würde sie kein Elterngeld erhalten.

Kann ich neben dem Bezug von Elterngeld arbeiten?

Für den vollen Bezug des Elterngeldes ist es notwendig, dass in dieser Zeit nicht gearbeitet wird. Unter Anrechnung auf das Elterngeld besteht der Anspruch weiter, wenn die Arbeitszeit nicht mehr als 30 Stunden in der Woche beträgt. Eine Berufsausbildung kann neben dem Bezug von Elterngeld absolviert werden.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Alle Eltern erhalten ein Mindestelterngeld in Höhe von 300 Euro. Das Mindestelterngeld können alle in Anspruch nehmen, auch diejenigen, die vorher nicht erwerbstätig waren, also auch Arbeitslose, die Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II beziehen. Auf das Arbeitslosengeld II wird das Elterngeld allerdings in voller Höhe angerechnet, wenn vor der Geburt des Kindes kein Einkommen erzielt wurde. Sofern vor der Geburt z. B. bereits aufstockende Leistungen des SGB II bezogen wurden, weil das erzielte Einkommen den Bedarf nicht vollständig deckte, bleibt der Betrag des Mindestelterngeldes von 300 Euro anrechnungsfrei.

In allen anderen Fällen richtet sich die Höhe des Elterngeldes nach dem Erwerbseinkommen, das vor der Geburt des Kindes bezogen wurde. Gezahlt werden 67 Prozent des individuellen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes, höchstens jedoch 1.800 Euro. Dieser Betrag kann sich nur durch den Geschwisterbonus oder den Mehrlingszuschlag erhöhen.
Wer vorher weniger als 1.000 Euro verdient hat, erhält zu den 67 % einen Zuschlag von einem Prozent pro 20 Euro, die sein Verdienst unter 1.000 Euro lag. Höchstens jedoch 100 % des vorherigen Netto.

 Daraus ergibt sich folgende Tabelle:
 ≤ 980 Euro      68 %  ≤ 760 Euro      79 %  ≤ 540 Euro      90 %
 ≤ 960 Euro      69 %  ≤ 740 Euro      80 %  ≤ 520 Euro      91 %
 ≤ 940 Euro      70 %  ≤ 720 Euro      81 %  ≤ 500 Euro      92 %
 ≤ 920 Euro      71 %  ≤ 700 Euro      82 %  ≤ 480 Euro      93 %
 ≤ 900 Euro      72 %  ≤ 680 Euro      83 %  ≤ 460 Euro      94 %
 ≤ 880 Euro      73 %  ≤ 660 Euro      84 %  ≤ 440 Euro      95 %
 ≤ 860 Euro      74 %  ≤ 640 Euro      85 %  ≤ 420 Euro      96 %
 ≤ 840 Euro      75 %  ≤ 620 Euro      86 %  ≤ 400 Euro      97 %
 ≤ 820 Euro      76 %  ≤ 600 Euro      87 %  ≤ 380 Euro      98 %
 ≤ 800 Euro      77 %  ≤ 580 Euro      88 %  ≤ 360 Euro      99%
 ≤ 780 Euro      78 %  ≤ 560 Euro      89 %  ≤ 340 Euro      100%

Einkommen, das nach der Geburt des Kindes erzielt wird, wird auf das Elterngeld angerechnet.

Die voraussichtliche Höhe des Elterngeldes kann mit dem Elterngeldrechner des BMFSFJ berechnet werden: https://www.familien-wegweiser.de/ElterngeldrechnerPlaner

Von welchen Einkommen wird das Elterngeld berechnet?

Wird Elterngeld über das Mindestelterngeld von 300 Euro hinaus beantragt, so wird bei der Berechnung des Elterngeldes nur das tatsächliche Erwerbseinkommen berücksichtigt. Dazu zählt auch Einkommen aus einem so genannten Mini-Job. Lohnersatzleistungen, z. B. Krankengeld, bleiben außer Acht.

Zur Einkommensermittlung wird das durchschnittlich erzielte monatliche Erwerbseinkommen aus den zwölf Kalendermonaten vor dem Geburtsmonat des Kindes zugrunde gelegt. Im Bemessungszeitraum werden alle Einkommen, aber auch Monate ohne Einkommen berücksichtigt.

Bei der Bestimmung der Kalendermonate sind die Monate zu überspringen, in denen Elterngeld oder Mutterschaftsgeld bezogen wurde oder es wegen der Schwangerschaft zur Einkommensminderung gekommen ist. In diesem Fall wird der Bemessungszeitraum in die Vergangenheit verlängert. Lohnersatzleistungen, die innerhalb des Bemessungsraumes bezogen wurden, verlängern diesen nicht.

Grundsätzlich werden keine Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder Erfolgsbeteiligungen sowie steuerfreie Einnahmen, z. B. Reisekostenvergütung, Trinkgelder oder Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit, bei der Höhe des Elterngeldes berücksichtigt.

Der Bemessungszeitraum gilt grundsätzlich auch für den Fall das Elterngeld erst für den 13. und 14. Monat bezogen wird.

Wie hoch ist das Elterngeld bei Mehrlingsgeburten oder Geschwisterkindern?

Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das Elterngeld für jedes weitere Kind um 300 Euro.
Bei Geschwisterkindern, das heißt, wenn noch weitere Kleinkinder unter drei Jahren in der Familie sind oder mindestens zwei Kinder unter sechs Jahren oder ein behindertes Kind unter 14 Jahren, wird ein Bonus von zehn Prozent gezahlt. Das heißt, das Elterngeld erhöht sich um zehn Prozent, mindestens aber um 75 Euro im Monat.

Ich bin allein erziehend. Wie lange kann ich Elterngeld beziehen?

Alleinerziehenden steht das (Basis-)Elterngeld 14 Monate und Elterngeld Plus 28 Monate zu.
Alleinerziehende Elternteile sind gemeinsam erziehenden Eltern im Wesentlichen gleichgestellt. Sie haben bei Minderung des Erwerbseinkommens für zwei Monate ebenfalls Anspruch auf zwei weitere Monate (Basis-)Elterngeld (die sogenannten Partnermonate), und wenn das alleinerziehende Elternteil in vier aufeinanderfolgenden Lebensmonaten nicht weniger als 25 und nicht mehr als 30 Wochenstunden im Durchschnitt des Monats erwerbstätig ist, kann es für diese Monate vier weitere Monatsbeträge Elterngeld Plus beziehen. Alleinerziehenden stehen damit ebenfalls alle Variationsmöglichkeiten von gemeinsam erziehenden Eltern offen.

Wie bin ich in der Zeit des Elterngeldbezuges sozialversichert?

Grundsätzlich müssen keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden, wenn vorher eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Sozialversicherung bestand. Wer Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenkasse ist, bleibt weiterhin beitragsfrei versichert. Nur freiwillig oder privat Krankenversicherte müssen weiterhin Beiträge bezahlen, die allerdings reduziert werden können. Auch in der Rentenversicherung wird nach wie vor die Erziehung des Kindes als Rentenzeit berücksichtigt, ohne dass Beiträge von dem Elternteil gezahlt werden müssen, der das Kind betreut.

Ich möchte eine Nebentätigkeit von unter 30 Stunden ausüben. Wird das Entgelt angerechnet?

Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung und soll entgangenes Einkommen kompensieren, daher wird auch Einkommen aus der Nebentätigkeit auf das Elterngeld angerechnet.

Ich beziehe Arbeitslosengeld II. Bekomme ich auch Elterngeld?

Arbeitslosengeld I oder II, aber auch Sozialhilfe, Wohngeld und Kinderzuschläge werden auf das Elterngeld angerechnet. Dabei bleibt der Anteil des Mindestelterngeldes in Höhe von 300 Euro anrechnungsfrei. Für Arbeitslosengeld II (Hartz IV) gilt die Anrechnungsfreiheit jedoch nur, wenn vor der Geburt trotz SGB II Leistungsbezug ein Einkommen erzielt wurde (Aufstocker)

Muss ich Elterngeld beantragen?

Elterngeld wird nur auf Antrag gewährt. Den Antrag kann jedes Elternteil stellen oder beide gemeinsam. Im Antrag müssten sie verbindlich festlegen, wie lange Elterngeld beansprucht werden soll. Beantragen die Eltern gemeinsam Elterngeld, kann die Aufteilung nur in besonderen Härtefällen verändert werden. Zuständig für den Antrag sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Behörden. In Hessen und Nordrhein-Westfalen sind es die Versorgungsämter, in anderen Ländern Kreis-, Jugend- oder Sozialämter.

Hinweise zum Elterngeld sowie für Anträge und Merkblätter z. B für

Berlin: http://www.berlin.de/sen/jugend/familie-und-kinder/finanzielle-leistungen/elterngeld-und-elternzeit/

Hamburg: http://www.hamburg.de/formulardownload/118148/elterngeld/

Schleswig-Holstein: https://www.elterngeld.net/elterngeldstellen/schleswig-holstein.html

Hessen: http://www.familienatlas.de/geld/finanzielle-hilfen/elterngeld

Bayern: https://www.elterngeld.bayern.de/elterngeld/onlineantrag/

NRW: https://www.mfkjks.nrw/elterngeld-und-elternzeit

Sachsen: https://www.elterngeld.net/elterngeldantrag/sachsen.html


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Körzell: Geplante Kindergeldkürzung bedient gängige Vorurteile
Die Eltern arbeiten in Deutschland, die Kinder leben im Ausland: In diesen Fällen will die Bundesregierung das Kindergeld kürzen und an die Lebenshaltungskosten in den jeweiligen Ländern anpassen. DGB-Vorstand Stefan Körzell lehnt das entschieden ab - weil es Vorurteilen gegenüber ausländischen Mitbürgern folgt und im Widerspruch zur Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU steht. weiterlesen …
Link
Diskussionsveranstaltungen zur Sozialwahl 2017
Der DGB diskutiert mit ExpertInnen aus Kranken- und Rentenversicherungen und Gewerkschaften über den Stellenwert der Sozialwahl und zur Zukunft der sozialen Selbstverwaltung in Leipzig und Saarbrücken. Weitere Themen: „Mit deiner Stimme den Renten-Sinkflug stoppen“: Rentenappel von DGB und Gewerkschaften unterstützen; Veranstaltungshinweis: „Gesunde Arbeit bis zur Rente“ zur Webseite …
Artikel
Erwerbsminderung
Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen können, wenn überhaupt, oft nur wenige Stunden am Tag einer Erwerbsarbeit nachgehen. In diesen Fällen liegt eine Erwerbsminderung vor. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten