Deutscher Gewerkschaftsbund

16.10.2014

Social Freezing: Familienpolitik sieht für uns anders aus

Die Unternehmen Apple und Facebook wollen US-Mitarbeiterinnen, die ihren Kinderwunsch aufschieben, das Einfrieren der Eizellen als Sozialleistung des Arbeitgebers bezahlen. Die Debatte über "Social Freezing" hat jetzt auch Deutschland erreicht. "Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen muss gleichzeitig möglich sein", machte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack klar.

Labor mit Gefrierzylinder

Eizellen einfrieren lassen, um die Karriere nicht für Kinder unterbrechen zu müssen: Einige US-Arbeitgeber wie Facebook oder Apple bieten Mitarbeiterinnen an, die Kosten dafür zu übernehmen. Colourbox

Nicht vorgaukeln, die Entscheidung lasse sich auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben

"Geht’s noch? Familienpolitik sieht für uns anders aus", so Hannacks Reaktion auf die Pläne von Apple und Facebook. "Die Entscheidung für Kinder ist eine, die jede Frau für sich persönlich treffen muss – abhängig von ihrer Lebenssituation und zumeist in Übereinstimmung mit ihrem Partner. Wir brauchen keine Unternehmen, die ihren Mitarbeiterinnen diese Entscheidung schwer machen und vorgaukeln, sie könne auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden."

Familiengerechte Arbeit auch für pflegende Angehörige wichtig

Gefragt seien stattdessen Arbeitgeber, die Frauen und Männern Mut machen zur Familiengründung: durch familienbewusste Arbeitsorganisation, bedarfsgerechte Arbeitszeitgestaltung und eine Unternehmenskultur, die Menschen mit Familienpflichten wertschätzt und unterstützt – "unabhängig davon ob sie Kinder erziehen oder Angehörige pflegen", so Hannack.

Familienplanung darf keine betriebliche Frage werden

Anja Weusthoff, Leiterin der Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik/Familienpolitik beim DGB-Bundesvorstand, sagte im Deutschlandfunk, die Kinderplanung dürfe nicht von einer persönlichen zu einer betrieblichen Frage werden. Das Problem werden bei den Frauen abgeladen. "Wir sehen hier eine Tendenz, die Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben auf die Spitze zu treiben", so Weusthoff.

AUDIO: Anja Weusthoff, Leiterin der Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik/Familienpolitik beim DGB-Bundesvorstand, spricht im Deutschlandfunk über Social Freezing

Sie benötigen den FlashPlayer (mindestens Version 9) und einen Browser mit aktiviertem JavaScript!

Das sagt das Netz: Frauen bei Twitter über #socialfreezing


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Gesetzesreform: Mütter besser schützen
Der DGB begrüßt die geplante Novellierung des Mutterschutzrechts in weiten Teilen. Allerdings müssen die Regelungen zur Nachtarbeit aus Sicht des DGB noch korrigiert werden. weiterlesen …
Artikel
Mutterschutz reformiert - endlich!
Das Mutterschutzgesetz wird reformiert, ein entsprechender Gesetzentwurf ist heute im Kabinett verabschiedet worden. Erstmals werden auch Schülerinnen und Studentinnen in die Regelungen einbezogen. "Nach über sechs Jahrzehnten ist eine Novellierung überfällig", sagt DGB-Vize Elke Hannack. weiterlesen …
Pressemeldung
DGB legt Leitfaden gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vor
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten hat sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz selbst erlebt oder bereits beobachtet. "Die Zahlen machen uns Sorge", sagte DGB-Vize Elke Hannack anlässlich des Aktionstages "Nein zu Gewalt an Frauen!". Der DGB legt nun einen Leitfaden für betriebliche Interessenvertretungen vor. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten