Deutscher Gewerkschaftsbund

07.08.2007

Zeugnis

Jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Zeugnis. Das legt § 109 GewO fest. Dort wird auch unterschieden zwischen einem Zeugnis, das lediglich Angaben zu Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses beschreibt (einfaches Zeugnis) und einem Zeugnis, das auch Angaben zu Leistung und Verhalten enthält (qualifiziertes Zeugnis). Bezüglich der Tätigkeit besteht kein Anspruch darauf, dass alle, auch noch so kurz ausgeübte Tätigkeiten aufgeführt werden, die Beschreibung der wesentlichen und insbesondere der qualifizierenden Arbeitsinhalte muss jedoch gegeben sein. Die Darstellung der Leistung muss sich auf Arbeitsumfang, Qualität, Schnelligkeit, Fachkenntnisse und grundsätzliche Bereitschaft zur Tätigkeit, Ausdrucksvermögen und Verhandlungsgeschick beziehen. Bei der Führung ist nur das dienstliche Verhalten, nicht aber das Privatleben des Arbeitnehmers / der Arbeitnehmerin zu beurteilen.

Wann ein qualifiziertes Zeugnis abzufassen ist, bestimmt der Arbeitnehmer, denn er kann ein solches Zeugnis verlangen.

Das Zeugnis ist grundsätzlich schriftlich abzufassen und zwar auf einem Firmenbogen oder auf einem neutralen Bogen, der aber durch Stempel oder entsprechende Unterschrift den ausstellenden Arbeitgeber erkennen lässt. Es ist gut leserlich abzufassen, und von demjenigen zu unterschreiben, der in dem Unternehmen üblicherweise hierzu befugt ist. Werden Zeugnisse üblicherweise vom Personalleiter ausgestellt, so kann sich bei ansonsten positiven Formulierungen ein negativer Hinweis daraus ergeben, dass ein Zeugnis vom Abteilungsleiter unterschrieben ist. Entgegen einer verbreiteten Meinung kann ein Zeugnis auch gefaltet werden, so hat es das BAG entschieden. Sowohl ein fortlaufender Text als Zeugnisformulierung, als auch eine Auflistung der unterschiedlichen Bewertungsmerkmale ist zulässig.

Vorgeschrieben ist auch, dass das Zeugnis klar und verständlich abzufassen ist und keine versteckten (negativen) Merkmale oder Aussagen enthalten darf. Gleichwohl hat sich eine eigene "Zeugnissprache" entwickelt, die zu kennen für Arbeitnehmer nützlich ist. Deshalb werden im Folgenden die Formulierungen und ihre "Entschlüsselung" gegenübergestellt.

Außerdem ist zu beachten, dass das Herausheben einzelner Merkmale unter Weglassen anderer Merkmale immer eine negative Zielrichtung haben kann. Entsprechend sollten im Zeugnis alle oben erwähnten Kriterien der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung, natürlich immer entsprechend der konkret ausgeübten Tätigkeit, vorhanden sind.

Die Formulierungen:

Zeugnisformulierung Bedeutung

... hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt

oder:

... wir waren mit seinem Fleiß, seiner Führung und seiner Leistung in jeder Hinsicht zufrieden.

Sehr gute Leistungen (Note 1).

 

 

Fehlt der Hinweis "stets", wird dadurch die Benotung leicht abgeschwächt.

... hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

oder:

... wir waren seinem Fleiß, seiner Führung und seiner Leistung sehr zufrieden.

 

Gute Leistungen (Note 2).

 

 

 

 

... hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

oder:

... wir waren mit seinem Fleiß, seiner Führung und seiner Leistung zufrieden

Befriedigende Leistung (Note 3).

... hat die ihm übertragenen Leistungen stets zu unserer Zufriedenheit erledigt

oder:

... wir waren mit seiner Führung und seiner Leistung zufrieden.

Befriedigende bis ausreichende Leistung (Note 3 bis 4).

... hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit erledigt

oder:

... seine Leistungen und seine Führung waren befriedigend

Ausreichende Leistung (Note 4).
...hat die ihm übertragenen Arbeiten im großen und ganzen (oder im allgemeinen, oder in der Regel) zu unserer Zufriedenheit erledigt

Mangelhafte Leistungen (Note 5).

... hat sich (stets) bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen

oder:

... er war stets bemüht gute Leistungen zu erbringen

Ungenügende Leistung (Note 5 bis 6).

Folgende Formulierungen finden sich ebenfalls häufig in Zeugnissen und können anders interpretiert werden, als es auf den ersten Blick vermuten lässt:

Zeugnisformulierung

Bedeutung

... besaß die Fähigkeit Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Hinblick auf die Vorgaben des Unternehmens zu motivieren

Der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin besitzt die Fähigkeit zu Personalführung.

... er/sie erledigte seine Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit

Hier wird ein/e ausgezeichnete/r Mitarbeiter/in beschrieben.

... hatte persönliches Format

Hier wird eine besondere Wertschätzung ausgedrückt.

... zeigte für seine Arbeit Verständnis

Dieses Verständnis hat nicht zu tatsächlicher Leistung geführt, hier wird ein "fauler" Arbeitnehmer beschrieben.

... besonders hervorzuheben ist seine Pünktlichkeit

Hier wird eine Selbstverständlichkeit hervorgehoben. Das bedeutet, dass alles andere, was der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin gezeigt hat, indiskutabel war.

... zeigte stets Interesse und erledigte die übertragenen Aufgaben mit Fleiß

Zwar bestand ein gewisses Engagement, die Arbeitsergebnisse waren jedoch in der Regel nicht nennenswert

... erledigte die übertragenen Arbeiten sehr ordentlich/ordnungsgemäß

Ein typischer Bürokrat, der nur auf Anweisung handelt und keinerlei Eigeninitiative gezeigt hat.

... zeigte stets Einfühlungsvermögen für die Belange der Kollegen

Er hat sich während der Arbeitszeit mehr mit den Kollegen als mit seinen Arbeiten beschäftigt.

... er/sie war sehr umgänglich

Er/sie war sehr unbeliebt im Kollegenkreis.

... er/sie hatte ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten (ohne dass die Kollegen erwähnt werden)

Er/sie hat sich ausschließlich nach "Oben" orientiert und sich den Vorgesetzten bedingungslos angepasst.

Schließlich ist entscheidend, mit welcher Formulierung das Zeugnis endet, weil auch hier ein versteckter Hinweis auf Schwierigkeiten in der Abwicklung des Arbeitsverhältnisses liegen kann.

Zeugnisformulierung

Bedeutung

Wir bedauern das Ausscheiden sehr.

Es handelt sich um eine/n hervorragende/n Mitarbeiter/Mitarbeiterin, die/den man nicht gern gehen sieht.

Das Ausscheiden erfolgt auf eigenen Wunsch.

Die Formulierung ist neutral, beschreibt lediglich den tatsächlichen Sachverhalt.

Für den weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir dem/der Mitarbeiter/Mitarbeiterin alles Gute und danken für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Es ist eine positive Beurteilung eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin, dessen/deren Ausscheiden bedauert wird.

Wir sehen uns aus organisatorischen Gründen nicht mehr in der Lage Herr/Frau weiterzubeschäftigen und müssen das Arbeitsverhältnis deshalb beenden.

In jedem Fall sollte eine andere Formulierung gewählt werden, weil die organisatorischen Gründe, möglicherweise auch mit dem Verhalten oder der Person des/der Gekündigten in Zusammenhang stehen und sich hierauf der Hinweis beziehen kann. In der Regel ist damit gemeint, dass man zufrieden ist, dass man einen Grund gefunden hat, den/die Arbeitnehmer/in loszuwerden.

Das Ausscheiden erfolgt in beiderseitigem Einverständnis. Es wird ausgedrückt, dass dem/der Arbeitnehmer/in nahe gelegt wurde, von sich aus zu kündigen, um eine Kündigung durch den Arbeitgeber zu verhindern.

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