Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 021 - 10.02.2010

Ausbildung in der Krise: Schönreden hilft nicht

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat die aktuelle Bilanz des Ausbildungspaktes kritisiert. „Der Ausbildungspakt präsentiert uns heute wieder eine geschönte Bilanz. Die Krise hat den Ausbildungsmarkt längst erfasst. Im Ausbildungsmarkt a2009 wurden rund 50.000 Verträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Fast 83.000 Jugendliche suchen trotz des demographischen Nachfragerückgangs noch eine Ausbildung. Wir brauchen deshalb dringend einen Schutzschirm für Ausbildung“, sagte sie am Mittwoch in Berlin.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende forderte zudem eine ehrliche Ausbildungsstatistik. 73.456 Jugendliche, die in Warteschleifen stecken, werden vom Pakt als versorgt gezählt, – obwohl sie ausdrücklich noch einen Ausbildungsplatz suchen. Hinzu kommen unversorgte BewerberInnen aus den Optionskommunen. Werden diese Jugendlichen mitgezählt, liegt die Lücke der unversorgten BewerberInnen bei 83.000, statt der vom Pakt verkündeten 4400 unversorgten jungen Menschen. „Wir brauchen deshalb einen echten Paradigmenwechsel in der Ausbildungsstatistik. Junge Menschen in Warteschleifen dürfen nicht mehr als versorgt gezählt werden. Nur so bekommen wir einen unverstellten Blick auf den Ausbildungsmarkt“, so Sehrbrock.

Ohnehin wird nicht jeder Jugendliche, der einen Ausbildungsplatz sucht, bei der Bundesagentur für Arbeit auch als BewerberIn geführt. In einer ersten Vorauslese werden zehntausende Jugendliche als nicht ausbildungsreif deklariert – und verschwinden so aus der Pakt-Statistik. „Wir können uns BewerberInnen erster und zweiter Klasse nicht leisten. Jeder junge Mensch, der einen Ausbildungsplatz sucht, muss in der Bilanz gezählt werden“, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Im Jahr 2010 droht nach Auffassung Sehrbrocks eine weitere Verschärfung der Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Nach Schätzungen sei allein in der Metall- und Elektroindustrie nochmals mit einem Minus von 10 Prozent bei den Ausbildungsplätzen zu rechnen. „Die schlechte Ausbildungsbilanz 2009 zeigt einmal mehr die Achillesferse des deutschen Ausbildungssystems: Die Zukunftsperspektiven junger Menschen sind abhängig von der konjunkturellen Lage. Wir müssen umsteuern. Mit der Einführung von Branchenfonds können wir die Finanzierung der Ausbildung von der Wirtschaftslage abkoppeln“, sagte Sehrbrock.



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