Heute fand im Bundestagsausschuss Arbeit und Soziales die Anhörung zum Thema Rente mit 67 statt. Vor dem Parlament übergaben Vertreter der Gewerkschaften IG BAU und NGG 110.000 Unterschriften an die Abgeordneten des Bundestags. Die Listen waren zu einer kilometerlangen Protestnote zusammengeklebt.
Die Zeit ist längst nicht reif für eine Rente mit 67. In vielen Branchen wie etwa am Bau oder im Hotel- und Gaststättengewerbe erreicht schon jetzt nur ein geringer Teil der Beschäftigten die Altersgrenze von 65 Jahren. Die Rente mit 67 ist eine Rentenkürzung, nach aktuellen Umfragen lehnen fast drei Viertel der Deutschen die Rente mit 67 ab.
Mit ihrer Unterschriftenaktion "Rente mit 67 stoppen - Erwerbsminderung besser absichern" protestierten die Gewerkschaften IG BAU und NGG gegen den Sozialabbau. Anlässlich der heutigen Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales zur Rente mit 67 rollte ein IG BAU-Bagger mit Unterschriften vor das Abgeordnetenhaus in Berlin.
„Über 100 000 Unterschriften sprechen eine klare Sprache", sagte IG BAU-Bundesvorstandsmitglied Andreas Steppuhn. "Die Regierung darf nicht länger eine Politik gegen die Bürger machen. Wer sich für das Wohl der Allgemeinheit kaputt geschuftet hat und vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden muss, hat ein Recht auf eine vernünftige Absicherung", betonte Steppuhn. "Dafür müssen die viel zu hohen Hürden für die Erwerbsminderungsrente abgebaut und gleichzeitig die Zahlungen erhöht werden."
"Menschen, die im Schichtsystem in der Produktion oder im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten, können nicht bis 65 durchhalten“, sagte NGG-Sekretärin Conny Weißbach. „Für diese bedeutet die Rente mit 67 nichts anderes als zwei Jahre längere Arbeitslosigkeit und eine sozial ungerechte Rentenkürzung.“
DGB-Vorstand Annelie Buntenbach kritisierte die Widersprüche von Schwarz-Gelb. "Die geplante Initiative der Koalition gegen die zunehmende Altersarmut ist nur dann glaubwürdig, wenn sie die Rente mit 67 stoppt. Durch die Rente mit 67 würde sich das Armutsrisiko im Alter drastisch erhöhen, weil nur die wenigsten Beschäftigten die Chance haben, bis 65 Jahre zu arbeiten und bei einem vorzeitigen Ausscheiden noch höhere Rentenabschläge hinnehmen müssten"
Buntenbach verwies auf die sozialen Folgen des Strukturwandels am Arbeitsmarkt. Durch gebrochene Erwerbslebensläufe und die Ausweitung der prekären Beschäftigung werden kommende Rentnergenerationen kaum mehr genug zum Leben haben.
Diese dramatische Entwicklung zeichne sich schon heute ab: "Auch ohne die Rente mit 67 droht uns eine Welle von Altersarmut, weil die Rente bereits um ein Viertel gekürzt worden ist und immer mehr Beschäftigte zu Niedriglöhnen arbeiten müssen", sagte Buntenbach. "Die Bundesregierung muss schnellstens unter Beweis stellen, ob sie ernsthaft gegen Altersarmut vorgehen will. Notwendig ist ein Sofortprogramm für eine Rente, die zum Leben reicht." Sie unterstützte die Forderungen nach einer besseren und solidarischen Absicherung im Erwerbsminderungsfall.
Bericht und Bildergalerie zur Aktion auf www.igbau.de