Deutscher Gewerkschaftsbund

22.05.2017
Energie und Umwelt

Warum wir eine Green Economy brauchen

Konferenz "Globalisierung in der Sackgasse - Visionen für den Neustart"

Hoher Verbrauch begrenzter Ressourcen und hoher Ausstoß von Treibhausgasen weltweit, mit gravierenden Folgen für Umwelt und Menschen - kann die Green Economy eine Lösung sein und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Zu diesen Fragen diskutierte Stefan Körzell auf der Konferenz „Globalisierung in der Sackgasse - Visionen für den Neustart.“

Arbeiter und Windrad

DGB/Francesco Mou/123RF.com

Green Economy kann ein Weg sein, die Probleme der Wirtschaft der Zukunft zu lösen. Das war das Fazit des Panels zur Green Economy mit DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell auf der Konferenz „Globalisierung in der Sackgasse - Visionen für den Neustart“ am 2. Mai 2017, die der DGB im Rahmen des Labour 20 Dialogs gemeinsam mit der IG Metall, Brot für die Welt, Misereor und dem Forum für Umwelt und Entwicklung organisiert hat.

Der steigende weltweite Bedarf an natürlichen Ressourcen einerseits und deren begrenzte Verfügbarkeit andererseits stellen die Weltgemeinschaft vor große Probleme. Deutschland ist zwar eine Industrienation, dabei aber arm an natürlichen Rohstoffen. Die Verfügbarkeit natürlicher Rohstoffe wie seltener Erden etwa zum Bau von Windkraftanlagen ist allerdings eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Energiewende hierzulande überhaupt möglich wird.

Derzeit liegt der Ressourcenverbrauch weltweit um den Faktor 1,6 höher als sich diese regenerieren können. In Industrienationen liegt der Verbrauch sogar noch höher. Gälte Deutschland als Maßstab läge der Faktor bei etwa 3,0. Hier besteht ein klarer Handlungsbedarf.

Der Klimawandel und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen wie Boden, Wasser und Luft haben bereits jetzt schon einen starken Einfluss auf die Art, wie wir leben und arbeiten. Die Länder des Globalen Südens sind dabei von den Auswirkungen besonders stark betroffen.

Zum einen findet der Abbau von Rohstoffen hier oftmals unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen statt: Menschen-, Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards spielen hierbei oftmals keine Rolle. Und sind die Rohstoffe abgebaut, bleibt der Gesellschaft im Zweifel nichts als zerstörte Natur.

Gleichzeitig sind es gerade diese Länder, die auch von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen sind, etwa durch vermehrt auftretende Dürren, Unwetter und den Anstieg des Meeresspiegels. Gerade Unwetter haben vermehrt gravierende Auswirkungen auf die Infrastruktur. Wird diese zu stark beschädigt hat dies in Zeiten globaler Lieferketten auch gravierende Auswirkungen auf weit entfernte Regionen.

Es ist also sowohl eine Frage der internationalen Solidarität als auch ökonomischer Vernunft, dass sich Entwicklungs-, Schwellen- und die Industrienationen ihrer gemeinsamen Verantwortung stellen. Ein Weg, dem gerecht zu werden, ist die Idee einer „Green Economy". Der Grundgedanke dabei ist, die Wirtschaft nachhaltig, also gleichberechtigt unter ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten auszurichten. Moderne und effiziente Technologien und eine angepasste Nutzung bieten dabei die Möglichkeit, weiterhin Wachstum und Lebensstandards zu erhalten und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen und den Ressourcenverbrauch zu verringern. Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch werden von einander entkoppelt.

Darüber diskutierten Stefan Körzell, Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes und Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), gemeinsam mit Lili Fuhr (Heinrich-Böll-Stiftung), Juliane Vogt (Carbon Market Watch) und Julia Fernandes (Movimento dos Atingidos por Barragens, Brasilien) in dem Panel „Der Planet hat Grenzen! Ist eine Green Economy die Lösung für globale Umweltprobleme?“

Für die Gewerkschaften ist klar, dass Gute Arbeit und Green Economy zusammen gehören. Es kommt nicht bloß auf die Zahl der Arbeitsplätze an, die im Rahmen der Green Economy neu entstehen, sondern auch auf deren Qualität. Denn während zum Beispiel die „grünen Branchen“ rund um Solar- und Windenergie neue Arbeitsplätze schafften, sind die Arbeitsbedingungen häufig weit entfernt von Guter Arbeit. Befristete Arbeitsverträge, geringer Lohn und die Verhinderung von betrieblicher Mitbestimmung haben das Bild dieser Branchen lange Zeit geprägt. Deshalb ist es gut, dass sich die Arbeitsbeziehungen mittlerweile in einigen Betrieben zum Besseren entwickeln.

Ein Schwerpunkt der Green Economy muss aus gewerkschaftliche Perspektive auch auf den bestehenden Arbeitsplätzen liegen. Mit Innovationen entlang der Wertschöpfungsketten, etwa im Bereich der Energie- und Materialeffizienz, wird eine nachhaltige Wirtschaftsweise forciert. Dabei sind die Beschäftigten ein wichtiger Schlüsselakteur. Sie haben die Erfahrung und das praktische Wissen, die um Einsparpotentiale im Unternehmen aufzudecken und optimal auszuschöpfen. Deswegen ist es besonders wichtig, Mitbestimmungsstrukturen zu stärken und Anreizsysteme zu integrieren, um Innovationen und nachhaltige Produktionsformen zu fördern. Zudem sind auch Qualifizierungsmaßnahmen sinnvoll, die das Verständnis für Fragen der Energie- und Materialeffizienz stärken.

Die Diskutanten waren sich einig: Damit eine Green Economy und eine Dekarbonisierung der Wirtschaft gelingen können, ist es wichtig, auf die Beschäftigten zu hören.

 Autor: Hannes Kunze

Hannes Kunze studiert Politikmanagement an der Hochschule Bremen und macht zurzeit ein Praktikum in der Abteilung Struktur-, Industrie- und Dienstleistungspolitik.


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