Deutscher Gewerkschaftsbund

02.08.2007

Interessenvertretung

Die Interessen der ArbeitnehmerInnen werden auf verschiedenen Ebenen des Arbeits- und Sozialrechtes vertreten.

Gewerkschaften

Der Zusammenschluss der ArbeitnehmerInnen zu einer Gewerkschaft bedeutet, dass diese Beschäftigten gemeinsam ihre Arbeitsbedingungen regeln wollen. Dafür streben sie die Aushandlung eines Tarifvertrages mit dem Arbeitgeber (Firmentarifvertrag) oder mit dem Arbeitgeberverband (Branchentarifvertrag) an. Um den Forderungen Nachdruck verleihen zu können, müssen die Beschäftigten in der Lage sein, wirtschaftlichen Druck auf den Arbeitgeber auszuüben, also zu streiken. Auch deshalb zahlen sie einen Mitgliedsbeitrag an die Gewerkschaft. Daraus wird die Gewerkschaftsarbeit und die Streikunterstützung finanziert. Denn Streik bedeutet, dass während dieser Zeit keine Arbeitsleistung erbracht wird und folglich auch kein Entgeltanspruch entsteht.

Würden die Gewerkschaftsmitglieder über einen längeren Zeitraum keine Streikunterstützung bekommen, könnten sie nicht ihre Arbeitskraft zurückhalten und dadurch Druck auf den Arbeitgeber ausüben. Sie müssten seine Bedingungen akzeptieren. Im Tarifvertrag, der für tarifgebundene Arbeitnehmer und Arbeitgeber gilt, werden die Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Entgelt aber auch Urlaub, Entgelt während des Urlaubes und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall geregelt.

Betriebliche Interessenvertretung

Die Beschäftigten im Betrieb wählen eine betriebliche Interessenvertretung. Je nach Zugehörigkeit zur Privatwirtschaft oder zum Öffentlichen Dienst sind dies Betriebs- bzw. Personalräte. Auch in den Kirchen ist eine Interessenvertretung möglich. Sie nennt sich dort Mitarbeitervertretung. Diese betrieblichen Interessenvertretungen haben unterschiedliche Rechte und können zum Schutz der Arbeitnehmer tätig werden. Sie können keine Arbeitsbedingungen regeln, die durch Tarifverträge festgelegt sind, aber sie können z.B. die Lage der Arbeitszeit, deren Beginn und Ende mit dem Arbeitgeber aushandeln. Sie sind zu beteiligen bei Einstellung, Eingruppierung und Kündigung von Beschäftigten.

Kommt eine Einigung bei betrieblichen Konflikten z.B. über die Lage der Arbeitszeit oder die Art des Leistungslohnsystems mit dem Arbeitgeber nicht zustande, wird eine Einigungsstelle für den jeweiligen Streitfall gebildet. Diese ist mit Vertretern der Interessenvertretung und des Arbeitgebers besetzt. Den Vorsitz führt ein unparteiischer Vorsitzender, auf den sich die Betriebsparteien entweder einigen können oder der im Streitfall vom Gericht eingesetzt wird. Können sich die Betriebsparteien in den Verhandlungen, z.B. über die Höhe der Prämie, nicht einigen, wird unter Beteiligung des unparteiischen Vorsitzenden abgestimmt. Er gibt dann letztendlich den Ausschlag, welche Regelung vereinbart wird.

Vereinbarungen werden in Betriebs- oder Dienstvereinbarungen geregelt. Sie gelten für das Arbeitsverhältnis unmittelbar und zwingend. Sie sind damit Bestandteil des Arbeitsvertrages. Daraus kann der Arbeitnehmer Ansprüche herleiten.


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