Deutscher Gewerkschaftsbund

07.11.2016
DBRP

Deutscher Betriebsräte-Preis 2016: Die Nominierten

Seit 2009 wird der Deutsche Betriebsräte-Preis (DBRP) für besonders innovative, erfolgreiche und zukunftsweisende Betriebsratsprojekte vergeben. Die Nominierten und Preisträger des Preises zeigen mit ihren Beispielen guter Praxis, wie vielfältig betriebliche Mitbestimmung ist – und welchen Einfluss und welche Gestaltungsmacht ein Betriebsrat hat.

Deutscher Betriebsräte-Preis

DGB / Bund-Verlag

Verliehen wird der

  • Deutsche Betriebsräte-Preis in Gold, Silber und Bronze

von der Fachzeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" (AiB). Außerdem gibt es in jedem Jahr verschiedene Sonderpreise. Die vier Sonderpreise im Jahr 2016 werden vergeben in den Kategorien:

  • Europa mitbestimmen
  • Beschäftigungssicherung
  • Gute Arbeit
  • Innovative Betriebsratsarbeit

Auch in diesem Jahr wird der Deutsche Betriebsräte-Preis 2016 wieder im Rahmen des Deutschen BetriebsräteTags am 10. November 2016 in Bonn verliehen.

Die Nominierten

(vorgestellt vom DGB-Infoservice einblick)

1. Betriebsrat der BASF SE

Vor dem Ende der Standortvereinbarung 2015, initiierte der Betriebsrat der BASF SE in Ludwigshafen Verhandlungen mit der Unternehmensseite. Erklärtes Ziel war es, Standortsicherheit für alle Beschäftigten zu erlangen. Nach mehrmonatigen Verhandlungen einigten sich schließlich beide Seiten auf eine neue fünfjährige Standortvereinbarung. Bis 2020 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Darüber hinaus wurden umfangreiche Investitionen, eine solide Nachwuchssicherung und ein Gesundheitsmanagement vereinbart.

2. Gesamtbetriebsrat der Deutsche Telekom Kundenservice GmbH

Die Telekom plante Effizienz- und Rationalisierungsmaßnahmen bei ihrem Kundenservice (Deutsche Telekom Kundenservice GmbH, DTKS). Der Gesamtbetriebsrat der DTKS legte daraufhin das Eckpunktepapier „Zukunftsperspektive des Kundenservice in der DTKS“ vor – es enthält Anstöße zu Beschäftigungsperspektiven, Standortsicherheit, Qualifizierung und Grundsätzen für gesunde Führung. In verschiedenen Betriebsvereinbarungen und Regelungen mit ver.di wurden Beschäftigtenzahlen, Neueinstellungen und die Übernahme von Auszubildenden festgeschrieben.

3. Betriebsrat der "Klinikum Esslingen GmbH"

Wegen Verlusten und Überschuldung wollte die Stadt Esslingen einen privaten Käufer für das städtische Klinikum finden. Die Klinik, die seit über 150 Jahren in kommunaler Hand ist und für deren Beschäftigte der TVöD gilt, sollte verkauft oder teilverkauft werden. Der Betriebsrat des Klinikum Esslingen GmbH wurde aktiv, weil im Zuge dessen der Ausstieg aus dem TVöD drohte. Schließlich überzeugte der BR den Gemeinderat von seiner finanziellen und sozialen Verantwortung – das Klinikum bleibt zu 100 Prozent in öffentlicher Hand, der Tarifvertrag gilt weiter und alle Arbeitsplätze blieben erhalten.

4. Betriebsrat der Marquardt GmbH

Das Unternehmen, ein Zulieferer für die Auto- und Elektroindustrie, konfrontierte die Beschäftigten mit Plänen, den Standort zu verlagern und Stellen in Deutschland abzubauen. Für die Beschäftigten entstand große Unsicherheit – verstärkt durch zunehmenden Kostendruck und eine verschärfte Wettbewerbssituation. Schließlich scheiterten 2013 die Verhandlungen für einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung. Der Betriebsrat der Marquardt GmbH in Rietheim-Weilheim entwickelte daraufhin ein Konzept zur Beschäftigungs- und Standortsicherung, leistete Überzeugungsarbeit in den Verhandlungsrunden und band die Beschäftigten intensiv in den Entscheidungsprozess ein. Ergebnis ist ein Paket, mit dem die Arbeitsplätze in Deutschland gerettet und die Weichen für die Neuasurichtung der Standorte gestellt wurden.

5. Betriebsrat der Roche Diagnostics GmbH

Um Geld zu sparen, wurde von Unternehmensseite entschieden, die operativen Logistikfunktionen auszulagern. Der externe Dienstleister konnte die Leistungen durch Tarifunterschiede deutlich günstiger anbieten – es bestand akute Gefahr für weitere Logistik-Arbeitsplätze. Der Betriebsrat der Roche Diagnostics GmbH in Mannheim wurde aktiv, um die Logistig im Roche-Konzern zu halten. Mit Erfolg: die Betriebsvereinbarung „Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Logistik“ garantiert den Erhalt der operativen Logistik bis Ende 2020. Im gleichen Zeitraum sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

6. Betriebsrat der Daimler AG

Eine innovative Beteiligungskampagne hat der Betriebsrat der Daimler AG in Stuttgart durchgeführt. Das Ergebnis soll eine bedarfsorientierte Gesamtbetriebsvereinbarung zu Mobilem Arbeiten sein. Online und in Workshops konnten die Beschäftigten angeben, wo sie Regelungsbedarf sehen. – Das Projekt soll eine Richtschnur für künftiges betriebspolitisches Handeln sein. Projektträger sind Daimler, Gesamtbetriebsrat und IG Metall, das Fraunhofer-Institut begleitet das Projekt wissenschaftlich.

7. Europäischer Betriebsrat der DB AG

Als die Deutsche Bahn AG plante, die Buchhaltungsaktivitäten für ganz Europa an einem Ort in Mittel- oder Osteuropa zu konzentrieren, ging der Europäische Betriebsrat der DB AG in die Offensive. In den folgenden Verhandlungen trafen der EBR und die Leitung der DB eine europaweit geltende Vereinbarung – die auch für das neu errichtete „Global Accounting Shared Service Center“ in Bukarest gelten wird. Diese garantiert Schutzrechte für die Beschäftigten vor Ort und einheitliche, europaweite Standards, falls Arbeitsplätze verlagert werden.

8. Gesamtbetriebsrat der Evonik Industries AG

Im Rahmen des Demografie-Tarifvertrags der IG BCE wurde die Situation im Gesamtbetriebsrat der Evonik Industries AG in Essen analysiert. Das Ergebnis: die Hälfte der Mitglieder scheidet bis 2018 aus, darunter auch die Vorsitzende und zahlreiche Mitglieder des Gesamtbetriebsratsausschusses (GBA) und des Aufsichtsrates. Um auch nach 2018 ein starkes, demografiefestes Gremium der Interessenvertretung zu haben, entwickelte der GBA ein Konzept. In Kooperation mit dem GBR wurden bereits erste Wechsel vollzogen und der weitere Ablauf bis 2018 fest verabredet, um dann ein „neues“, aber auch schon eingearbeitetes Gremium zu haben.

9. Betriebsrat der N-ERGIE AG

„Zukunft.Zeit.Zusammenarbeit“ heißt das erfolgreiche Projekt des Betriebsrats der N-ERGIE AG, Nürnberg. Um den künftigen Personalbedarf des Stromanbieters zu sichern, bildete sich eine Gruppe aus Betriebsrat und Personalabteilung. Mit neuen Zeitmodellen und einer strukturierten Zukunftsplanung soll dem Fachkräftemangel und demografischen Wandel begegnet werden. Die Beschäftigten konnten an einer Befragung teilnehmen und sich so am Prozess beteiligen. Schließlich vereinbarte das Gremium, die Ausbildungszahlen zu erhöhen, ein neues Übernahmekonzept anzuwenden, einen Talent-Pool zu schaffen und neue Zeitmodelle einzuführen – darunter Teilzeitmodelle, Langzeitkonten und Sabbatvereinbarungen. Auch eine Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“ wurde beschlossen.

10. Betriebsrat der Leben mit Behinderung Sozialeinrichtungen gGmbH (LmBH)

Die Leben mit Behinderung Sozialeinrichtungen gGmbH (LmBH) erbringt Assistenz- und Beratungsleistungen für Menschen mit Behinderung. Als der Arbeitgeber umfassende Umstrukturierungen plante, setzte der Betriebsrat der LmBH das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz ganz oben auf die Agenda. Es folgten umfangreiche Verhandlungen bis hin zur Einigungsstelle. Am Ende steht ein Erfolg: Das Projekt „Der rote Faden des Gesundheitsschutzes“ wurde umgesetzt – es beinhaltet verschiedene Betriebsvereinbarungen zu Beteiligung, Arbeitsschutz und Betrieblichem Eingliederungsmanagement. Zusätzlich wurden neue Stellen geschaffen und der Gesundheitsschutz verbessert.

11. Betriebsrat der Prosegur GmbH

Geregelte und bezahlte Pausenkorridore für die MitarbeiterInnen, das war das Ziel des Projekts des Betriebsrats der Prosegur GmbH. Das Gremium bildete mit VertreterInnen aus Gewerkschaft und Amt für Arbeitsschutz sowie Rechtsanwälten und Vorgesetzten eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Am Ende stand eine für die Geldtransportbranche beispiellose Vereinbarung: Nicht nur die Geldtransporteure, sondern auch die KollegInnen im Innendienst, bekommen ihre Pausen nun bezahlt.

12. Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Robert Bosch GmbH

Beschäftigte aus Produktion, Verwaltung, Entwicklung und Forschung klagten zunehmend über psychisch krankmachende Belastungen. Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Robert Bosch GmbH hatten das Thema „Psychische Gesundheit“ bereits 2001 aufgegriffen. Mit dem neuen Arbeitsschutzgesetz, das zum 1. Januar 2014 in Kraft trat, konnte der GBR eine Gesamtbetriebsvereinbarung „Psychische Gesundheit“ mit Nachdruck einfordern. Die aufeinander aufbauenden Vereinbarungen „Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung“ und „Psychische Belastung“ führten zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Unternehmen.

13. GBR und EBR von Solvay

Ein weltweites System zur Leistungsbeteiligung etablieren – das wollten der Gesamtbetriebsrat und der Europäische Betriebsrat des Chemieunternehmens Solvay. Für außertariflich Angestellte gab es bereits einen leistungsabhängigen Bonus, für TarifmitarbeiterInnen gab es hingegen nur in Frankreich auf gesetzlicher Basis ein Beteiligungssystem. Ziel des Projekts war es, für alle MitarbeiterInnen weltweit eine Leistungsbeteiligung in Form von Geld zu erreichen. Der GBR platzierte das Thema über den EBR bei der Geschäftsführung in Brüssel. Der EBR verhandelte erfolgreich ein solches System der Leistungsbeteiligung – das „Solvay Global Performance Sharing Programm“.

14. Konzernbetriebsrat der thyssenkrupp AG

Der Konzernbetriebsrat der thyssenkrupp AG wurde aktiv, um Menschen- und Arbeitsrechte für alle Beschäftigten im Konzern zu sichern. Der bestehende Code of Conduct war aus Sicht des KBR unzureichend und bot keinen Handlungsspielraum für die Mitbestimmung. Im März 2015 wurden daraufhin das Internationale Rahmenabkommen zur Mitbestimmung und ein dazugehöriges Meldesystem geschlossen. Das Gremium sieht das Abkommen – und insbesondere die Möglichkeit der Beschäftigten, Verstöße dagegen zu melden – als wichtigen Schritt, um auch über die Grenzen der Mitbestimmung hinaus die Rechte aller Beschäftigten zu sichern.

Zum Deutschen Betriebsräte-Preis 2016


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