Deutscher Gewerkschaftsbund

14.09.2017
Europäische Union

DGB unterstützt tschechische Kampagne für höhere Löhne

Die Löhne und Lebensverhältnisse in der Europäischen Union müssen Schritt-für-Schritt nach oben angeglichen werden. Das forderte DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann am Donnerstag vor 1500 Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern beim "End of Cheap Labour"-Treffen des tschechischen Gewerkschaftsbundes ČMKOS. ČMKOS (deutsch: Böhmisch-mährische Gewerkschaftskonföderation) kämpft mit der Kampage erfolgreich gegen das niedrige Lohnniveau in Tschechien.

Reiner Hoffmann (DGB) und Josef Středula (ČMKOS)

"End of Cheap Labour Meeting" des tschechischen Gewerkschaftsbundes ČMKOS in Prag: Vorsitzender Josef Středula (re.) (ČMKOS) im Gespräch mit dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann vor 1500 Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern. DGB

2015 startete ČMKOS mit der „End of cheap labour“-Kampagne den Kampf gegen das niedrige Lohnniveau in der Tschechischen Republik. Mit der Kampagne unterstützt der Gewerkschaftsbund die tschechischen Gewerkschaften in ihren Forderungen nach tariflichen Lohnerhöhungen. Die Kampagne will zudem die Öffentlichkeit für die Ursache der tschechischen Wirtschaftschwäche sensiblisieren - diese sei eine direkte Folge des niedrigen Lohnniveaus.

Löhne gestiegen, Mitgliederschwund gestoppt

Inzwischen trägt die Kampagne erste Früchte. "Eure Löhne sind letztes Jahr so stark gestiegen wie in den letzten zehn Jahren nicht", beglückwünschte Reiner Hoffmann die tschechischen Kollegen in Prag und bekräftigte "Wir unterstützen eure Kampagne aus vollem Herzen und stehen solidarisch an eurer Seite!" Nicht zuletzt sei wegen der Kampagne der Mitgliederschwund in den tschechischen Gewerkschaften gestoppt worden, so der DGB-Vorsitzende.

Lohnniveau in der ganzen EU muss steigen

Doch für Hoffmann ist auch klar: "Die Binnennachfrage muss in Tschechien, Deutschland und ganz Europa angekurbelt werden." Es sei Zeit für eine allgemeine Erhöhung der Löhne der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, um das zu erreichen. Denn in allen EU-Ländern seien die Verdienste in den letzten Jahren hinter der Produktivität zurückgeblieben bei gleichzeitig gestiegenen Lebenshaltungskosten. "Wenn aber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger ausgeben können, leidet auch die Wirtschaft", erklärte der DGB-Vorsitzende.

Europa droht auseinanderzubrechen

Hoffmann warnte vor der Gefahren für die Europäische Union durch Steuer-, Lohn- und Sozialdumping. Das sei "ein wesentlicher Grund, warum Europa auseinanderzubrechen droht. Durch die teils enormen Lohnunterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten und dem Fehlen einer harmonisierten Lohnuntergrenze stehen die Beschäftigten im Binnenmarkt unter extremen Wettbewerbsdruck."

Nur ein soziales Europa habe Zukunft, sagte der DGB-Vorsitzende. Eine starke soziale Dimension der EU müsse auch die Antwort auf die Digitalisierung sein, die vor Ländergrenzen keinen Halt mache. "Ohne sichere Arbeitsbedingungen", so Hoffmann, "ohne vernünftigen Lohn, ohne Schutz vor ausbeuterischen Arbeitszeiten gehen die Beschäftigten kaputt!"


Der Deutsche Gewerkschaftsbund und ČMKOS unterstützen die „Pay Rise“-Kampagne des Europäischen Gewerkschaftsbundes.


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