Deutscher Gewerkschaftsbund

25.02.2014

WSI-Verteilungsbilanz: Reallöhne seit 2000 um 0,7 Prozent gesunken, Tariflöhne gestiegen

Beschäftigte verdienen heute weniger als noch zur Jahrtausendwende: Seit dem Jahr 2000 sind die Löhne in Deutschland preisbereinigt um 0,7 Prozent gesunken. Stärker entwickelt haben sich dagegen die Tariflöhne sowie die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen. Das zeigt die aktuelle Verteilungsbilanz des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung.

Verantwortlich für die Lohneinbußen sind laut WSI vor allem schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung am Arbeitsmarkt. So verstärkten die Hartz-Reformen den Druck auf die Verdienste und der Niedriglohnsektor ist in den vergangenen 13 Jahren stark gewachsen.

Die Tariflöhne und –gehälter stiegen im gleichen Zeitraum dagegen um real 8,2 Prozent. In den meisten Jahren zwischen 2000 und 2013 beobachteten die Experten des WSI-Tarifarchivs eine negative Lohndrift. Das heißt: Die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer einfließen, blieben hinter den Tarifeinkommen zurück. „Das Tarifsystem war in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Jedoch nahm der Einfluss der Tarifeinkommen im gleichen Zeitraum weiter ab. Immer mehr Unternehmen entzogen sich der Tarifbindung oder nutzten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten tarifliche Öffnungsklauseln. Zudem wurden übertarifliche Einkommensbestandteile abgebaut, der Niedriglohnsektor, Teilzeit- und Minijobs nahmen zu.

Insgesamt wuchsen die nominalen Arbeitseinkommen seit der Jahrtausendwende um knapp 28 Prozent. Mit dem Zuwachs der Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen können sie nicht mithalten. Sie legten im gleichen Zeitraum, so das WSI, um rund 62 Prozent zu – trotz eines zwischenzeitlichen Einbruchs in der Wirtschaftskrise 2009.

Grafik Entwicklung Tariflöhne - Bruttolöhne seit 2000

WSI Tarifarchiv

Weitere Infos: WSI-Tarifarchiv


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Tendenz steigend: Arm trotz Arbeit
Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Union verspricht ihren Wählern Vollbeschäftigung - doch immer mehr Menschen können von ihrer Erwerbsarbeit kaum leben, sind trotz Job von Armut bedroht. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat sich ihre Zahl von 2004 bis 2014 mehr als verdoppelt. Wie passt das zusammen? weiterlesen …
Artikel
2017: Der Mindestlohn steigt
Der allgemeine Mindestlohn wird zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro brutto pro Stunde erhöht - damit steigt er zum ersten Mal seit der Einführung vor zweit Jahren. Auf dem Arbeitsmarkt sorgte der Mindestlohn für mehr Gerechtigkeit, zusammen mit guten Lohnabschlüssen steigerte er die Binnennachfrage und das Wirtschaftswachstum, so die Bilanz des DGB klartext. weiterlesen …
Artikel
Fakten statt Zerrbilder? "Die Arbeitgeber" im DGB-Faktencheck
Unter dem Titel "Fakten statt Zerrbilder. Die Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt" hat die BDA - die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände - ihre Sicht auf den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Der DGB hat die Thesen der Arbeitgeber einem Faktencheck unterzogen - und kritisiert unter anderem das Lob auf die Agenda 2010. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten