Deutscher Gewerkschaftsbund

12.06.2012
ITUC GLOBAL POLL 2012

Globale IGB-Umfrage: Weltweit überwiegt die Angst vor der Zukunft

Menschen misstrauen wirtschaftlichen Entscheidungsträgern

Unsicherheit, Angst und das Gefühl politischer Ohnmacht: Ein Großteil der Beschäftigten weltweit blickt pessimistisch in die Zukunft. Das geht aus der ersten weltweiten repräsentative Umfrage hervor, die im Auftrag des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) im Mai 2012 in 13 Länder durchgeführt wurde. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Befragt wurden erwachsene Personen in Belgien, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Indonesien, Japan, Mexiko, Südafrika, Großbritannien und den USA. Damit spiegelt die Umfrage die Meinung von mehr als 1,4 Milliarden Menschen wider, das sind rund 20 Prozent der Weltbevölkerung. 14 Prozent der Befragten sind Gewerkschaftsmitglieder.

Tortengrafik: 58 % Meine Landwegt sich in die falsche Richtung, 38 %: Die Richtung stimmt.

Gefragt wurde "Würden Sie sagen, dass sich Ihr Land in die richtige oder falsche Richtung bewegt?". Die Mehrheit sieht ihren Staat auf dem falschen Kurs. ITUC Global Poll 2012

Die Ergebnisse
  • 58 Prozent der Befragten glauben, dass sich ihr Land in die falsche Richtung bewegt.
  • 66 Prozent glauben, dass es künftige Generationen schlechter haben werden.
  • 67 Prozent glauben, dass internationale Banken und Finanzinstitutionen zu viel Einfluss auf die wirtschaftlichen Entscheidungen der Regierungen haben.
  • 67 Prozent glauben nicht, dass die Wähler genügend Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen haben.

Vor die Wahl gestellt, wünschen sich 66 Prozent der Menschen staatliche Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Förderung des Wirtschaftswachstums. Nur 24 Prozent möchten öffentliche Schulden dadurch abbauen, dass die Ausgaben der öffentlichen Hand gesenkt werden.

Ein weiteres Ergebnis: Familieneinkommen und Arbeitsplätze werden zunehmend unsicherer:

  • Ein Siebtel der Befragten sind arbeitende Arme ("working poor"), deren Einkommen selbst für den Grundbedarf des täglichen Lebens wie Wohnung, Lebensmittel und Strom nicht ausreicht.
  • 58 Prozent der Menschen geben an, dass ihr Einkommen mit den Lebenshaltungskosten nicht mehr Schritt halten kann.
  • Der Arbeitsplatz ist heute unsicherer als noch vor zwei Jahren, sagt jeder Dritte.

Die Umfrage zeigt: Die Mehrheit lehnt die strikte Sparpolitik einiger Regierungen ab. Hingegen  werden Investitionen in Arbeitsplätze und Infrastruktur deutlich befürwortet.

Ein klares Meinungsbild zeigt sich bei der Frage nach den Verursachern der globalen Finanzkrise. Ebenso deutlich sind die Meinungen, wenn es darum geht, wer die Kosten für die Fehler von Regierungen, Banken und Finanzindustrie bezahlen muss:

  • 78 Prozent glauben, dass internationale Banken und Finanzinstitutionen mehr für die globale Finanzkrise bezahlen sollten.
  • 45 Prozent glauben, dass kleine Unternehmen weniger für die Finanzkrise bezahlen sollten.
  • 50 Prozent  glauben, dass die Beschäftigten weniger für die Krisenbewältigung zahlen sollten.

Erstmals wurde in den 13 Ländern zudem erfragt, was die Bevölkerung von grundlegenden Arbeitsgesetzen hält:

  • 70 Prozent halten den gesetzlichen Schutz zur Arbeitsplatzsicherung nicht für ausreichend.
  • 89 Prozent sind für das Recht auf einen Gewerkschaftsbeitritt.
  • 86 Prozent sind für das Recht auf Tarifverhandlungen.

Die internationalen Gewerkschaften stellen die Ergebnisse den Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel am 18. und 19. Juni im mexikanischen Los Cabos vor.


Die Umfrage zum Download
Weltweite Umfrage des IGB 2012 (PDF, 993 kB)

SCHLUSSBERICHT - UMFRAGE IN 13 LÄNDERN

ITUC Global Poll 2012 (PDF, 577 kB)

Final Report - 13 Country Poll. (englisch)


Die Umfrage auf der Webseite des Internationalen Gewerkschaftsbundes


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