Deutscher Gewerkschaftsbund

07.12.2010

DGB-Chef: Soziale Spaltung in der Schule nicht überwunden

Heute vor zehn Jahren wurden erstmals international Schulleistungen mittels des PISA-Testverfahrens untersucht. Unterdurchschnittliche Leistungen in Mathematik, Sprache und Naturwissenschaften wurden damals den 15-Jährigen attestiert. Neue Ergebnisse lassen auf eine Besserung schließen. Dennoch ist Deutschland "meilenweit von einer Bildungsrepublik entfernt", sagt DGB-Vorsitzender Michael Sommer.

Die deutschen Schulen sind seit dem ersten PISA-Test vor zehn Jahren etwas besser geworden. In Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern erzielen 15-jährige Schüler hierzulande jetzt Leistungen oberhalb des Durchschnitts der 34 wichtigsten Industrienationen der Welt. Das Lesen und Verstehen von Texten fällt jedoch weiterhin schwer. Dies zeigt der neue PISA-Schultest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

DGB-Chef Michael Sommer sieht Deutschland "noch meilenweit von einer Bildungsrepublik entfernt". "Leichte Verbesserungen sind zu begrüßen, aber wahrlich kein Grund für Euphorie und Entwarnung", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Sonntag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Soziale Spaltung im Bildungssystem größtes Problem

Die soziale Spaltung im deutschen Bildungssystems sei "nach wie vor das größte Problem unser Bildungspolitik", betonte Sommer. In kaum einem anderen Industrieland sei die soziale Selektion in der Schule so hoch wie in Deutschland. "Es ist eine Schande, dass nicht die Begabung und das Können eines Kindes entscheidet, welche Chancen es im Leben hat, sondern Herkunft und Einkommen der Eltern."

In den vergangenen zehn Jahren habe es viele "hektische Reformen und ein unkoordiniertes Klein-Klein gegeben", kritisierte Sommer. Statt mehr Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern sei im Grundgesetz "das unsinnige Kooperationsverbot" verankert worden. Zugleich behindere die neue Schuldengrenze in den Ländern wichtige Investitionen in Bildung. Deutschland brauche aber eine flächendeckende Bildungsstrategie.

"Wenn in diesem Land über Fachkräftemangel geredet wird, dann erwarten die Gewerkschaften, dass alle jungen Menschen in unserem Land eine Chance bekommen. Dazu brauchen wir gute Kitas und Schulen mit qualifizierten Lehrern - und nicht - wie jetzt in Hessen erwogen - Leiharbeiter als Pädagogen", führte der DGB-Chef weiter aus.

 

 


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