Deutscher Gewerkschaftsbund

2. IGB-Weltkongress und G20-Gipfel 2010

15.06.2010

Botschaft an G-20-Regierungen: Arbeitsplätze schaffen - jetzt!

Ende Juni  treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten zu ihrem Gipfeltreffen in Ontario. IGB und TUAC stellten jetzt in Genf die Konzepte vor, mit denen die Gewerkschaften der G-20-Länder die Rezession der globalen Wirtschaft überwinden wollen.

Die Gewerkschaften warnen seit längerem die Regierungen der G-20, in der jetzigen Situation in alte Politikmuster zurückzufallen. Denn die Risiken für Wirtschaft und Beschäftigung  sind hoch - nicht nur in dem reichsten Wirtschaftsnationen.

Wie die Rezession der globalen Wirtschaft überwunden werden können, dazu haben die Gewerkschaften der G-20-Staaten Positionen und Konzepte entwickelt. Sie wollen eine auf Beschäftigung zentrierte nachhaltige Wirtschafts-, Finanz-, und Sozialpolitik.

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und das Gewerkschaftliche Beratungskomitee  (TUAC) stellten diese Konzepte jetzt in Genf vor. Der DGB-Vorsitzende und IGB-Vizepräsident Michael Sommer, James Howard, Direktor für Wirtschafts- und Sozialpolitik des IGB und TUAC-Generalsekretär John Evans erläuterten die Alternativen der Gewerkschaften.

Die Gewerkschaften rufen die führenden G-20-Politiker dazu auf:

  • Anreize zu schaffen, die sich auf Arbeitsplätze und Wachstum konzentrieren und Maßnahmen unterstützen zur Platzierung eines nachhaltigen Arbeitsmarktmodells auf der Grundlage von menschenwürdiger Arbeit im Mittelpunkt des politischen Rahmenwerks für die Phase nach der Krise ;
  • zum Beenden spekulativer Angriffe auf Währungen und zur Schaffung einer fairen Besteuerung einschließlich der Einführung einer Transaktionssteuer (FTS), die spekulatives Verhalten eindämmt, und hilft, die Kosten der Krise und anderer öffentlicher Güter zu tragen;
  • Reform der Finanzsysteme durch koordiniertes Handeln auf G-20-Ebene, um den Teufelskreis eines nicht-reformierten Finanzsystems zu durchbrechen, durch den die Entscheidungen von Regierungen angetrieben und gleichzeitig die Unbeständigkeit des Systems beibehalten werden, welche mittelfristig die nächste Krise auslösen könnte.
  • Sicherzustellen, dass die Klimapolitik einen „Gerechten Wandel“ beinhaltet: und Investitionen in grüne, arbeitsmarktintensive Infrastruktur, Entwicklung von Qualifikationen, Bereitstellung von sozialem Schutz und Unterstützung von sozialem Dialog.
  • zum Aufbau eines neuen Paradigmas für globales Regierungshandeln auf der Grundlage von Vollbeschäftigung und Bildung einer ständigen G-20-Arbeitsgruppe für Beschäftigung, an der die Sozialpartner beteiligt sind, Unterstützung der Teilnahme der Sozialpartner an allen G-20-Gipfeln und Konsultation mit dem Forum für Finanzstabilität (Financial Stability Board, FSB); Beauftragung der IAO mit der Zusammenstellung der beschäftigungsbezogenen Teile des G-20-Rahmenprogramms für starkes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum und Umsetzung der neuen Erklärung über Redlichkeit, Integrität und Transparenz in internationalen Geschäfts- und Finanztransaktionen.

Die Gewerkschaften fordern die Staats- und Regierungschefs der G-8 insbesondere auf:

  • zur Erfüllung der eingegangenen Hilfeverpflichtung und Unterstützung der UN-Milleniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals MDG) durch Einigung auf einen Aktionsplan zur Erreichung der MDG zusammen mit einem Rahmen zur Überwachung der Einhaltung von Zusagen; Investition in öffentliche Versorgungsbetriebe; Behandlung der menschenwürdigen Arbeit als Kernstück von Entwicklungsstrategien sowie Förderung der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit von Frauen;
  • HIV und AIDS: Veröffentlichung eines Plans im Vorfeld des MDG-Gipfels im September 2010 zur Einhaltung der Zusagen zum allgemeinen Zugang zur HIV- und AIDS-Prävention, -behandlung, -pflege und -unterstützung; Stärkung von arbeitplatzbezogenen Peer-Education-Programmen und Aufstockung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria;
  • Bildung: Bevollmächtigung eines hochrangigen Multi-Stakeholder-Ausschusses zur Erarbeitung von Empfehlungen für die Initiative Bildung für Alle (Edudcation for ALL - EFA); Entwicklung eines funktionierenden Berufsschulwesens und von Berufsausbildungen; Durchführen eines G-20-Ministertreffens der Schlüsselressorts zu diesem Thema im Jahr 2011 und Aufbau einer globalen Partnerschaft für Lehrerausbildung.
  • Sozialer Schutz: Umsetzung des „Social Protection Floor” der IAO (Internationale Arbeitsorganisation) durch Bildung eines Sozialschutzfonds sowie Sicherstellen, dass Schwellen- und Entwicklungsländer sowohl die Ressourcen als auch den politischen Spielraum für seine Umsetzung haben.


Vorheriger Artikel Nächster Artikel Übersicht Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Datei
DGB-Stellungnahme zum Grünbuch der EU-Kommission über die Machbarkeit von Stabilitätsbonds ("Eurobonds")
Stellungnahme des DGB zum Grünbuch der EU-Kommission zur Machbarkeit von Stabilitätsbonds ("Eurobonds"), "Green Paper on the feasibility of Stability Bonds", 6. Januar 2012. Der DGB sieht gemeinsame Staatsanleihen als "logische Folge einer zusammenwachsenden Europäischen Union".
zum Artikel
Datei
Für einen neuen europäischen Sozialvertrag
Die Vorsitzenden und Generalsekretäre der Europäischen Gewerkschaftsdachverbände CCOO, l’UGT, DGB, CGIL, CGT, CFDT, FGTB CSC haben am 8. Dezember 2011 die folgende gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin setzen sie sich für eine allgemeine Klausel über den sozialen Fortschritt ein, durch die ein „sozialer Rettungsplan“ aufgestellt wird und die Europa auf den Weg des sozialen Fortschritts bringt.
zum Artikel
Pressemeldung
Vier-Punkte-Programm für einen Kurswechsel in Europa
Zur Überwindung der Euro-Krise hat der DGB ein Vier-Punkte-Programm vorgelegt. In dem Beschluss des DGB- Bundesvorstandes fordern die Gewerkschaften, die EZB zu einem Stabilitäts- und Rettungsanker umzugestalten, für eine verteilungsgerechte Fiskalpolitik zu sorgen, die Finanzmärkte wirksam zu regulieren und ein von Vermögenden finanziertes Zukunftsprogramm aufzulegen.
zum Artikel

Zuletzt besuchte Seiten

close