DGB/Wittrin(Best-Sabel)
Am 15. September 2008 wird der ganzen Welt bewusst: Die Kettenreaktion auf den Finanzmärkten wird wohl nicht mehr aufzuhalten sein. Am „schwarzen Montag“ meldet die US-Investmentbank Lehman Brothers über Nacht Insolvenz an. In den kommenden Monaten vergeht kein Tag ohne neue Pleiten oder Beinahe-Pleiten.
Die Bundesregierung sieht sich sogar gezwungen, offiziell für die Spareinlagen der Deutschen bei ihren Banken symbolisch zu bürgen. Weltweit werden Billionen in Bankenrettungsschirme gesteckt – und auch in Deutschland müssen Banken staatliche Hilfe beantragen.
Die US-Regierung übernimmt die Kontrolle bei den beiden größten US-Bau- und Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac.
Mit dem „schwarze Montag“ beginnen an der Wallstreet die turbulentesten Wochen der Finanzkrise. Lehman Brothers, die viertgrößte US-Investmentbank, meldet Insolvenz an. Am gleichen Tag wird die Bank Merrill Lynch, die mit dem weltgrößten Anlageverwalter BlackRock verbunden ist, von der Bank of America übernommen.
AIG, zweitgrößter Versicherungskonzern und Finanzdienstleister weltweit, wird von der US-Regierung gerettet. Bis November 2008 fließen staatliche Hilfen von über 150 Milliarden US-Dollar – die größte Staatshilfe für ein einzelnes Privatunternehmen in der Geschichte der USA. Die US-Regierung übernimmt die Konzernmehrheit bei AIG.
Die beiden letzten verbliebenen US-Investmentbanken, Goldman Sachs und Morgan Stanley, werden zwangsweise in normale Geschäftsbanken umgewandelt und der Aufsicht der US-Notenbank unterstellt. Damit ist das gesamte US-Investmentbanksystem in Insolvenz, verstaatlicht oder unter staatlicher Kontrolle.
Die sechstgrößte Bank der USA und größte US-Privatkundenbank, Washington Mutual, bricht zusammen und wird in Teilen von JPMorgan Chase übernommen.
Die Finanzkrise erreicht endgültig Deutschland: Die Hypo Real Estate (HRE) kann im letzten Moment mit staatlichen Bürgschaften von 35 Milliarden Euro gerettet werden. Der Immobilien- und Hypothekenfinanzierer war die erste deutsche Bank, die im großen Stil mit „Non-performing Loans“, also „faulen Krediten“ gehandelt hatte: Sie hatte Kredite, bei denen ein Zahlungsausfall wahrscheinlich war, an an Private-Equity-Fonds verkauft – allein 3,6 Millarden Euro fauler Kredite wurden an „Lone Star“ abgestoßen.
Der irische Staat rettet die sechs größten Banken des Landes mit Bürgschaften in Höhe von 400 Milliarden Euro.
Die US-Regierung stellt 700 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, mit denen den Finanzinstituten ihre „Non-performing Loans“ („faule Kredite“) abgekauft werden sollen – beispielsweise die, die US-Banken der deutschen Hypo Real Estate abgekauft hatten.
Die Bundesrepublik Deutschland bürgt mit weiteren 50 Milliarden Euro für die Hypo Real Estate.
Island ist praktisch bankrott und nimmt das gesamte Bankgewerbe unter staatliche Kontrolle.
In Deutschland wird das Finanzmarktstabilisierungsgesetz beschlossen. Kern des Gesetzes ist ein staatlicher Bankenrettungsfonds über 480 Milliarden Euro.
Die BayernLB nimmt als erste Bank Mittel aus dem deutschen Bankenrettungsfonds in Anspruch.
Die Hypo Real Estate nimmt – nach staatlichen Bürgschaften in Höhe von 85 Milliarden Euro – 50 Milliarden Euro aus dem deutschen Bankenrettungsfonds in Anspruch.
Die KfW Bankengruppe verkauft ihre Anteile an der 2007 geretteten IKB Deutsche Industriebank (90,8 Prozent) an den Finanzinvestor Lone Star. Lone Star war auch der größte Käufer der „faulen Kredite“ der Hypo Real Estate.
Ungarn steht vor dem Staatsbankrott. EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und die Weltbank stützen das Land mit 20 Milliarden Euro.
Drei weitere große deutsche Banken nehmen den Bankenrettungsfonds in Anspruch: die Commerzbank, die WestLB und die HSH Nordbank.
Deutschland beschließt ein erstes Konjunkturpaket (Konjunkturpaket I) in Höhe von 12 Milliarden Euro.
Der G20-Gipfel in Washington beschäftigt sich mit der Finanzkrise und diskutiert erste Konsequenzen für die Finanzmärkte – entschieden wird noch nichts.
Die Landesbank Baden-Württemberg muss von ihren Eigentümern (dem Land Baden-Württemberg, den baden-württembergischen Sparkassen und der Stadt Stuttgart) mit fünf Milliarden Euro gestützt werden.
Die chinesische Regierung legt ein Konjunkturprogramm in Höhe von 1,2 Billionen (1.200 Milliarden) Euro auf.
Die BayernLB muss vom Freistaat Bayern mit zehn Milliarden Euro gestützt werden.