Deutscher Gewerkschaftsbund

21.08.2015
klartext 33/2015

Außenhandel: Yuan-Abwertung kein Grund zur Panik

Container im Hafen

DGB/Simone M. Neumann

Die jüngste Abwertung des Yuan macht chinesische Exporte billiger und nach China importierte Waren verteuern sich. Doch das sollte die deutschen Exporteure nicht in Panik versetzen, meint der DGB-klartext. Ein schwächelndes Wachstum in China würde hiesige Unternehmen viel stärker treffen.

„China schockt erneut die Märkte – Zweite Yuan-Abwertung in Folge“  – Zeitungstitel wie dieser verbreiteten in den vergangenen Tagen Alarmstimmung. Während moderate Kommentatoren grübelten, ob nun ein für alle Volkswirtschaften schädlicher Abwertungswettlauf beginne, sprachen andere bereits von einem „Währungskrieg“. Für den Milliardär Donald Trump, derzeit Scharfmacher Nr. 1 im US-Präsidentschaftswahlkampf, stand das Urteil über China fest. In einem Interview sagte er: „Sie zerstören uns!“ Was war geschehen?

Grafik Wechselkurse (2010-2015)

Die jüngste Abwertung des Yuan fällt im Vergleich zur Euro-Abwertung gegenüber der chinesischen Währung im vergangenen Jahr gering aus. Quelle: finanzen.net; eigene Darstellung

Vor dem Hintergrund unbefriedigender Wachstumsraten setzte die chinesische Zentralbank PBoC binnen drei Tagen den Kurs des Yuan zum US-Dollar um 3,5 Prozent herab. Durch diese stärkste Abwertung seit 20 Jahren werden chinesische Exportwaren billiger und nach China importierte Waren verteuern sich.

Euro-Abwertung gegenüber dem Yuan um rund 20 Prozent

Ein Grund für das Handeln der PBoC war, dass schon seit längerer Zeit die Währungen anderer großer Wirtschaftsregionen erheblich an Wert verloren und dadurch Chinas Exporte verteuert haben. Dieser Trend ist vor allem der falschen Wirtschaftspolitik in diesen Regionen geschuldet. So hat Japan durch drastische Mehrwertsteuererhöhungen die Binnennachfrage stark geschwächt. Die EU hat sich einen mannigfaltigen Schrumpfungskurs verordnet. Alleine im vergangenen Jahr wertete hierdurch der Euro gegenüber dem Yuan um rund 20 Prozent ab. Die jüngste Abwertung des Yuan fällt im Vergleich dazu äußerst gering aus. Entsprechend ist die Abwertung auch kein Grund zur Panik für deutsche Exporteure. Ein schwächelndes Wachstum in China würde hiesige Unternehmen viel deutlicher treffen.

Deutsche Binnennachfrage muss gestärkt werden

Dennoch: Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen in Folge der Abwertung zeigen, wie leichtsinnig eine wirtschaftspolitische Strategie ist, die allein auf Exporterfolge setzt. Die deutsche Politik muss deshalb die Binnennachfrage weiter stärken. Das würde Wirtschaft und Arbeitsplätze besser vor globalen Krisen schützen.

Gute Tarifabschlüsse und der Mindestlohn stabilisieren Konsumnachfrage

Gute Lohnabschlüsse und der Mindestlohn haben die Konsumnachfrage zuletzt stabilisiert. Darauf muss jetzt aufgebaut werden. Die Beschäftigten hierzulande brauchen weiter steigende Einkommen, um sich selbst mehr Güter leisten zu können. Auch der Staat kann die Binnennachfrage direkt ankurbeln. Konkret und aktuell heißt das beispielsweise, dass endlich mehr Geld für faire Löhne und gute Qualität im Erziehungssystem in die Hand genommen wird. Nicht nur Chinesen fahren gerne deutsche Autos. Auch manche Erzieherin könnte einen neuen VW wohl gut gebrauchen.


Nach oben

Weitere Themen

Be­triebs­rats­wahl 2018: Be­triebs­rä­te kämp­fen für Gu­te Ar­beit
DGB
Vom 1. März bis zum 31. Mai 2018 finden in ganz Deutschland Betriebsratswahlen statt. in Zehntausenden Betrieben wählen die Beschäftigten ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Betriebsrat. Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber – und sorgt für Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Link
"Bei einem Handelskrieg kann es keine Gewinner geben"
US-Präsident Donald Trump will mit Zöllen die Stahlarbeiter in den USA schützen. Das wird nicht funktionieren, sagt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell in der Frankfurter Rundschau: "Fairer Handel hat nichts mit Protektionismus oder mit Dumpingexporten zu tun. Bei beiden leiden am Ende die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." zur Webseite …
Artikel
EU-Wirtschaft: Deutschlands Rolle muss sich ändern!
Aus makroökonomischer Sicht ist Deutschlands momentane Rolle durchaus problematisch. Schließlich produziert Deutschland Jahr für Jahr viel mehr, als es verbraucht und häuft riesige Exportüberschüsse an. Die EU-Kommission fordert Deutschland zu recht auf, die öffentlichen Investitionen auf allen Ebenen auszuweiten und die Binnennachfrage zu stärken. Der DGB-klartext. weiterlesen …
Artikel
Nach TTIP: Das EU-Japan-Abkommen „JEFTA“ birgt Probleme
Nach Bekanntwerden des geheim verhandelten "JEFTA"-Abkommens zwischen der EU und Japan, werden Erinnerungen an TTIP und CETA wach. Es müsse jetzt darauf geachtet werden, dass die Verhandler aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, fordert der DGB-klartext. Die Verträge dürfen Umwelt und Beschäftigte nicht benachteiligen. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten