Deutscher Gewerkschaftsbund

10.09.2014
Einkommen

Löhne in Ostdeutschland: Im Schnitt 777 Euro weniger als im Westen

Die Löhne in Ostdeutschland gleichen sich nur sehr langsam den Löhnen in Westdeutschland an, meldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Das muss sich ändern", sagt DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. "Wir brauchen gleichen Lohn für gleiche Arbeit in Ost und West."

Grafik Lohngefälle Ost West

Die Karte des IAB zeigt es deutlich: Je blauer eine Region gefärbt ist desto niedriger ist dort der Durchschnittslohn. Ostdeutschland ist weiterhin abgehängt. Mit einem Klick auf die Grafik gelangen Sie zum kompletten IAB-Bericht zum Lohngefälle. IAB

In Ostdeutschland lag im Jahr 2012 das durchschnittliche Brutto-Monatsentgelt bei 2139 Euro, in Westdeutschland bei 2916 Euro. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Der monatliche Durchschnittslohn in Ostdeutschland liegt damit 777 Euro unter dem in Westdeutschland.

„Ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung ist das Lohngefälle zwischen den alten und neuen Bundesländern nicht mehr hinnehmbar. Ein Lohngefälle gibt es selbst dort, wo die Produktivität fast genauso hoch ist wie in den alten Bundesländern", erklärt dazu DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Dabei sei die Politik der Niedriglöhne überall gescheitert, "vor allem aber in Ostdeutschland", so Körzell.

Lohngefälle sorgt auch für soziale Schieflage

"Dem Lohngefälle folgt in der Regel eine soziale Schieflage", warnt das DGB-Vorstandsmitglied. Niedrige Löhne verursachten Altersarmut, sinkende regionale Kaufkraft und führten vielerorts zur Abwanderung gut qualifizierter junger Arbeitnehmer. "Demografische Probleme verschärfen sich und langfristig entstehen weder Chancengleichheit noch gleichen sich die Lebensbedingungen an. Vielerorts zementieren sich dauerhaft strukturschwache Regionen mit schwacher Wirtschaftskraft. Das muss sich ändern – wir brauchen gleichen Lohn für gleiche Arbeit in Ost und West."

Mindestlohn wichtiger Schritt

Der einheitliche Mindestlohn ab Januar 2015 sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Außerdem müsse "die Tarifbindung wieder gestärkt und die Beschäftigten müssen nach Tarif entlohnt werden", so Körzell. "Höhere Löhne bringen mehr Kaufkraft, ziehen verstärkt Investitionen nach sich und mobilisieren mehr Wachstumskräfte – damit können die neuen Länder sich aus eigener Kraft entwickeln und zu attraktiven Standorten werden."


 

IAB-Kurzbericht zum Lohngefälle zwischen West- und Ostdeutschland (PDF)


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