Deutscher Gewerkschaftsbund

22.04.2015
Arbeitsrecht

Amazon: BigBrotherAwards für Datenschnüffelei und Tagelöhnerei

Bei Amazon in Koblenz und Bad Hersfeld werden die Datenschutzrechte der Mitarbeiter massiv missachtet. Für seine Datenschnüffelei erhielt der Internethändler den BigBrotherAward 2015. Einen weiteren Award bekam Amazon für die Umsetzung des digitalen Tagelöhnertums. ver.di berichtet seit Jahren von Überwachung beim Onlinehändler und kämpft auch deshalb für einen Tarifvertrag.

Amazon

ver.di

Die beiden Amazon-Töchter in Bad Hersfeld und Koblenz erhielten den "Datenkraken-Preis", weil sie in ihren Arbeitsverträgen, die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten verletzen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterschreiben mit dem Arbeitsvertrag eine Klausel, dass selbst sensible Gesundheitsdaten an eine zentrale Datenbank in die USA übermittelt, dort verarbeitet und genutzt werden dürfen. Ein klarer Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz, erklärt der Verein Digitalcourage, der die BigBrotherAwards vergibt.

Zudem sollen die Beschäftigten vertraglich auf das Recht der freien Arztwahl verzichten und den Mediziner von seiner gesetzlichen Schweigepflicht entbinden. Amazon möchte die Untersuchung bei einem Arzt seiner Wahl anordnen, „wenn Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters bestehen“. Auch das ist ein klarer Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht.

Überwachung ist Teil des Systems bei Amazon

ver.di und Amazon

Mehr zu den Arbeitsbedingungen und Tarifverhandlungen bei Amazon:

ver.di Handel:  Unternehmen Amazon

ver.di Tarif: Her mit dem Tarifvertrag!

Die ver.di-Amazonblogger

Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sind die Vorwürfe keine Überraschung. Dies sei nicht der einzige Fall, in dem Amazon Arbeits- und Persönlichkeitsrechte seiner Beschäftigten missachte, sagt Stefan Najda, zuständig bei ver.di für den Online- und Versandhandel.  „Uns liegen entsprechende Arbeitsverträge auch für die Standorte Rheinberg und Leipzig vor und aufgrund der zentralisierten Unternehmensführung von Amazon gehen wir davon aus, dass das Vorgehen an allen Versandstandorten gängige Praxis ist.“ Kontrolle, Überwachung und permanenter Leistungsdruck sind laut Najda bei Amazon Teil des Systems. ver.di kämpft seit mehreren Jahren für einen Tarifvertrag bei Amazon für eine Gleichstellung mit dem Einzelhandel und gute und verlässliche Arbeitsbedingungen.

Amazon profitiert vom digitalen Tagelöhnertum

Den zweiten Award in der Kategorie Wirtschaft teilt sich Amazon mit dem Unternehmen Elance-O-Desk für die Umsetzung des digitalen Tagelöhnertums. Auf der Crowdworking-Plattform „Mechanical Turk“ (Mechanischer Türke) bietet Amazon Häppchen-Jobs an. Für Cent-Beträge können so genannte Clickworker digitale Aufträge abarbeiten. Alles was das Netz braucht, wird hier ausgeschrieben: Fotos klassifizieren, Übersetzungen anfertigen, Buchbewertungen und Youtube-Postings schreiben, aber auch komplexere Dienstleistungen wie Webdesign und Grafikgestaltung. Jobs ohne Mindestlohn, ohne Krankenversicherung, ohne Urlaubsanspruch und ohne Solidarität werden als „Freiheit“, „Flexibilität“ und „flache Hierarchien“ verkauft.  Und Amazon kassiert eine Provision von 10 Prozent für alles, was die „Turker“ – wie sie sich selbst nennen – über die Plattform abwickeln.

 

BigBrotherAwards

Die BigBrotherAwards sind ein internationales Projekt. In 19 Ländern werden die Preise an Datensünder in Wirtschaft und Politik für fragwürdige Praktiken überreicht. In Deutschland verleiht der Verein Digitalcourage (vormals FoeBuD e.V.) die BigbrotherAwards.

Mehr zu den BigBrotherAwards 2015


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