Deutscher Gewerkschaftsbund

10.06.2015
Report

IGB: Europas Sparpolitik sorgt für Abbau von Arbeitnehmerrechten

Griechische Fahne an Fahnenmast

Colourbox

Nirgendwo auf der Welt haben sich Arbeitsstandards für Beschäftigte deutlicher verschlechtert, als in den Ländern, die von der europäischen Sparpolitik betroffen sind. Das zeigt der diesjährige Global Rights Index des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB). Griechenland steht im IGB-Ranking inzwischen auf einer Stufe mit Katar (Ranking Stufe 5) – die Tarif-Freiheit ist dort laut IGB-Bericht faktisch abgeschafft.

Die Gewerkschaftsrechte wurden in Europa weiter eingeschränkt, so die Aussage des Kapitels zu Europa im IGB-Report zum Global Rights Index. Europas Beschäftige hätten erleben müssen, dass ihre Rechte in den vergangenen 12 Monaten massiv abgebaut wurden, erklärt IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow bei der Vorstellung des Berichts. So hätten Arbeitgeber und Regierungen die Sparpolitik der Europäischen Union für einen Angriff auf soziale und Arbeitnehmerrechte genutzt.

Tarifsysteme "praktisch aufgelöst", Streikrecht geschwächt

Unter dem Deckmantel der Wirtschaftsreformen seien Tarifrecht  und Tarifsystem in Ländern wie Griechenland und Rumänien praktisch aufgelöst worden. In Serbien und Ungarn wurden Gesetze verabschiedet, die die Verhandlungsrechte zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern beschnitten haben. Länder wie Großbritannien und Spanien haben Maßnahmen eingeführt, um das Streikrecht einzuschränken, so der IGB-Bericht.

Karte zum IGB / ITUC Global Rights Index 2015

Verletzung von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten weltweit - der Global Rights Index des IGB: Je dunkler der Rotton, desto schlechter die Arbeitsbedingungen (mit einem Klick aufs Bild geht's zur Grafik mit erläuternder Legende als PDF). Griechenland befindet sich gemeinsam mit Katar und Saudi-Arabien in Ranking-Stufe 5 von 6. IGB

Angriff auf Schutz der Arbeit

"Die Politik der EU ist ein außerordentliche Angriff auf die Gesetze zum Schutz von Arbeit und Beschäftigung – und sie schwächt die Bedeutung des europäischen Sozialmodells. Zwar hat die neue EU-Kommission eine Abkehr von ihrem orthodoxen Sparkurs angekündigt – aber es muss sich noch zeigen, wie die Schäden repariert werden können", stellt der Bericht fest.

Der Global Rights Index bewertet ingesamt 141 Staaten, wie sie die Rechte ihrer Beschäftigten gesetzlich schützen und diesen Schutz in der Praxis umsetzen.

 

 Quelle: The 2015 ITUC Global Rights Index - The World's Worst Countries For Workers. S. 23
Die zehn Länder mit den schlimmsten Bedingungen für Beschäftigte
Platz Land Repressionen gegen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
1 Weißrussland Unterdrückung – Zwangsarbeit – Niederschlagung von Protesten
2 China Unterdrückung – Verhaftungen – Prekäre Arbeit – Fehlende Rechtssicherheit
3 Kolumbien Morde – Tarifverträgen werden umgangen – Unterdrückung
4 Ägypten Brutaler Einsatz von Polizeigewalt – Massenverhaftungen – Entführungen
5 Guatemala Bewaffnete Angriffe – Morde – Fehlende Rechtssicherheit
6 Pakistan Weite Bereiche des Arbeitsrechts gelten nicht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – Verhaftungen – Gewalt
7 Katar Arbeitsrecht gilt nicht für Migranten – Zwangsarbeit
8 Saudi-Arabien Arbeitsrecht gilt nicht für Migranten – Zwangsarbeit
9 Swasiland Gewerkschaften sind verboten – Polizeigewalt – Gefängnisstrafen
10 Vereinigte Arabische Emirate  Arbeitsrecht gilt nicht für Migranten – Zwangsarbeit
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IGB-Meldung: ITUC Global Rights Index names world’s ten worst countries for workers

Download: The 2015 ITUC Global Rights Index - The World's Worst Countries For Workers.


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