Deutscher Gewerkschaftsbund

25.07.2017

Tag 2 der DGB-Sommertour 2017

Am 25. Juli machte die DGB-Sommertour Halt in Brandenburg: bei der Bundespolizeiabteilung Blumberg sowie bei der DB Cargo AG in Neuseddin.

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Station 3: Bundesbereitschaftspolizei Blumberg - „Feuerwehr der Inneren Sicherheit“

Zehn Standorte bundesweit hat die Bundesbereitschaftspolizei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DGB-Sommertour waren am 2. Tag der Tour zu Gast am Standort Blumberg im brandenburgischen Ahrensfelde. „Wir sind die Feuerwehr der Inneren Sicherheit“, erklärt Jan-Christof Möller, Leitender Polizeidirektor der Bundespolizei in Blumberg.

Jan-Christof Möller, Leitender Polizeidirektor der Bundespolizei in Blumberg, erläutert im Rahmen der DGB-Sommertour 2017 die Arbeit der Bundesbereitschaftspolizei DGB/U. Völkner/FOX

Die Einsätze der Bereitschaftspolizei des Bundes sind vielfältig – angefordert werden sie von anderen Standorten der Bundespolizei oder bei Großeinsätzen von den Polizeien der Länder: bei Massenveranstaltungen vom Kirchentag bis zum Papstbesuch, größeren Betriebsunfälle bei der Bahn, Grenzkontrollen von Geflüchteten, Fußballspielen oder bei politischen Demonstrationen – wie zuletzt beim G20-Gipfel in Hamburg.

Investitionsstau auch bei der Bundespolizei

Auch die Bundespolizei hat dabei mit Problemen zu kämpfen, die typisch für viele Bereiche des öffentlichen Dienstes sind. Beispiel Investitionsstau: Auf einer Übersichtskarte der Liegenschaft in Blumberg mit rund zwei Dutzend Gebäuden sind mehrere mit „Teilsperrung!“, Gesperrt!“ oder „Abriss!“ gekennzeichnet.

„Wichtige Investitionen wurde zurückgehalten, es wurde einfach nicht investiert“, berichten Mitarbeiterinnen. Auch Jan-Christof Möller spricht von einem „unerträglichen Renovierungsstau“. Die Folge: Der Schießstand auf dem Gelände kann derzeit nicht genutzt werden – obwohl in Blumberg auch Polizeianwärterinnen und -anwärter ausgebildet werden. Die müssen dann mit Bussen zu anderen Schießständen gefahren werden. Und das bedeutet wiederum Zusatzkosten für die Fahrten und das Einmieten an anderen Standorten. Ein weiteres Problem: Zwar sollen jetzt nach Jahren der Personal-Sparpolitik wieder vermehrt neue Polizistinnen und Polizisten ausgebildet werden. Doch für die Polizeianwärter, die auch auf dem Gelände in Blumberg wohnen müssen, fehlt schlicht Wohnraum. „Da werden wir akute Probleme bekommen“, so eine Mitarbeiterin. Auch ein ausreichender Bedarf an „Bereitschaftsbetten“ sei nicht gewährleistet.

Polizist legt, von Personen und Kamerateam, Uniform mit Hem an

16 bis 30 Kilogramm wiegt die Einsatzuniform eines Bereitschaftspolizisten - je nach Einsatzlage. Teilweise wird sie 12 Stunden oder länger im Einsatz getragen DGB/U. Völkner/FOX

Doch nicht nur bei der Infrastruktur, auch beim Personal bleibt viel zu tun. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bemängelt vor allem die massiven Überstunden der Kolleginnen und Kollegen: zu wenig Einsatzkräfte für zu viele Einsätze. Von den 851 Polizei-Stellen, die in Blumberg eigentlich „Soll“ sind, sind aktuell nur rund 560 verfügbar, rechnet Jan-Christof-Möller vor – also nur rund drei Viertel. Zwar würden jetzt vermehrt neue Bundespolizisten ausgebildet, berichtet Jörg Radek, GdP-Vize und Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei. Doch die Infrastruktur für die Ausbildung stimme noch nicht: Denn erfahrende Polizeikräfte, die für die Ausbildung eingesetzt würden, würden dann wiederum für Einsätze fehlen.

Bilderstrecke: Bundespolizei Blumberg


Station 4: DB Cargo in Seddin - „Erst weiß, dann bunt, dann rostig“

„Erst weiß, dann bunt, dann rostig“, so beschreibt Jörg Hensel, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Deutsche-Bahn-Güterverkehrssparte DB Cargo verkürzt die „Vorfahrtsregeln“ auf der Schiene: Erst der Fernverkehr mit den ICE, dann alle anderen, dann der Güterverkehr. Für Lokführer der Güterzüge bedeutet das oft: lange Wartezeiten – geplante Fahrtzeiten werden selten eingehalten.

Doch das ist nicht die einzige Herausforderungen, die die Beschäftigten von DB Cargo in Seddin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der DGB-Sommertour 2017 bei ihrem Besuch schildern. In Seddin befindet sich ein Rangierbahnhof und ein Werk, das Loks und Wagen instand setzt. DB Cargo war in den vergangenen Jahren von vielen Umstrukturierungen betroffen – auch der Standort Seddin.

Denn das Umfeld ist schwierig: Seit der mehr als zehn Jahre zurückliegenden Liberalisierung des europäischen Güterverkehr-Marktes hat sich vieles verändert. DB Cargo ist zwar noch Marktführer, aber nur noch mit einem Marktanteil von rund 56 Prozent. Hunderte andere Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind am Markt aktiv. Und inzwischen, so berichtet Hensel, ist längst auch im Eisenbahnbereich angekommen, was bisher nur aus dem Lkw-Güterverkehr bekannt war: Soloselbstständige Lokführer fahren als „Unternehmer“ mit eigener Lok Güter quer durch Deutschland und Europa – das Arbeitszeitgesetz gilt für sie als Unternehmer nicht. Deshalb fordert die EVG, endlich auf Loks einen Fahrtenschreiber einzuführen, wie es ihn bei Lkw längst gibt. Auch Leiharbeit ist inzwischen eine feste Größe im Güterverkehr. Laut Schätzung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fahren bei den Konkurrenten der DB Cargo rund 30 Prozent der Lokführer in Leiharbeit, erklärt der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner.

Bilderstrecke: DB Cargo in Seddin - Rangierbahnhof und Eisenbahn-Instandsetzung

 

Doch trotz jahrelangem Stellenabbau und schwierigem wirtschaftlichen Umfeld gibt es in Seddin auch viel Positives zu berichten: vor allem über die engagierte Belegschaft und die aktiven Arbeitnehmervertreter. Die neuen Bühnen, von denen aus in der Werkshalle die „Dächer“ der Güterzüge bei der Instandsetzung bearbeitet werden, wurden nach Wünschen und Vorstellungen der Mitarbeiter gestaltet – denn sie wissen am besten, was die optimalen Bedingungen für ihre Arbeit sind. Und von den 25 Auszubildenden des letzten Jahrgangs sind alle 25 in die EVG eingetreten. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung in Seddin hat übrigens einen ganz speziellen Wunsch an den Arbeitgeber: realistischere Unternehmenswerbung für den Lokführer-Beruf. In der Regel, so erzählen sie, würde der Beruf des Lokführers mit Bildern aus einem ICE-Führerstand beworben. Doch der Führerstand einer Güterlok sei nicht so „clean“ und „glänzend“ wie der der ICE-Kollegen. Viele Nachwuchs-Lokführerinnen und -führer würden sich deshalb beim DB Fernverkehr bewerben – doch auch die DB Cargo braucht dringend Nachwuchs.


TAG 2: DIE STATIONEN DER DGB-SOMMERTOUR 2017
(Dienstag, 25. Juli)
Bundespolizeiabteilung Blumberg DB Cargo AG in Neuseddin
organisiert von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) organisiert von der EVG
„Wir sind Sicherheit“: Die Bundespolizei Blumberg ist Teil der Bereitschaftspolizei und eine der einsatzstärksten Abteilungen der Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt arbeiten hier über 900 Menschen, 800 von ihnen als Polizeivollzugsbeamte. Der Frauenanteil ist mit 6,8 Prozent sehr gering, die Arbeitsbelastung ist extrem hoch. Die Abteilung wird unter anderem für grenz- und bahnpolizeiliche Aufgaben und im Bereich der Luftsicherheit eingesetzt, zum Beispiel bei Grenzfahndungen, Fanbegleitungen und High-Risk-Flügen. Außerdem unterstützt sie die Polizeien der Länder bei besonderen Anlässen wie dem 1. Mai in Berlin, das Bundeskriminalamt bei Hausdurchsuchungen sowie die Bundeszollverwaltung. Die DB Cargo ist die führende europäische Güterbahn. Hier hat die Deutsche Bahn alle nationalen und internationalen Logistikaktivitäten auf der Schiene gebündelt. Jeden Tag sind für die DB Cargo 4.520 Güterzüge unterwegs, an weltweit 400 Standorten sind über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Am Standort Neuseddin in Brandenburg arbeiten etwa 1.500 Menschen, unter anderem in der Lok- und Güterwageninstandhaltung und am Güterbahnhof. Aktuell hat das Unternehmen große Probleme, freie Arbeitsplätze nachzubesetzen, vor allem in der Werkstatt und der Produktion. Das sorgt für Unmut bei der Belegschaft. Auch die Umsetzung einer neuen Struktur ist eine Herausforderung.

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