Deutscher Gewerkschaftsbund

08.06.2016
Gewerkschaften

Urlaubsgeld: Deutlich mehr mit Tarifvertrag

Wenn es um Urlaubsgeld geht, profitieren Beschäftigte eindeutig von einer Tarifbindung ihres Arbeitgebers: Denn 61 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Tarifvertrag bekommen Urlaubsgeld, Beschäftigte ohne tarifliche Bindung dagegen nur zu 32 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Rund 6.400 Beschäftigte haben sich an der Befragung beteiligt.

Familie am Strand

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Grafik Urlaubsgeld 2016

1) Endstufe; 2) nur Gehalt; 3) nur Lohn Quelle: WSI-Tarifarchiv, Stand: April 2016; Hans Böckler-Stiftung 2016

Benachteiligt: Frauen, Ostdeutsche und Beschäftigte in Kleinbetrieben

Männer bekommen laut der Umfrage häufiger Urlaubsgeld (49 %) als Frauen (35 %). Weitere Ergebnisse: In Westdeutschland fällt der Anteil von Beschäftigten mit Urlaubsgeld mit 47 % höher aus als im Osten (27 %). In Kleinbetrieben unter 100 Beschäftigte gibt es seltener ein Urlaubsgeld (33 %) als in größeren Betrieben über 500 Beschäftigte (57 %). Von den Beschäftigten mit einem geringen Monatsverdienst (1.000 bis 2.000 Euro) erhalten nur 29 Prozent ein Urlaubsgeld, von den Beschäftigten mit hohem Gehalt (5.000 bis 6.000 Euro) dagegen gut die Hälfte (52 %).

Bis zu 2.270 Euro tarifliches Urlaubsgeld

Die Höhe destariflich vereinbarten Urlaubsextras fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 155 und 2.270 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe in diesem Jahr als tarifliches Urlaubsgeld (ohne Berücksichtigung von Zulagen und Zuschlägen, bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer). Auch das zeigt die aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs für 22 Wirtschaftszweige (Stand: April 2016). Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Druckindustrie sowie in der Metallindustrie. Am wenigsten Geld für die Urlaubskasse bekommen Beschäftigte im Steinkohlenbergbau und in der Landwirtschaft.

Kein tarifliches Urlaubsgeld im Bankgewerbe und Energiewirtschaft

Im Westen ist das Urlaubsgeld vielfach höher als in Ostdeutschland. Im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie gibt es kein gesondertes tarifliches Urlaubsgeld. Es wird mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst. Bei der Deutschen Bahn AG wird es in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet. Im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft gibt es kein tarifliches Urlaubsgeld. Für Beamtinnen und Beamte existieren keine tariflichen Urlaubsgeldregelungen. Hier gelten die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen der Beamtenbesoldung für den Bund und für die einzelnen Länder einschließlich der Gemeinden.

Mehr Urlaubsgeld für 8 Branchen

Gegenüber dem Vorjahr hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in acht der untersuchten Branchen erhöht, und zwar zwischen 2,1 % (Bekleidungsindustrie Bayern), 2,4 % (Versicherungsgewerbe), 2,5 % (Einzelhandel), 2,6 % (Papier verarbeitende Industrie, Gebäudereinigerhandwerk), 3,0 % (Kfz-Gewerbe, Thüringen), 4,1 % (Eisen- und Stahlindustrie) und 11,1 % (Textilindustrie Ost). Im Bauhauptgewerbe fällt das Urlaubsgeld geringer aus als im Vorjahr. Diese Reduzierung dient der Finanzierung der weiter entwickelten Tarifrente Bau. In vielen Branchen gab es keine Erhöhung (z.B. Druck, Chemie, Großhandel, Süßwarenindustrie, Landwirtschaft, Hotel- und Gaststättengewerbe). Gründe dafür: Entweder fanden im Auswertungszeitraum keine Tarifverhandlungen statt oder das Urlaubsgeld wurde als Festbetrag vereinbart, der nicht automatisch mit dem Tarifabschluss steigt.


LINK

WSI-Tarifarchiv: "Wer bekommt Urlaubsgeld und was sehen die Tarifverträge vor?"


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