Deutscher Gewerkschaftsbund

06.06.2017
Gewerkschaften

Urlaubsgeld: Deutlich mehr mit Tarifvertrag

Aktuelle Online-Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung

Wer einen Tarifvertrag hat, ist klar im Vorteil - auch beim Urlaubsgeld. Mehr als 60 Prozent aller Beschäftigten, die in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, bekommen dieses Extra. Bei den übrigen Beschäftigten sind es nur knapp 37 Prozent. Besonders üppig fällt die Zahlung in den Branchen Holz und Kunststoff, Papier und Metall aus.

Familie am Strand

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Für die Befragung wurden die Angaben von rund 6.600 Beschäftigten aus dem Jahr 2016 ausgewertet. 

Grafik Anteil der Beschäftigten mit Urlaubsgeld

WSI/Hans-Böckler-Stiftung

Benachteiligt: Frauen, Ostdeutsche und Beschäftigte in Kleinbetrieben

Laut Umfrage bekommen Männer häufiger Urlaubsgeld (50,7 %) als Frauen (38,7 %) - und Beschäftigte in Westdeutschland (49 %) häufiger als Beschäftigte in Ostdeutschland (33,2 %). Und: In Kleinbetrieben gibt es seltener ein Urlaubsgeld (34,4 %) als in größeren Unternehmen (56,5 %). Insgesamt erhalten 42,6 aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland von ihrem Arbeitgeber Urlaubsgeld.

Bis zu 2.316 Euro für die Urlaubskasse

Dabei fällt die Höhe des tariflich vereinbarten Urlaubsextras je nach Branche sehr unterschiedlich aus: In der mittleren Vergütungsgruppe liegt sie zwischen 156 Euro und 2.316 Euro (ohne Berücksichtigung von Zulagen und Zuschlägen, bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer). Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Papier verarbeitenden Industrie sowie in der Metallindustrie. Am wenigsten Geld für die Urlaubskasse bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft, im Steinkohlenbergbau und im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Grafik Tarifliches Urlaubsgeld 2017 in der mittleren Gruppe

WSI/Hans-Böckler-Stiftung

Kein tarifliches Urlaubsgeld im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft

Dass in der Tabelle einige Branchen fehlen hat verschiedene Gründe. So gibt es etwa im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie kein gesondertes tarifliches Urlaubsgeld; es wird mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst. Bei der Deutschen Bahn AG wird es in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet. Im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft gibt es kein tarifliches Urlaubsgeld.

Mehr Urlaubsgeld für 12 Branchen

Dort, wo Urlaubsgeld gezahlt wird, ist es in 12 von 22 untersuchten Branchen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, und zwar zwischen zwei Prozent in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie und zehn Prozent in der Textilindustrie Ost. Keine Zuwäche gab es unter anderem in der Chemieindustrie, im Großhandel, in der Süßwarenindustrie, in der Landwirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier fanden entweder im Auswertungszeitraum keine Tarifverhandlungen statt, oder das Urlaubsgeld wurde als Festbetrag vereinbart, der nicht automatisch mit dem Tarifabschluss steigt.


WSI-Tarifarchiv: "Wer bekommt Urlaubsgeld und was sehen die Tarifverträge vor?"


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